Samsas Traum: „Der Tim Burton des Goth“

EIN INTERVIEW MIT ALEXANDER KASCHTE AUS DEM JAHR 2005

Samsas TraumSeit unserem ersten Interview mit Alexander Kaschte, seines Zeichens Initiator und Mastermind, Kopf, Herz und Hirn von SAMSAS TRAUM, sind einige Zeiten ins Land und er aus dem unsrigen ins benachbarte gegangen. Wir haben unseren Namen gewechselt und er hat einige nicht ganz unbedeutende und über weite Strecken qualitativ hochwertige Veröffentlichungen vorzuweisen. Dennoch hat ihm unser Master Of Pain seine einst so rotzige Art nicht verziehen. Sie war aber schon damals anders anmaßend, als die Art anderer arroganter Egomanen. Nicht verziehen, bedeutet auch, daß man sie nicht vergessen hat… und was ist schlimmer für einen Künstler, als in die Fußstapfen eines Antonio Salierie zu treten und die eigene Bedeutsamkeit schwinden zu sehen. Das wird Herrn Kaschte nicht passieren, denke ich, denn einerseits ist seine Suche nach Skandal um jeden Preis einem Bedürfnis nach Wachstum und Weisheit gewichen und andererseits scheint es ihm gelungen zu sein, den eigenen Wahnsinn und die Traumata verweigerter Erfahrungen in eine unerschöpfliche Quelle kreativer Energie zu verwandeln. Möge er mir die reißerische Ader verzeihen, die sein farbenträchtiges, phantastisches Ziel in diese Tolle Titelzeile verwandelt hat… hier nun Tim versus ToM, als Einstimmung zum  Konzertereignis am 17. Juni 2005 im Top Act Zapfendorf.

subKULTur.com: Aus der ursprünglichen Idee Samsas Traum ist über die Jahre ein, zuweilen liebenswertes, aber dennoch gefährliches, Geschichten spuckendes Monster entstanden. Hast Du davor Angst?

Alexander Kaschte: Angst habe ich lediglich davor, daß in meinem Kopf die Ideen und Vorstellungen von zukünftigen Veröffentlichungen mittlerweile Ausmaße angenommen haben, die fast jenseits der Grenze des Menschenmöglichen stehen. Angst habe ich davor, daß mir in meinem Leben vielleicht nicht die Zeit zur Erfüllung aller künstlerischen Wünsche bleiben wird. Durch die derzeit laufende Dvd-Produktion habe ich ein Medium kennen gelernt, das mir neue Möglichkeiten und Ausdrucksformen bietet, und ich werde zukünftig versuchen, das Medium (Trick)Film aktiv in meine Arbeit einzubinden.

subKULTur.com: Tendenziell läßt sich Samsas Traum weder als Band fassen, noch in einem Genre unterbringen. Als Band nicht, weil Deine Arbeit zuweilen weit über das Musik und Text machen hinaus geht. Das Genre, gleich welches, bietet in erster Linie Klischees, an denen man sich definieren kann, oder mit denen man als Künstler definiert wird. Doch Samsas Traum hat seine eigenen Klischees.
Dennoch: Wen willst Du ansprechen und wer läßt sich ansprechen von Samsas Traum?

Alexander Kaschte: Die Antwort mag vielleicht lächerlich wirken, aber grundsätzlich träumt man als Künstler davon, einmal die ganze Welt anzusprechen; deshalb habe ich großen Respekt vor z.B. Björk, Peter Gabriel oder David Bowie, die trotz ihrer stellenweise doch recht „schrägen“ Musik sehr viele Menschen erreichen. Ich interessiere mich bekanntlich nicht für Szene-Doktrinen oder dafür, wie man meine Musik beschreiben oder wo man meine Fans einordnen würde; das Wichtigste ist, daßüberhaupt „Menschen“ vor mir stehen und mir zuhören. Darüber hinaus sucht man sich als Künstler seine Zuhörer nicht aus, der Auswahlprozeß findet am entgegengesetzten Ende statt.

subKULTur.com: Mit A.Ura hast Du Dich weiter von den bisherigen Ausdrucksformen entfernt. Steht die Geschichte nun gänzlich über allem, also auch über den Ausdrucksformen, oder stand sie das schon immer… und es war nur ein Zufall, daß sich die Vorgängeralben noch in Klangspektren bewegten, mit denen sich vorhandene Gruppierungen identifizieren konnten?

