| Hilbert
von Sturzbach (hier zu sehen auf der Terasse seines Zweitwohnsitzes in
Japans Hauptstadt) ist einmal mehr als Auslandskorrespondent jenseits
der bavarisch- frankonischen Schlagbäume unterwegs gewesen.
Und weil wir alle sparen müssen, Dagger ja bekanntlich an den Toren
Mordors festgehalten wird und Sascha im preußischen Exil verweilt...
war er überall gleichzeitig:
Damit ihr also nicht glaubt, außer überteuerten
Festivals mit langweiligem LineUp (WGT, R.i.P., etc.) sei in Deutschland
an Pfingsten nichts los, stürzte ich mich natürlich völlig
selbstlos und ausschließlich aus Gründen der Berichterstattung,
ins Party-Getümmel und entdeckte für euch die Vielfalt der Nacht.
Daß das Beste am Wave
Gotik Treffen zu Leipzig die Parties sind, die es allabendlich hier
und da, und natürlich hauptsächlich in der Moritzbastei
zu bestaunen und zu betanzen gibt, wird von mir hier nicht zum ersten
mal erwähnt. Das Festival an sich fand ich in diesem Jahr reichlich
uninteressant, weswegen ich mich auch entschlossen hatte, keine vier Tage
lang Geld zu verschwenden. Als ich dann las, dass sich am 01.06. die Möglichkeit
zu einem "WGT Light" bieten würde, war klar, daß
es wohl egal ist, ob ich das Geld in Leipzig oder auf der Autobahn lasse.
Denn für die folgenden Tage hatte ich auch schon einige interessante
Veranstaltungen ausgesehen. Aber dazu später mehr...
Angekündigt waren für die "PreOpening Party" MODCOM,
das neue Ronan Harris-Projekt und ARCHITECT
von und mit Daniel Myer als LiveAct, und anschließend Party bis
zum Umfallen. Ronan schraubte dann auch brav eine halbe Stunde lang an
seinen alten, analogen Sequenzern herum. Wirklich neu ist der, als "die
Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft" angepriesene Sound
dann doch nicht, weil irgendwie alles VNV ist, und das iBook auf der Bühne
kann er sich eben auch nicht verkneifen, denn irgendwoher muß die
Musik ja kommen ;-). Schlecht ist es nicht, aber Daniel Meyer war mit
seinem Kumpel, zusammen als ARCHITECT, wesentlich besser. Es gab Klangmalerei,
oder vielleicht besser Soundarchitektur, in einem schönen Set-Aufbau,
bis hin zur absoluten Krachorgie als Zugabe, solange, bis der Mischer
den Master nach unten zog.
Die Veranstaltungstonne wurde dann mit dem üblichen Electrogetiller,
unter dem Motto "The Mirror Pool" beschallt und in der Großen
Feuerkugel ließen es die Jungs und Mädels vom GLOBAL
NOISE MOVEMENT krachen. Dazwischen gab noch ein Liveact guten Industrial
von Ambient bis Noise zum Besten. Ein echter Gewinn war die Reise nach
Leipzig auf jeden Fall.
Kurz ausgeschlafen und ich mußte sofort nach Würzburg abrauschen.
Nach der praktischerweise genutzten Gelegenheit einen guten Bekannten
zu besuchen, rief der Zauberberg.
Nein, es handelt sich dabei nicht um einen rustikale Disco mit "Hütt'ngaudi",
sondern um einen sehr netten Club mit sehr viel Stil und Ambiente. Wenn
dann jeden ersten Freitag das BREAKINFERNO
tobt, wird der Laden auch noch zum fetten Club. Leider war es mal wieder
recht voll, was angesichts der kleinen Location aber auch nicht verwunderlich
ist, und der Schweiss tropfte... Naja, lassen wir das. Es ist irgendwie
wie ein Pogo in der Sauna. Heimat-Brecher CATIVO
feierte jedenfalls seinen x-ten Geburtstag und die Gast-DJs brachen die
Beats bis die Schwarte krachte. Lediglich die MCs waren mal wieder nerviges
Mittelmaß, aber darüber konnte man hinwegsehen, besonders als
dann Meister CATIVO höchstselbst die Platten drehte. <scratch-bumm>
Im Klangwerk Ost,
bei Veilsdorf im LKR Hildburgahusen, gab es am Samstag für 15,- Euro
Eintritt Dixiklos, kaputte Steckdosenleisten und unbeheizte Dancefloors.
