Erlebnisbericht/ Martin Dean am 03.03.05 im Fritz- Club am Postbahnhof/ Berlin

Von seinem Konzertbüro wird er als Crooner beschrieben, ein Sänger mit einem weichen bis sentimentalen, einschmeichelnden Vortragsstil. Die CD hielt dieses Versprechen und so wurde ich neugierig darauf, die fünfköpfige Allstar Combo (mit Jochen Arbeit und Stefan Creutzburg an den Gitarren, YoYo Röhm am Bass und Kersten Ginsberg am Schlagzeug) live spielen zu sehen. Die vorerst letzte Gelegenheit dazu war das AbschlußKonzert der Martin Dean Band im alten Postbahnhof mit anschließender CD-Release-Party.

Das Gelände, auf dem früher Postzüge abgefertigt wurden, liegt unmittelbar neben dem Ostbahnhof. Die Bahnhofsbauten stammen aus dem Anfang des 20ten Jahrhunderts und wurden von der Post nur bis zur Wende genutzt. Nach dem Prinzip der Rockfabriken und Kulturbrauereien wird nun dieses Areal auch einem mehr oder weniger kulturellem Zwecke überstellt. Und so läuft man an einigen kleinen Baustellen vorbei, bis man zum noch nicht ganz fertigen Fritz-Club gelangt. Erstaunlich viele Menschen schienen etwas vom "zarten Schmelz" abhaben zu wollen.

Doch nichts dergleichen. Der Sänger erfüllte von Anfang an das Klischee des rauchenden, sichtbar vom Leben gezeichneten Alkoholikers, der seine tiefen Emotionen mit kratziger, aber doch melodischer Stimme zum Ausdruck bringen muß. Er wankte zuweilen scheinbar entrückt über den Laufsteg, doch blieb er zu jeder Zeit Gentlemen, distanziert, in sich gekehrt. Keine großen Ansagen, meist nur die ersten Zeilen der Lieder repetierend oder hypnotisierend „Martin Dean“ ins Mikrophon gehaucht. Die Band trat geschlossen in dunklen oder grauen Anzügen auf, mit aufgeknöpften Hemdkragen, allesamt erfahrene Gentlemen - Rocker.

Während seines gesamten Auftritts schwang ein wenig von dem „Pissed off“- Gefühl der 50er mit, ein wenig Rebellion und eine große Portion verletzter Gefühle. Manchmal ging es aber auch nur um den Spaß am Musikmachen und sich mit der richtigen Geste zum richtigen Zeitpunkt ins rechte Licht zu setzen. Martin Dean kann sich genauso beeindruckend eine Zigarette anstecken, wie man das aus den großen James Dean Filmen kennt. Und das Posen kann der charismatische Sänger genauso gut wie der viel zu früh verschiedene Schwarm meiner Mutter. Zudem sähe James, wenn er das Autofahren gekonnt hätte, heute wahrscheinlich so aus wie Martin.

Die Lieder waren sehr viel härter und auch überraschend progressiver, als auf der CD. Den Musikern gelang es, die Baratmosphäre der CD entsprechend der Bühnengröße zu transformieren. Die Stücke wurden rockiger und kantiger, ein aktives Zusammenspiel der versierten Musiker wurde erlebbar und es erreichte bei einigen Stücken, wie zum Beispiel dem grandiosen Monster Magnet Cover "Spacelord" eine Intensität, die auch problemlos auf das Publikum übersprang. Es ergab sich eine mitreißende Mischung aus Live-Performance, Anflügen von JamSessions und nur vereinzelt eingespielten Samples, die wohl daraus resultieren, daß man sich Streichquartett und Background Sängerinnen noch nicht leisten kann. Leider also nur vor dem geistigen Auge sah man weiß behandschuhte Mädchen in rosa und gelben Petticoats mitsingen.

Das Publikum war begeistert und ließ Martin Dean erst nach mehreren Zugaben gehen. Mit „You are like a hurricane“, im Original von Neil Young, zog die Band final alle Register. Der Sänger hauchte die letzten Zeilen “I want to love you but I'm getting blown away”, zündete sich noch eine Zigarette an, wandte sich ab und überließ die Bühne den verbleibenden Musikern. Und sie gaben noch mal alles, bis die Saiten von den Gitarrenhälsen sprangen.

Ein grandioses Konzert, das sehr gut in die Retro- Location Postbahnhof gepaßt hat. Zu bemängeln ist einzig die abfällige Unfreundlichkeit der extrem langsamen Bedienungen. (Das erste Bier nach 20 Minuten Winken und finalem Kopfstand, dann immer den Eindruck, man störe, wenn man bestellt und am Ende keine Pfandrücknahme... und dann angesäuselter sein als ich... Mädels Mädels, ich war ganz schön sauer. Zudem kommt eine neuerliche Erfahrung, niemals Faßbier in Berlin zu trinken ... aua - ToM) Aber vielleicht wurden ja auch sie so von Martin Dean in den Bann gezogen, daß sie wie gelähmt waren.

Text: Marry

Links: Martin Dean CD Kritik - Monogam Records


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Bilder von: Thomas Manegold
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