Erlebnisbericht/ AMPHI FESTIVAL KÖLN 2006 |
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Morgens halb fünf in Deutschland, der Tag erwachte allmählich, die ersten Vögelchen zwitscherten hier und da, die Stadt lag noch im Dämmerschlaf. Naja, wer ist auch an einem Samstagmorgen um diese Zeit wach... Vielleicht diejenigen, die gerade von einer durchgemachten Nacht kommen? Das kann man in Bayreuth meistens ausschließen. In unserem Fall waren es nur zwei verpennte schwarze Gestalten, die kommende Nächte zum Tag machen wollten, dafür allerdings noch fünf Stunden Fahrt eingeplant hatten. Denn in Köln sollte ja, an diesem zweiten Wochenende im August, das zweite Amphi-Festival, mit vielversprechenden Künstlern und Bands stattfinden. Dazwischen lagen noch ca. 500 Kilometer, die es zu bezwingen galt und der Wetterbericht kündigte wieder einmal einen Tag mit weit über 30°C an. Pünktlich um 6:00 Uhr und mit einer morgendlichen Temperatur von „nur“ 21° C ging es dann auch los in Richtung Köln. Nach ca. 5,5 Stunden (Stau und Umwege inklusive) sind wir, dank Klimaanlage wohltemperiert, auf dem Parkgelände direkt am Tanzbrunnen angekommen. Beim Aussteigen aus dem Wagen allerdings ist man erst mal gegen eine Mauer stehender, glühendheißer und schwüler Großstadtluft gelaufen, welche ich Menschen mit Kreislaufproblemen nicht empfehlen würde... Der Einlass am Samstag war für 13:00 Uhr geplant, die erste Band
sollte 14:50 Uhr das Festival eröffnen. Als wir ankamen, hatte sich
bereits eine große Traube an Publikum versammelt, die im Halbschatten
geduldig auf die Öffnung der Tore warteten. Mit geringer Verspätung
wurden schließlich die Pforten geöffnet und man durfte das
Terrain betreten. Das Wetter befand sich mittlerweile im Umschwung, denn von weitem waren Donner zu hören, es regnete und es war drückend schwül. Dennoch hatten sich vor der Hauptbühne nicht wenige Menschen angesammelt. Die Belgier THIS MORN OMINA durften das 2. Amphi-Festival eröffnen, die sich mit ihrer eigenständigen Mischung aus Ritual, Ethno und Trance-Techno als hervorragende Opener des Festivals bewiesen. Als nächstes war Ost-Power angesagt. CEPHALGY aus Dresden kamen gut gelaunt und zu meiner Überraschung in neuer Bühnenbesetzung, einem neuen Keyboarder und Stella nicht wie gewohnt hinter dem Keyboard, sondern als Tänzerin hinter einer Leinwand auf die Bühne. Mit ihren Mitsing-Hymnen wie „Erinnerung“ und „Engel sterben nie“ konnte sie begeistern. Während des Konzertes verirrten sich einige Bühnenaccessoires des nachfolgenden Acts auf die Bühne, welche bei Frontmann Jörg, der Band sowie dem Publikum für Gelächter sorgten. Mit „Die kommen als nächstes!“ lies Jörg die Welle:Erdball-Ballons an sich vorbei huschen ... Nach 40 Minuten machten CEPHALGY jedoch Platz für die Commodore-64-Fetischisten
und Meister des Minimalelektro. Wer WELLE:ERDBALL jemals live erlebt hat
weiß, was nun folgte. Ausgelassene Stimmung vor und auf der Bühne.
