Wenn gar nix mehr kommt, lasse ich es einfach eine Weile liegen.

Ein Interview mit HC Roth.
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HC Roth war der erste Autor in der Edition Subkultur. Der waschechte Underdog aus dem Metropölchen Graz startete mit dem herz- und zwerchfellerweichenden Greatest-Loser-Roman Der Flug des Pinguins. Als er bei seinem zweiten Roman nicht weiterkam, schrieb er paradoxerweise zwei Kinderbücher, was aber für den Papa mit Gitarre an sich kein Widerspruch ist.
Zurück in der ungleich trüberen Welt der Erwachsenen, hat er jüngst den Episodenroman Genpoolparty und das Becken voller Tränen doch noch fertiggestellt. Und diesmal geht es … natürlich … ums Scheitern, um Sex und Alkohol.
Alisha Schulz unterhielt sich mit dem Künstler aus dem doch eher dünn besiedelten Österreicher Underground.

Wenn du einer Romanfigur begegnen könntest: Welche würde es sein?
HC Roth: „Die Figuren der Romane, die ich so lese, sind ja meist deprimierende Zeitgenossen, miesepetrige Einzelgänger, manchmal voll mit Drogen. Da sind einige dabei, denen ich vielleicht lieber aus dem Weg gehen würde. Aber mit Frank Lehmann würde ich schon gerne einmal ein Bier trinken gehen.“

Welches Buch sollte aus deiner Sicht jeder gelesen haben?
HC Roth: „Das kommt natürlich immer auf die jeweiligen Vorlieben an. Wenn mich jemand um Buchtipps fragt, lege ich aber allen gerne Sven Regeners Lehmann-Bücher ans Herz. Die sind sprachlich grandios, die Story stimmt, du erfährst manch Wissenswertes über Bremen und Berlin. Unabhängig davon rate ich aber auch allen Literaturinteressierten, sich jenseits der Großverlage umzusehen, und Schätze auszugraben, die abseits der Bestsellerlisten so schlummern.“

Gib doch mal bitte ein Beispiel. Oder zwei.
HC Roth: „Meine Verlagskollegen aus der Subkultur, allen voran mein liebster Durch-Die-Gegend-Fahr-Und-Vorlesen-Kollege Gary Flanell und die Storys aus seinem Buch Stuntman unter Wasser sind natürlich allen nahezulegen, die sich jenseits des Mainstreams orientieren wollen. Sehr empfehlenswert sind auch die aktuellen Bücher von Dirk Bernemann und Jan Off.“

Die meisten Autoren haben bestimmte Rituale, mit denen sie sich aufs Schreiben einstellen, bevor es losgeht. Wie sieht dein Ritual aus?
HC Roth: „Computer an, hinsetzen, losschreiben.“

Bist du ein strukturierter Schreiber, der alles vorher bis ins kleinste Detail durchplant, oder lässt du dich beim Schreiben auch gern von dir selbst überraschen?
HC Roth: „Nein, ein strukturierter Schreiber bin ich überhaupt nicht. Ich weiß anfangs meist ungefähr, wohin die Reise gehen soll, der Rest geschieht unterwegs. Teilweise wird manches auch erst in der Überarbeitungsphase hinzugefügt.“

Wie gehst du mit Schreibblockaden um?
HC Roth: „Wenn gar nix mehr kommt, lasse ich es einfach eine Weile liegen und kümmere mich um andere Projekte oder meine Texte für das Ox-Fanzine. Irgendwann kommen die Ideen dann ganz von alleine. Während ich Genpoolparty geschrieben habe, war das öfter der Fall. Währenddessen sind meine beiden Kinderbücher entstanden.