Alexander Kaschte: Mir ist mit den Jahren von Album zu Album immer wichtiger geworden, daß man mich versteht, d.h. daß die Nachricht des Senders ungefiltert und unmodifiziert beim Empfänger ankommt. Ich habe auf meinen ersten Alben Texte verfaßt, die vor Metaphern fast aus allen Nähten geplatzt sind; was ich den Menschen schlußendlich mittels meiner Texte mitteilen wollte, hat jedoch kaum jemand wirklich verstanden. Heute ist mein Mitteilungsbedürfnis alles andere als introvertiert; ich habe ein Gefühl, als gäbe es Dinge, die ich zu vermitteln hätte, und diese Sachverhalte sind viel zu wichtig, als daß ich sie mit literarischen und schönen, aber nicht zweckmäßigen Umschweifungen verwaschen möchte. Das Konzept hat sich der Aussage untergeordnet, und der Gebrauch von Sprache ist auf dem „a.Ura“-Album ein ganz anderer als früher und wird mit den kommenden Alben noch viel weiter auf das Wesentliche reduziert.

Als Beispiel: der Satz „Du hast meine Liebe nicht erwidert, was in mir solche seelischen Schmerzen verursacht hat, daß ich Dich damals am liebsten dafür umgebracht hätte“ wird von jedem Deutsch sprechenden Menschen zu 100% und im ersten Moment unmittelbar verstanden. Früher wäre aus dieser einen Aussage einen zweiseitiger Text entstanden, dessen Intention niemand auch nur hätte erahnen können… wahrscheinlich verfüge ich mittlerweile einfach über den Mut, meinen Hörern direkt mitzuteilen, was ich wirklich fühle.

subKULTur.com: Glaubst Du, daß Samsas Traum mit A.Ura hätte debütieren können, daß dieses Album ohne „Status“ funktioniert hätte?

Alexander Kaschte: Einerseits bin ich davon überzeugt, daß das „a.Ura“album als Debüt musikalisch zwar besser funktioniert hätte als „Die Liebe Gottes“, da es bessere Stücke enthält, mit einem aufwendigeren Artwork aufwartet und eine bessere Produktion vorweisen kann. Auf der anderen Seite war es für SAMSAS TRAUM von enormer Wichtigkeit, mit den Jahren zu wachsen und sich zu entwickeln; und die Treue meiner Fans habe ich mir meiner Meinung nach nicht nur durch meine Musik, sondern auch durch diesen, teils auch persönlichen Entwicklungsprozeß verdient, an dem ich meine Zuhörer immer teilhaben ließ. Um die Frage zu beantworten: der Erfolg des „a.Ura“-Albums wäre ohne den Spießrutenlauf der letzten Jahre und ohne die menschlichen Höhen und Tiefen undenkbar gewesen.

subKULTur.com: Selbst in den Interviews wird über positive und negative Aussagen debattiert. Wieso begegnet mir bei Samsas Traum ständig eine Auseinandersetzung mit Gut und Böse?

Alexander Kaschte: Es wird wohl daran liegen, daß ich ein sehr schwieriger, extremer, launischer und in sich zerrissener Mensch bin, der die ganze Zeit versucht, sich für eine von zwei fiktiven Seiten, für Gut oder Böse, Licht oder Schatten zu entscheiden. Ich habe erst mit der Zeit gelernt, daß es weitaus mehr Farben gibt als Weiß und Schwarz, was für mich ein sehr erleichterndes Gefühl war. Heute sehe ich die Welt gelassener und kann einen Sachverhalt auch einfach einen Sachverhalt sein lassen, ohne gleich eine bestimmte Stellung einnehmen zu müssen.