Mit den Hits „Wir wollen keine Menschen sein“, „Mensch
aus Glas“, „Souvenir“, „Arbeit adelt“, aber
auch dem Tanzflächenfüller „Starfighter F-104G“
wurde den Fans bei drückender Hitze und nun wieder strahlendem Sonnenschein
zusätzlich eingeheizt. Auch dieses Mal wurde wieder ein handsignierter
C=64 von Sänger Honey selbst an einen der Fans verschenkt... welch
nette Geste. Besonders zur Geltung kam das Ambiente, als die Nacht hereinbrach. Die vielen kleinen Wasserspiele des Brunnens wurden durch Beleuchtung romantisch inszeniert und am gegenüberliegenden Rheinufer erstrahlte der Dom samt Altstadt in weichem Licht Es fast 21:00 Uhr als die Master des Futurepop die Bühne betraten. Mit dem Dauerbrenner „Chrome“ als Opener sorgten VNV NATION gleich zu Beginn der Show für kolossale Stimmung. Und diese sollte über die gesamte Show hinweg anhalten und sogar noch darüber hinaus steigen. Zu „Entropy“, „Epicentre“, „Dark Angel“ „Beloved“ und „Perpetual“ wurde on Stage sowie vor der Bühne bis in die hintersten Reihen getanzt, geschwitzt und gefeiert. Sehr eindrucksvoll war die Lightshow, die sich perfekt im Sound und in der Stimmung der einzelnen Stücke spiegelte. Mit den drei Zugaben „Further“, „Honour 2003“ und „Homeward“ ging schließlich der musikalische Samstagabend der Mainstage zu Ende. Nebenan, im Theater hatten sich gegen 18:00 Uhr die Pforten geöffnet. Dort präsentierten sich LOLA ANGST, CALMANDO QUAL, COMBICHRIST und DIARY OF DREAMS, deren Konzerte so großen Anklang fanden, so dass ein Betreten des Theaters schier unmöglich war. Anschließend gaben sich für die Tanzhungrigen diverse DJs die Ehre. Und da ab 22 Uhr (!) hier der einzige Platz war, wo noch etwas ging (wenn man mal vom LOLA ANGST Bus absah), änderte sich an der Überfüllung erst relativ spät etwas. Nach einer gemütlichen Nacht im Auto wurde recht bald klar, dass
der Sonntag mindestens wieder so warm werden wird, wie der vergangene
Tag. Jetzt war es circa 9:00 Uhr und bis zum ersten Konzert war noch genügend
Zeit um ein bisschen Kölner Luft zu schnuppern. Also machten wir
uns auf und schlenderten gemütlich über die gewaltige Zug- und
Fußgängerbrücke des Rheins in Richtung Kölner Dom.
Viel hatte man ja schon über die majestätischen Ausmaße
des Doms gehört, doch schon auf den Weg dahin, stellte ich fest,
dass meine Erwartungen übertroffen wurden. Zurück auf dem Festivalgelände des Tanzbrunnens eröffneten auch schon FROZEN PLASMA am frühen Nachmittag den zweiten Tag des Amphi Festivals. Nach 30 Minuten Synthiepop wurde es dann keltisch. FAUN haben die außergewöhnliche Gabe, nicht nur Anhänger keltischer angehauchter Musik zu begeistern, sondern auch alteingesessene Liebhaber elektronischer und rockiger Klänge in ihren Bann zu ziehen und zu verzaubern. Den Charme, die Fröhlichkeit und die Liebe zur Musik, welche alle Beteiligten auf der Bühne förmlich ausstrahlen, kann man regelrecht spüren und wird gerade zu mitgerissen. Mit Liedern wie „Punagra“, „Wind & Geige“, „Sirena“ und „Rosmarin“ entführte das Quintett das Publikum kurzerhand in eine längst vergangene, magische Welt. Anschließend gaben sich für weitere 40 Minuten DOPE STARS INC. die Ehre und hinterher war die Zeit gekommen für die aggressiven Beats und den harten Gesang des Elektroduos FIXMER/MCCARTHY. Spätestens jetzt gab es kein Bein mehr, welches sich nicht nur ein kleines bisschen im Takt bewegte. Laut umjubelt gaben die Herren Songs wie „Destroy“, „You Want It“, „Look To Me“ oder „And Then Finally“ zum Besten. Nun wurde es wieder Zeit, zu Cello und Gitarren zu springen, zu feiern und zu singen, denn nun sollte die LETZTE INSTANZ ihre neuen Lieder vorzustellen. Von den vergangenen Rückschlägen, wie Sänger- und Labelwechsel, hatte sich die Band mehr als nur erholt. Sie eröffneten gleich mit ihrer Hymne „Sonne“, gefolgt von „Das schönste Lied“, „Jeden Morgen“, „Tanz“ oder dem unübertroffenen „Das Stimmlein“. Die Stimmung war einfach nicht mehr zu toppen, ein Händemeer bestimmte das Bild vor der Bühne welches stetig im Takt der einzelnen Stücke kräftig mitklatschte – bei diesem Anblick bekommen nicht nur Weichgesottene eine Gänsehaut ;-). Der Jubel blieb ungebrochen. Als SAMSAS TRAUM ihr Set eröffneten, schien mir, das gesamte Publikum unters Sternenwellenzelt vor der Bühne zu pilgern. Im Nu zog Sänger Alexander Kaschte die Zuhörerschaft in seinen Bann und führte sie mit Tracks wie „Es war einmal...