Die Psyche meines Mörders

Wo die dunklen Wesen wohnenEin Interview mit Imke Kubin.

Imke Kubin erzählt in ihrem düsteren Mystery-Thriller „Wo die dunklen Wesen wohnen“ die Geschichte der 33-jährigen Linda McLarren. Ihr Job ist es, einen Beitrag zur Aufklärung von Morden zu leisten, doch in ihrem Kampf um Gerechtigkeit wird die Gerichtsmedizinerin selbst zum Opfer. Gleichzeitig werden die Ereignisse auch aus der Sicht eines psychopathischen Mörders geschildert und die dunklen Wesen haben ebenfalls ein Wörtchen mitzureden.
Wir sprachen mit der Autorin über Forensik, die Bedeutung von Schönheit und über die Psyche „ihres“ Mörders.

Deine Protagonistin hat einen emotional sehr belastenden Job: Sie ist Gerichtsmedizinerin und tagtäglich mit schrecklichen Verbrechen konfrontiert. Für die meisten ist das ein zutiefst abschreckender Beruf. Was hat dich daran gereizt, sich damit auseinanderzusetzen? 


Imke Kubin: Ich finde diesen Beruf eher spannend und wichtig als abschreckend, und das nicht nur, weil im Fernsehen seit Jahren die Crime-Serien sehr gefragt sind.
Mir ist vor einigen Jahren das Buch `Der Knochenleser`  von William M. Bass und Jon Jefferson in die Hände geraten und ich habe es binnen weniger Stunden verschlungen. Danach habe ich mir alles heraus gesucht, was mit der Anthropological Research Facility, kurz der Body Farm, zusammenhängt und mich selbst bedauert, dass mir dieser Studienkomplex nicht eher aufgefallen ist.

Warum spielt der Roman eigentlich gerade in London und nicht in deiner Heimatstadt?

I.K.: Ich wohne in Dresden. Alleine der Gedanke, die Personen und Tatorte in diese Stadt zu verlegen, fühlt sich komisch an. Ich mag London. Sherlock Holmes hat seine größten Abenteuer dort erlebt. Auch die Geschichte dieser Stadt, von der ja einiges in mein Buch einfließt, ist sehr spannend. Wahrscheinlich habe ich London wegen seiner Vielfältigkeit gewählt, wegen des Wetters, wegen des Towers, wegen Jack the Ripper und wegen Henry Tudor.

Imke KubinDie Londoner Atmosphäre passt in der Tat gut zur Geschichte. Die Zwischenpassagen sind aus der Sicht des Mörders geschrieben. Wie ist es, in die Psyche eines Mörders einzutauchen? Musstest du dafür einen dunklen Ort in deiner Seele finden?



I.K.: Nein. Aber ich habe mich intensiver mit der Geschichte des Mörders beschäftigt als mit der anderer Protagonisten. Sehr häufig habe ich die Reaktionen des Täters hinterfragt, habe überlegt, was einen Menschen so verändern könnte – und ich habe mich von meinem Mörder überraschen lassen. Am Ende hatte ich ihn fast ein wenig gern, weil ich seine Hintergründe verstehen konnte.

Deine Protagonistin ist durch eine große Narbe im Gesicht gekennzeichnet und hat seitdem Probleme, in den Spiegel zu sehen. Was bedeutet für dich Schönheit?

I.K.: Mein Blick auf den Begriff ‚Schönheit‘ hat sich in den Jahren gewandelt. Ich habe gelernt, dass es nicht die Äußerlichkeiten, das Offensichtliche ist, was Menschen schön macht. Es ist immer das Wesen, der Charakter, die Art und Weise, auf andere zuzugehen. Für mich ist äußere Schönheit ein gnädiges und vergängliches Geschenk. Innere Schönheit hingegen ist bleibend und strahlt nach außen. Letztere ist in meinen Augen außerordentlich kostbar.

Neben dem Schreiben bist du auch noch in der Schülersozialarbeit tätig. Wird sich nach der Veröffentlichung deines Romans etwas ändern, oder erzählst du das den Schülern gar nicht?

I.K.: ‚Meine‘ Kinder wissen, dass ich schreibe. Teilweise schreiben sie auch und zeigen mir ihre Gedichte, wollen meine Meinung wissen. Ich weiß, dass einige meiner Kids schon auf die Veröffentlichung warten.

Eine deiner Romanfiguren findet: „Namen sagen eine Menge über den Menschen aus.“ Was sagt uns der Name „Imke Kubin“?

I.K.: Verschiedene Namensbücher haben mir erzählt, dass sich der Name aus dem Althochdeutschen von Imke, irmin (allumfassend, groß) und gard (Zaun, Schutz) herleitet. Wie man von Irmgard auf Imke gekommen ist, kann ich allerdings nicht sagen.
 Kubin bedeutet, dass man aus seinen Fehlern lernen kann, nein muss, und dass man seine Vergangenheit zwar bereuen kann, sie aber vergangen ist.
Eigentlich ist mir die Bedeutung, betreffend meines Mädchennamens, wichtiger. 
Ich heiße ursprünglich Imke Wünsche. Dieser Name steht für mich für Familie, Glauben, Wachstum, Rückhalt, Entscheidungen, Kämpfe, Tränen, Versöhnung, Stärke und Schutz.

Und für uns steht der Name Imke Kubin jetzt auch noch für einen großartigen Roman. Ich danke dir für das Interview.

Das Interview führte Sarah Noack.

Marion Alexa Müller

Marion Alexa Müller liebt Geschichten mit Anfang, Mitte und Schluss, weiß, dass man den Satzbau nicht neu erfinden sollte, dass bei Adjektiven die Dosis das Gift macht und ist davon überzeugt, dass Anglizismen nicht wirklich Sinn machen. Sie ist Autorin, Illustratorin, Filmchenmacherin, Periplaneta-Chefin und Mitglied der Lesebühne Vision & Wahn.

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