Das beweist vor allem, daß es sich bei dem alten Baumarkt, wahrscheinlich
ehemals VEB, um eine echte Undergroundlocation handelt. Stells Birthday
Party Part II wartete mit einem riesigen Angebot auf. Vier Floors, mit
House, Elektro, Tech-House und Techno (Nein, ich habe mir diese Stil-Unterteilung
nicht ausgedacht! ;-), versammelten eine Unzahl an DJs mit mehr oder weniger
bekanntem Namen. Der Grund meines Besuchs war mal wieder MARCO
REMUS, der zuletzt im Oktober den Nürnberger Z-Bau
rockte und für mich ja irgendwie der "Vater
des Techno" ist. Da der Techno-Floor anfänglich recht leer und
saukalt war, lauschte ich einige Zeit den Klängen der anderen Bereiche,
konnte mich aber nicht so recht dafür begeistern. Und ja, es gibt
tatsächlich einen Unterschied zwischen Elektro, Tech-House und Techno.
Jedenfalls kann man damit scheinbar einen ganz Abend lang verschiedenster
Leute Vorlieben erfüllen.
Als dann Marco Remus an der Reihe war, war der Techno-Floor plötzlich
rappelvoll und sauheiß. Nach anfänglichen Stromversorgungsengpässen
aufgrund einer defekten Steckdosenleiste, rumpelte der "echte Techno"
dann wie gewohnt vor sich hin und Marco steigerte die Meute bis zum Exzess.
Ja, der Industrial lebt! Und zwar auf den Technofloors der Undergroundlocations.
Der Sonntag sollte dann etwas ruhiger angehen. Da der Pfingstmontag in
diesem Jahr just auf den ersten Sonntag des Monats folgte, bot sich die
Möglichkeit, endlich mal die Klassik Lounge zu besuchen. Und promt
war die Party am dampfen und das Don't Panic im Nürnberger
KÙnstlerhaus
K4 ziemlich überlaufen. Die Party hält allerdings, was sie
verspricht: Gute Musik, gute Laune, angenehmes Publikum und - einen rauchfreien
Tanzraum (nur die Lounge und der Vorraum darf bequalmt werden). Eines
der ungewöhnlichsten Veranstaltungskonzepte der Neuzeit vereint tanzbare,
klassische Musik mit der netten, aufwendig dekorierten Clubatmosphäre.
Gespielt werden hauptsächlich Volkstänze aus aller Herren Länder,
aber auch viel Jazziges und einige Klassik aus Oper, Walzer und Symphonie.
Südeuropäisches aus Griechenland, Spanien und Italien wird vom
Publikum genauso gerockt, wie Klezmer und Weltmusik.
Das Durchschnittsalter liegt zwar schätzungsweise bei 35, aber gerade
das bringt eine angenehme Stimmung, ohne jugendliche Zickereien. Und soll
ich Euch was verraten: Die Leute da sind glücklich und haben Spaß.
Ja, wirklich! Echten, fast unschuldigen, nüchternen Spaß. Toll!
Hinterher lockte noch eine Spätvorstellung der Verfilmung von Dan
Browns SAKRILEG
(The
Da Vinci Code) . Das mittlerweile, durch das entsprechende Marketing
zum Film, zum absoluten Megaseller avancierte Buch, wurde von Ron Howard
(A Beautiful Mind) auf Film gebannt. Mit Tom Hanks und der Französin
Audrey Tautou in den Hauptrollen, gelang eine, der Geschichte angemessene,
geniale Verfilmung. Und wer könnte den verschrobenen Polizisten "Captain
Fache" besser darstellen als Jean Reno. Damit ist dann der Film auch
sowas wie der dritte Teil von "Die
Purpurnen FlÙsse".
Wenn viele Kritiker und Besucher über diesen Film lästern, dann
wohl nur deswegen, weil sie mit dem christlichen Hintergrund und der hier
verpackten Theorie um den heiligen
Gral nichts anfangen können. Wer sich aber für die düster
spannende Historie um die Vergangenheit des Christentums begeistern kann,
wird auch in diesem Film seine Erfüllung finden. Genau diese mystische
Stimmung, wie auch in "Die Purpurnen Flüsse", macht diesen
Film zum "mehr als einmal"-Anwärter. Die Treue zum Buch
ist übrigens überraschend hoch, was dann allerdings auch zu
einer Spielzeit von knapp 150 Minuten führt.
Hilbert von Sturzbach
Links: Moritzbastei, Leipzig
- Zauberberg, WÙrzburg
- Klangwerk Ost, Veilsdorf
- KÙnstlerhaus K4, NÙrnberg
- The Da Vinci Code, Filmseite
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'06
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WGT
PreOpening
Modcom, Archtiect live
Moritzbastei, Leipzig
01.06.06
Cativos B'Day Bash
Zauberberg, Würzburg
02.06.06
Stellas B'Day Part II
Klangwerk Ost, Veilsdorf
03.06.06
KlassikLounge
Don't Panic im K4, Nürnberg
04.06.06
The Da Vinci Code - Sakrileg
im Kino |