Darüber hinaus polarisiere ich mittels meiner Musik, meiner Aussagen und meines Verhaltens die Menschen und die „Szene“. Ich provoziere gerne und vertrete mit Vorliebe extreme Standpunkte, um Reaktionen zu erzeugen. Die Art der Reaktion ist mir zwar nicht immer gänzlich egal, aber in Zeiten, in denen viele Menschen kaum mehr eine Meinung haben oder sich die schwarze Szene über politische und gesellschaftliche Vorgänge ausschweigt, ist es wichtig, die Leute, umgangssprachlich ausgedrückt, von ganzem Herzen aufzuregen und ihnen damit Denkanstöße zu liefern. Mein Ziel ist schon dann erreicht, wenn man sich über mich nur den Mund zerreißt, denn dann ist schon der Großteil meiner Intention in den Köpfen der Leute hängen geblieben.

subKULTur.com: Ich denke, daß schon mit Tineoidea die Zerstörung als nicht mehr generell negativ empfunden und dargestellt wurde. Samsas Traum wird von seinem Medium immer mehr akzeptiert… und komischerweise auch von einem Publikum. Hast Du ein Problem damit, daß immer mehr Leute Deinen Antihelden Anspruch nicht teilen?

Alexander Kaschte: Den Status eines adoleszenten, misanthropischen Antihelden, der sein klägliches Dasein in Dichterwohnungen fristet und über sein finsteres Weltbild sinniert, nehme ich schon lange nicht mehr für mich in Anspruch, und wir haben im letzten Jahr hauptsächlich während Konzerten daran gearbeitet, diesen Mythos mit aller Macht zu zerschlagen. Ich habe alles andere als ein Problem damit, wenn es mir mein Publikum gleichtut und es schafft, seine negativen Emotionen zu kanalisieren und in positive Kraft umzuwandeln. Ich denke, daß ein Großteil meines Erfolges aus dem letzten Jahr einzig und allein daher rührt, daß ich mich auf der Bühne nicht mehr verstellt habe sondern einfach ich selbst war.

subKULTur.com: Zitat „Samsas Traum ist die zu Klang gewordene Darstellung des Konfliktes, der an dem Tag in mir geboren wurde, als ich bemerkte, daß die Welt nicht so funktioniert, wie ich es will. Noch heute möchte ich die Tür finden, hinter der sich das verbirgt, was manche Menschen unter Gott verstehen, denn ich gehe durch Logik erzeugte Gedanken davon aus, daß es diese Tür irgendwo geben muß. Ich suche zwanghaft nach ihr, weil ich das, was sich hinter ihr verbirgt, auf Grund des Konfliktes in mir töten möchte.“Zitatende

Hmm, das Göttliche ist demnach eine Wesenheit für Dich, so wie Du eine bist?

Alexander Kaschte: ToM, da haste ja mal ’ne janz finstere Passage von früher ausjegrahben. 🙂 Alter Schwede, vergiß den Stuß mal ganz schnell. Immer, wenn ich solche Texte lese, kann ich beim besten Willen nicht verstehen, in welchem seelischen Zustand ich mich befunden haben muß., der zu ihrer Entstehung geführt hat. Ich bin unendlich froh darüber, daß diese Geschichten der Vergangenheit angehören.

Ich betrachte „Gott“ als eine unpersönliche Macht, die in allem und jedem wiederzufinden ist. Diese Macht läßt mein Herz schlagen, Pflanzen wachsen, das Wasser fließen und die Sonne aufgehen. „Gott“ ist allerorts in der Natur und im Universum zu finden, mein Gottesbild ist Großteils von Pantheismus und Humanismus geprägt, denn es ist für mich unübersehbar, daß auf diesem Planeten viel zu viele Dinge bewerkstelligt werden müssen, als daß man noch die Zeit dazu hätte, Gedanken durch höhere oder gar jenseitige Sphären schweifen zu lassen.

subKULTur.com : Zitat „Samsas Traum steht sinnbildlich für den kindlich-naiven Kampf in meinem Kopf, den ich gegen die alles vernichtende, doch von mir selbst akzeptierte Wahrheit führe, daß nichts von dem, was ich tue, von Bedeutung ist;“ Zitatende.