“, „K.Haos-Prinz und Wind-Prinzessin“, „Die Zärtlichkeit der Verdammten“ (in Begleitung der Handpuppe „Trulala“) und dem Clubhit „Ein Fötus wie du“ regelrecht in die Ekstase. Bevor die nächste Band die Bühne betrat war schon von Weiten die Euphorie der vorwiegend weiblichen Fans zu hören. Als Support waren NEGATIVE in diesem Jahr bereits mit HIM in Deutschland auf Tour und schließlich sollten sie hier erneut die jüngeren Gemüter des Festivals erhitzen. Mit „L.A Feeding Fire“ wurde die Show eröffnet und es folgten unter anderem das NEIL YOUNG–Cover „My My/Hey Hey“ „Sweet and Deceitful“, „Planet Of The Sun“ welche als neuste Single vorgestellt wurde und „Frozen To Lose It All“. Nachdem nun auch die nassgeschwitzten Handtücher der Band mehrere neue Besitzer(innen) gefunden hatten, verabschiedeten sich nun auch NEGATIVE gemeinsam von den kreischenden, plüschtierwerfenden Fans. Dann kam AND ONE!! Der für mich heimliche Headliner des Festivals sollte der letzte Electro-Act sein. Mit dem Spruch: „Die Zeit ist kurz, ich bin es auch!“ eröffnete Steve (umwerfend aussehend in schwarzem Anzug und orangefarbener Krawatte) selbstironisch mit dem Dancefloor-Hit „Metalhammer“ die Show. Es folgten große AND ONE-Hymnen wie „Get You Closer“, „Deutschmaschine“, „Krieger“ und „Für“. Mit „The Walk“ von THE CURE gelang den Herren mit und um Steve Naghavi eine tolle Coverversion, die ebenfalls bei den Fans großen Anklang fand. Mittlerweile setzte die Dämmerung ein und die Stimmung war auf dem Höhepunkt angekommen. Wo man auch hinblickte sah man ein begeistertes, tanzendes und klatschendes Publikum. Mit dem Satz „Und weil wir so arrogant sind, bleiben wir gleich oben und machen weiter!“ verkürzte Steve charmant die Zeit der Zugaberufe und stimmte den letzten Song und wohl größten Hit der Band „Technoman“ an, bei der nun auch Keyboarder Chris Ruiz hinundherflitzend Sänger Steve unterstützte. Sichtlich erfreut verabschiedeten sich Steve, Gio van Oli und Chris Ruiz dankend bei den Fans und verließen die Bühne. Kurz vor 21:00 Uhr legten schließlich die Headliner SCHANDMAUL aus München eine imposante, stimmungsvolle Show hin. Mit „Drachentöter“ wurde eingestimmt und es folgte vorwiegend eine Präsentation des neuen Albums „Mit Leib und Seele“. „Kein Weg zu weit“, „Lichtblick“, „Feuertanz“ oder „Mitgift“ aber auch ältere Stücke wie „Wie Pech und Schwefel“ und „Herren der Winde“ wurden begeistert gefeiert. Eine Stunde dauerte das Spektakel bevor sich die Schandmäuler nach drei Zugaben endgültig von der Zuhörerschaft verabschiedeten und somit das Amphi-Festival wie in einer Vollbremsung und viel zu früh beendeten. Dies ist auch die einzige Kritik, ging doch durch die frühe Schließung der Open Area an beiden Tagen doch einiges von einem typischen Festival Flair verloren. Aber dennoch war es sehr schön, weil eben nicht zu groß und natürlich wegen der umwerfend tollen Location. Die Lage des Tanzbrunnens und die dazugehörige Aussicht auf die Altstadt, den Dom und den Sonnenuntergang hinter den Dächern Kölns, trugen sicherlich ihren Teil zum Gelingen bei. Die Mischung der Bands war sehr gelungen, wenn auch nicht immer die Reihenfolge der Setlist. Zumindest waren die Stilbrüche so clever, dass alle bei der Stange blieben :-)... Lady DIE LINKS: AMPHI FESTIVAL SEITE - BLOG EINTRAG von ToM © 2006 - subkultur.de - nach hause - erlebnisberichte - AMPHI FESTIVAL |
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