EISBRECHER : "Mission erfüllt: Konzert am 11.04 in Zapfendorf "
 
subkultur.de 04/ 2004
 
  ERLEBNISBERICHT      
 

Ich war bisher immer eine gesetzestreue Bürgerin…jedenfalls präzise bis zum 11.04.2004. An diesem Tage hat sich nämlich meine geliebte Rennsemmel in verbotene Gefilde verirrt und wegen Falschparkens den Zorn der ländlichen Bevölkerung auf sich gezogen (Sie kamen nicht des Nachts mit Fackeln und Mistgabeln, sondern heimlich, still und leise im Schutze der Dunkelheit, um mich zu verpetzen). Der Strafzettel trudelte heute ein. Normalerweise würde ich fluchen wie ein Droschkenfahrer und schrille, hochfrequente Schreie ausstoßen, aber diesmal zahle ich gerne. Einen durch und durch gelungenen Abend kann auch keine Geldstrafe trüben.

Schon beim notorischen Auffüllen meines Koffeinpegels an der Bar des Top Acts, bemerkte ich erstaunt, daß sich EISBRECHER schon im Vorfeld unter das Publikum gemischt hatten, wovon ich positiv überrascht war. Erfahrungsgemäß ist man es ja von vielen anderen Bands gewohnt, daß sie wie Hudini urplötzlich aus den Nebelschwaden der Bühne schreiten, um sich nach getaner Arbeit ebenso geschwind wieder spurlos zu dematerialisieren. Nicht so diesmal.

Wie versprochen hatte EISBRECHER eifrig Verstärkung rekrutiert und so rockte die nunmehr sechsköpfige Band das ehemals beschauliche, österliche Zapfendorf, nachdem sie nachmittags, nach eigenen Angaben, Opa Heinz und Tante Erna auf den Strassen des Provinznests begegnet waren. (Es war erst ihr zweiter Auftritt, da die Herren am Tag zuvor in der Landeshauptstadt Berlin ihr Debüt gegeben hatten) Wie schon im Vorfeld angekündigt, durften wir uns an einer etwas rockigeren Variante des Albums ergötzen. Der Wink mit dem Zaunpfahl war in gewisser Hinsicht die Tatsache, daß Noel Pix – bei EISBRECHER für die Elektronik zuständig- auf die E-Gitarre übergewechselt war.

Beinahe alle Songs des Album waren zu hören und auch ein paar Anklänge an die alten Megaherz Zeiten alla „Miststück“ und „Beiß mich“. Der Auftritt war, inklusive der finsteren Mine der Matrosen-Mitstreiter, perfekt selbstironisch inszeniert. Als Alexx mit der Kapitänsmütze auf dem Kopf und dem Fernrohr bewaffnet mit strengen Blick, ins Publikum spähte, hallte ein Satz aus dem Interview unwillkürlich in meinem Kopf wieder und lies mich schmunzeln: „um bei Eisbrecher mitzumachen, muss man kein Seemann sein“. Untermalt wurde das Ganze durch die schnodderigen Bemerkungen, die der EISBRECHER Frontmann gekonnt zwischen den Songs einstreute, die sozusagen das Salz auf den Fischstäbchen waren :-)

Ungewöhnliche Phänomene waren zu beobachten. Kurz nach Beginn des Konzerts stand keiner im Publikum mehr still, sogar die eingefleischten Tanzmuffel konnten nicht umhin im Takt mitzuwippen. Selbst die rasende Reporterin musste ab und zu zwischen dem Fotografieren eine kurze Pause einlegen, um gepflegt im Takt Headzubangen. Mission erfüllt – die Fanatica haben getanzt, so wie es sich gehört.

Viel zu schnell war das Konzert auch schon vorbei, aber man sah trotzdem allerorten zufriedene Gesichter, deren Grinsen noch breiter wurde, als die EISBRECHER sich unter die Gäste mischten. Wer sich traute hinzugehen wurde keineswegs gebissen (was man fälschlicherweise, dank des oben erwähnten Lied vermuten könnte) oder grimmig angefunkelt. Weit gefehlt! Vielmehr bot sich die Gelegenheit ganz unkompliziert und nett mit der Band an der Bar zu plaudern oder sich einfach das gewünschte Autogramm abzuholen. Alles in allem war es also ein gelungenes Debüt. Glückwunsch, das Eis ist definitiv gebrochen! Also den Kurs halten und so weitermachen!

Nadine Judas

 

 

PHOTO: Thorsten Eichhorst






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