Der Hunger nach Bedeutsamkeit treibt die Kunst voran, bringt aber den Künstler nicht weiter? Oder stirbt hier der Rettungsversuch des Existenzialisten, der nur deshalb die Kunst heiligt, um seinen metaphorischen Arsch zu retten?

Alexander Kaschte: Oh je… bei der Entwicklung, die ich mittlerweile auf’s Parkett gelegt habe, ist es für mich wahrscheinlich das nebensächlichste der Welt, über meine eigene Bedeutung im Kontext von Kunst oder gar meinen „metaphorischen Arsch“ nachzudenken. Meine Musik hat sich seit dem „a.Ura“album von meinem Leben abgespalten, will heißen: es gibt ein Leben nach der Musik, aus dem die Musik resultiert. Wie ich in einem anderen Interview schon einmal gesagt habe: Heute habe ich ein Leben und die Musik, früher hatte ich die Musik, aber kein Leben.

subKULTur.com: „Schicksal“ hat meine Mitmenschen, die Welt, das Universum und mich selbst zu dem werden lassen, was daraus geworden ist, und damit hat sich „Schicksal“ sein Ende verdient.“ und „… daß ich im Universum alleine und für mich selbst verantwortlich bin.“ sind zwei Dinge, die sich entweder total widersprechen oder die nur einen einzigen Schluß zulassen…?

Alexander Kaschte: ToM, sieh‘ es einfach ein: es handelt sich hier um sich widersprechende Sätze, die damals von einem gekränkten Giftzwerg verfaßt wurden, den gerade ein verhaltensgestörtes Mädchen verlassen hat. Mehr steckt nicht dahinter: die gesamte Geschichte SAMSAS TRAUMs, alle Interviews, alle Platten und alle Texte fußen auf meiner inneren Zerrissenheit, Unzufriedenheit und der vergangenen Unfähigkeit, Sachverhalte zu akzeptieren. Einen einzigen Schluß? In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß ich mir heute selbst und jedem anderen Bürger einer Industrie-Nation in Anbetracht der globalen Situation nicht nur das Recht auf Depressionen, sonder auch das Recht auf Selbstmord abspreche.

subKULTur.com: Großartige Antwort auf eine gemeine Frage eines rosinenherauspobelnden Schreiberlings. Anfang und Ende eines Lernprozeßes, an dem nicht sehr viele Menschen teilhaben dürfen mit einem Ergebnis, vor dem sehr viele Menschen die Augen verschließen. Ja, uns geht es gut… diesseits und jenseits der Alpen, zu gut, um zu begreifen, was um uns herum so abgeht und vor allem, welches Leid und Elend eine indirekte Folge unseres Gutgehens darstellt.

Alexander Kaschte: Sorry: mich kotzt schon die ganze Zeit an, daß ich Zuhause sitze, Musik komponiere und mir vom Taschengeld von Teenagern, denen es viel zu gut geht, mein Essen und einen IPod kaufe, anstatt meine Zeit und meine Arbeitskraft den Teilen der Welt zu widmen, die sie wirklich brauchen. Die Wahrscheinlichkeit, daß ich Entwicklungshelfer oder Aktivist werde ist im Augenblick größer, als daß ich noch 5 Platten in Europa produziere.

subKULTur.com: Ich glaube, daß die Helfer nicht unbedingt das Leid vermindern, aber das ist nun eine ganz andere Geschichte. Charismatische Gestalten, die sogar für ihre Meinung Geld bekommen (würden), können Augen öffnen und Menschen erreichen, weil die Menschen ihnen zuhören. Du scheinst generell Überzeugungskraft zu haben. Wie gelingt es Dir, so eine vielköpfige, illustre Schar von Kollegen für solche Ideen, wie Tineoidea zu begeistern?