Warum ausgerechnet Kinderbücher?
HC Roth: „Kinderbücher haben immer schon einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt, vor Jahren habe ich schon zwei Versuche in diese Richtung gestartet. Und jetzt, wo ich eigene Kinder habe und eigentlich permanent am Geschichten-Ausdenken bin, bot sich das natürlich an. Die Art von Kinderliteratur, die ich so mache, bietet auch viel Spielraum, sich auszutoben, die Phantasie schweifen zu lassen udn möglich zu machen was unmöglich scheint – Frösche die auf Skateboards durch Schränke rasen beispielsweise.“

HC Roth und das Krokodil mit Schwimmflügeln

HC Roth und das Krokodil mit Schwimmflügeln

Genpoolparty ist einen Episodenroman, in dem es um sehr verflochtene Beziehungen geht, von denen die Figuren lange nichts gewusst haben. Eine echte Herausforderung, aus so vielen Perspektiven zu schreiben, oder?
HC Roth: „Ich mag das Konzept des Episodenromans. Unterschiedlichste Personen machen an unterschiedlichsten Orte die unterschiedlichsten Dinge und unterwegs läuft dann der eine dem anderen über den Weg, Geschichten verknüpfen sich oder eben nicht. Mein erstes Buch Der Tag als Berta Bluhmfeld starb war eigentlich als Kurzgeschichtenband betitelt, hat aber genau so funktioniert. Sieben Stories, die jede für sich stehen können, die aber dennoch alle irgendwie zusammenhängen. In Genpoolparty sind die Zusammenhänge offensichtlicher, auch wenn man einzelne Perspektiven durchaus für sich alleinstehend rauspicken kann.“

Was hat dich zu der verrückten Idee von den kaum entschlüsselbaren Beziehungen geführt?
HC Roth: „Was das betrifft: Ich habe früher gern Reich und Schön geschaut, weil das so herrlich schräg ist und weil da auch jeder mit jedem schläft und alle miteinander verwandt oder plötzlich nicht mehr verwandt sind.“

Was soll der Leser aus deinem neuen Buch mitnehmen? Was ist deine „Botschaft“?
HC Roth: „Wenn du schon ständig ungeschützten Geschlechtsverkehr hast, dann merke dir wenigstens mit wem.“

Welche ist deine Lieblingsfigur in Genpoolparty und wieso?
HC Roth: „Ich mag die alle. Bis auf den Vater, der ist ein Arschloch.“

Du bist regelmäßig auf Achse, sowohl für deine Bücher als auch für deine Musik. Was war das verrückteste Ereignis, das du dabei erlebt hast?
HC Roth: „März 2015 war ich mit Gary Flanell im beschaulichen Vorarlberger Örtchen Hohenems. Das ist sehr nett da, hübsche Berge, sympathische Veranstalter, gutes Essen, hohe Gage. Nur gekommen ist niemand, außer diesen fünf kurzhaarigen Typen, die zwischen Nazi-Skins und Freiwilliger Feuerwehr alles hätten sein können. Niemand kannte die, während der Lesung haben zwei geschlafen, zwei sich unterhalten und zumindest einer zugehört. Und wir sind eben da gesessen und haben unseren Kram gelesen. Immer die Angst im Nacken, bald vermöbelt zu werden.
Die hatten so etwas latent Aggressives an sich, was uns das Gefühl vermittelte, dass ein falsches Wort reichen würde, dass sie über uns herfallen. Irgendwann war ihr Bier leer, sie wieder weg und wir haben munter vor den drei Leuten vom Laden weiter performt. War trotzdem ein guter Abend.“

HC Roth zusammen mit Gary Flanell im Periplaneta Literaturcafé

HC Roth zusammen mit Kollege Gary Flanell im Periplaneta Literaturcafé

Wenn du eine Superkraft haben könntest, welche wäre es und wieso?
HC Roth: „In Flugzeuggeschwindkeit fliegen können. Das würde das Touren ungemein erleichtern. Auch wenn ich natürlich sehr gerne Bahn fahre.“

Du siehst dich als Protestliedermacher und willst durch deine Musik Missstände in der Politik aufzeigen. Wenn du die Chance hättest, einen Tag lang frei ein Gesetz erlassen oder abschaffen zu können, was wäre es?
HC Roth: „Ich würde die Gesetze erstmals so lassen wie sie sind, dafür im Gegenzug aber die FPÖ zu verbieten. Und das nicht nur für einen Tag, sondern für immer.“

Danke für das Interview.

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