Serj Tankian „Harakiri“

Serj_Tankian_Harakiri_Album-CoverSerj Tankian, Sänger von System Of A Down und im Endeffekt auch das einzig Relevante, was seit 2006 von dieser großartigen Band übrig geblieben ist, hat sein drittes Solo-Album veröffentlicht. „Harakiri“ rockt, nach dem gitarrenlosen und eher missglückten Experiment „Imperfect Harmonies“, nun wieder kräftiger, klingt wieder eher nach System Of A Down, auch wenn sicherlich zwischen den ganzen Schreien der Verzückung auch Stimmen laut werden, die „Kommerz“ und „Mainstream“ unterstellen. Ersteres ist unwahrscheinlich, da Herr Tankian zu exzentrisch ist, zu schräg und zugleich zu erfolgreich, als dass er sich während seiner kreativen Schafferei irgendetwas unterwerfen würde. Zweiteres stimmt aber. Das ist Mainstream, allerdings richtet sich der ominöse Haupt-Strom eher nach dem Künstler und nicht umgekehrt, denn vor SoaD hätte sicherlich niemand zu prophezeien gewagt, dass SO eine Musike SO einen Erfolg haben könnte.
Wie schon bei seinen anderen Solowerken macht Serj Tankian auch auf „Harakiri“ was er will und erreicht damit ein Millionenpublikum. Dabei hat er es nicht nötig, sich zu wiederholen und wird zu keinem Zeitpunkt trivial oder austauschbar.

Im Gegensatz zu SoaD und Tankians Solo-Debüt klingt aber „Harakiri“ in Punkto Sound um einiges aufgeräumter. Die Gitarrenwände machen der Stimme und diversen Keyboardflächen Platz, was aber Songs und Aussagen in keiner Weise stört. Denn wie erwartet sind Tankians Texte, gelinde gesagt, meistens sozial- und gesellschaftskritisch… „Harakiri“ ist natürlich als Metapher auf die Menschheit zu begreifen, die sich gerade kollektiv den Garaus macht.

Das Album ist emotional ganz bewusst als Achterbahn angelegt. Harte, schnelle Songs bauen am Anfang Energien auf, ruhigere Songs bringen den Hörer auch ganz bewusst in eine fast sentimentale Stimmung und… rrrrumms… dann kommt ein grandioses Finale, das den Hörer mit offenem Mund zurücklässt. So muss ein Album sein! Mehr als die Summe seiner Lieder.

Das würde dann auch einen CD Kauf rechtfertigen. Einziger Wermutstropfen ist die schrottige Qualität des Tonträgers. Serj Tankian hat sich sicherlich auch als Grafiker sehr viel gedacht, aber wenn der Druck und das Papier Scheiße sind und die CD-Hülle einfach nach dem Auspacken auseinanderfällt, dann ist das für 15 EUR schlicht eine Frechheit. Und das ist um so ärgerlicher, weil die regulär erwerbbaren MP3 Files, aufgrund der opulenten Arrangements, leider soundmäßig an ihre Grenzen stoßen. Ein diesbezüglicher Vergleich zwischen CD und MP3 mit einem Mittelklassekopfhörer reicht vollkommen aus, um sich mal zu verdeutlichen, was man da für 1 EUR pro Track manchmal so geboten bekommt…

Trotzdem ist „Harakiri“ derzeit das beste „Rock/Metal“ Album, auch wenn diese Klassifizierung dem Album keineswegs gerecht wird. Und Serj Tankian… nee … „Bester Sänger“… das wäre jetzt genau so untertrieben…

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Thomas Manegold

Thomas Manegold. Producer, Admin und VisdP bei Subkultur und beim Periplaneta Verlag. Mitglied der Lesebühnen OWUL und VISION & WAHN, www.manegold.de

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