Alexander Kaschte: Um ehrlich zu sein mußte ich niemanden begeistern oder von meinem Vorhaben überzeugen, ich habe meine KollegInnen einfach telefonisch oder per Email gefragt, ob sie nicht Lust dazu hätten, auf meiner Platte mitzuwirken. In der Regel trifft man dann je nach dem Bekanntheitsgrad der KollegInnen auf drei Arten der Reaktion: 1)“Klar, super, gerne. Tolle Sache, das.“ 2)“Klar, super, gerne. Singst Du dafür auch auf meiner Platte oder machst Du dafür einen Remix für mich?“ 3) „Klar, super, gerne. Kannst Du mir dafür allerdings ein bißchen Geld für meinen Verdienstausfall/die Reisekosten/die Studiomiete zahlen?“ Fertig. Musiker sind auch nur aus Fleisch und Blut, und sie einigen sich wie jeder andere normale Mensch auch. In der Regel sind sie Kooperationen gegenüber aufgeschlossen, da es sie für eine kurze Zeit aus dem eigenen Musikuniversum befreit, den Alltag auflockert und den Horizont erweitert. Ich spreche da übrigens auch für mich.

subKULTur.com: Was ist Deiner Meinung nach kommerzielle Musik?

Alexander Kaschte: Kommerzielle Musik sind für mich Produktionen, die ausschließlich gefahren werden, um mit ihnen maximalen Profit zu erzielen, deren Sinn nicht über die Anhäufung von Kapital hinausgeht und deren Aussagekraft gleich Null ist; ich spreche hier hauptsächlich von Retorten-Bands, Boygroups oder z.B. diesem häßlichen Typen, der leider meinen Vornamen trägt. Für mich besteht aber auch ein Unterschied zwischen kommerzieller und sehr erfolgreicher, guter Musik: Wenn Farin Urlaub oder die oben erwähnte Isländerin viele Platten verkaufen, freue ich mich für sie und kaufe ihre Platten ebenfalls, da sie gute Lieder beinhalten, die mir etwas bedeuten und mir den Tag versüßen.

Traurig macht mich allerdings oftmals die Tatsache, daß es viele Künstler gibt, die einen größeren Erfolg verdient hätten, ihn aber auf Grund von marktwirtschaftlicher Strukturen o.ä. nicht erreichen können. Gerade höre ich das neue Album von Matt Howden, das vielen Leuten gefallen würde, die aber leider nicht wissen, daß es Matt Howden überhaupt gibt. Ich würde Matt lieber im Fernsehen sehen als diesen Typen mit meinem Vornamen.

subKULTur.com: Was ist Deine Meinung über kommerzielle Musik?

Alexander Kaschte: Ich habe keine Meinung zu kommerzieller Musik laut meiner Definition; was noch viel bezeichnender ist als eine schlechte Meinung über kommerzielle Musik zu haben. Ich muß. aber auch gestehen, daß es einige kommerzielle Unterfangen gibt, aus deren Beobachtung man sehr viel lernen kann. Eine genauere Analyse der „Bands“ TATU und NU PAGADI z.B. verdeutlicht eindrucksvoll, was in der Welt der kommerziellen Musik funktioniert und was nicht.

subKULTur.com: Wieweit interessiert Dich Meinung und Ergebnis einer Auseinandersetzung mit Deinem Werk?
Alexander Kaschte: einerseits interessiert mich die Meinung anderer Menschen im Bezug auf meine Person oder meine Arbeit nicht im geringsten, da sie nichts an meinem weiteren persönlichen Werdegang bzw. am Weg, den SAMSAS TRAUM zu Ende gehen wird, ändert. Auf der anderen Seite ist es immer interessant für mich zu erfahren, wie ich oder SAMSAS TRAUM auf andere Leute wirken. Dieses Interesse rührt aber eher aus einem narzißtischen und voyeuristischen Impuls heraus, oder aus der Neugier, ob meine Fans und Beobachter über das detektivische Feingefühl und die Spürnase verfügen, mir auf die Schliche zu kommen, denn aus dem Interesse an ihrer Meinung an und für sich.

subKULTur.com: Besonders die letzten beiden regulären Alben sagen mir, daß da etwas nach „Visualisierung“ schreit. Sicherlich macht A. Kaschte irgendwann mal einen Film… oder er bettet dieses Medium in sein Gesamtschaffen mit ein. Mißbrauch oder Erweiterung??

Alexander Kaschte: Wie ich bereits zu Anfang erwähnt habe: das Medium Film ist etwas, mit dem ich schon lange liebäugele und auf das ich in Zukunft todsicher zurückgreifen werde. Für mich stellt dies keinen Mißbrauch, sondern eine Erweiterung dar. Ich habe SAMSAS TRAUM immer als multimediales Gesamtkunstwerk betrachtet und werde daran arbeiten, meine Musik um die Dimension der bewegten Bilder zu erweitern. Das perfekte SAMSAS TRAUM-Produkt wäre eine düstere Musical-Trickfilm-DVD mit einer den Soundtrack beinhaltenden Audio-Cd und einem begleitenden Buch. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, daß dieses Produkt zu meinem Lebenswerk werden wird und ich allmählich mit der Planung beginnen sollte. ToM, wir haben gerade ernsthaft mein Interesse an meinem eigenen Größenwahn geweckt. Ich sollte der Tim Burton des Goth werden!

subKULTur.com: Kannst Du Dir vorstellen, aus Samsas Traum ein Theaterstück zu inszenieren? Hast Du einen Bezug zum Theater?

Alexander Kaschte: Interessanterweise ist mein Bezug zum Theater (Achtung, nicht zur Schauspielerei!) verhältnismäßig gering, ich weiß nicht, woran das liegt; vielleicht, weil die Möglichkeiten des Theaters sehr beschränkt sind. Wenn ich ins Theater gehe, suche ich mir vornehmlich aggressiv inszenierte, flippige oder abstrakte Stücke aus, die meine Sucht nach Schnelligkeit befriedigen. Darüber hinaus denke ich viel zu wirtschaftlich, um mein Herz an das Theater zu verlieren, da man ein Theater-Erlebnis nicht vervielfältigen und weltweit verkaufen kann bzw. der Verkauf eines Mitschnitts das eigentliche Theater-Erlebnis nicht ersetzt.

subKULTur.com: was erwartet den SAMSAS TRAUM Konzertbesucher musikalisch, inhaltlich am 17.06.2005?

Alexander Kaschte: den Konzertbesucher erwartet die letzte Vorstellung des alten Konzert-Programms. Wir spielen am Folgetag in Lahr, dort wird das Set allerdings gekürzt. Nach Lahr werden wir uns für ein halbes Jahr von den Bühnen verabschieden und erst wieder Ende 2005/Anfang 2006 mit einem neuen, sehr stillen und akustischen Album im Gepäck auftauchen. Ich hingegen hoffe, daß uns in Zapfendorf leckeres, veganes Catering erwartet und ihr uns zum Essen nicht in die ehrwürdige, fleischvernichtende Gaststätte unter dem Club schleift… 🙂

ToM: Hmmm… es ist immer so, wenn ich koche, daß der Gulasch vegan und der Rest nur auf Wunsch vegetarisch ist. Du hattest keine Sonderwünsche, also gibt es nur veganes Zeugs, so wie bei Cinema Strange. Da soll mal einer sagen, der Kaschte sei nicht pflegeleicht 🙂

Danke für das eindrucksvolle Interview.

THOMAS MANEGOLD (2005)

http://www.laut.de/Samsas-Traum

Thomas Manegold

Thomas Manegold. Producer, Admin und VisdP bei Subkultur und beim Periplaneta Verlag. Mitglied der Lesebühnen OWUL und VISION & WAHN, www.manegold.de

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