Erlebnisbericht / TROPICAL ISLANDS im Brandenburger Land |
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| In ein paar Jahrzehnten wird der Mensch seine lebenswichtige Atmosphäre selbst zerstört haben. Abgase und die auf den Feldern ausgebrachten Chemieabfälle haben die Pflanzen getötet und uns damit von der natürlichen Sauerstoffproduktion abgeschnitten. Ein Spaziergang durch die verödete Landschaft ist nur noch mit schwerem Gerät möglich, ist aber sowieso nicht mehr üblich, denn überall auf der Erde bietet sich das gleiche karge Bild. Die Menschen leben unter riesigen Kuppeln und wenn das Fernweh sie packt, suchen sie sich eine, entsprechend dem Reiseziel designte, künstlich geschaffene Landschaft aus... Ein Vorreiter in diese absehbare Zukunft ist "Tropical Islands", eine wahr gewordene Utopie auf Brandenburger Boden. Tropischer Regenwald, weißer Sandstrand und exotische Holzhütten werden von der größten freitragenden Halle der Welt umschlossen und bilden so ein Freizeitbad der Superlative. Hier wird und wurde groß gedacht und noch größer umgesetzt. Ein "Best of" der Asien-Südpazifik-Region wird kombiniert mit den Highlights aus Afrika und Südamerika. Einmal alle Klischees umrühren und schon treffen Baströckchen auf Thaitänzer, Südseekrabben- Cocktails auf glückliche Goldfische, Teakholz- Liegestühle auf Chlorwasser und das kulturelle Unwissen des Durchschnittsurlaubers auf eine möglichst exotische, schillernde Phantasiewelt. Bei angenehmen 26°C kommt Urlaubsfeeling auf, wenn man, nach dem Genuß von ein paar Drinks, sorgenfrei durch einen Blumentopf- Regenwald schlendert. Da das Areal mit 66.000 Quadtratmetern sehr weitläufig ist, verlaufen sich die Besucher im doppelten Sinn. Die Geräuschkulisse hält allerdings durch die „hallende“ Bauweise stehts an, wird leider auch noch durch künstliches Vogelgezwitscher, Grillengezirpe, Wellenrauschen und die Ansagen für den nächsten Showbeginn verstärkt. Doch die schwierige Akkustik ist das kleinste Problem der Betreiber. Enorme Energiemengen sind nötig, um die kaum isolierte Halle überhaupt auf Betriebstemperatur zu halten. Ein eigenes Kraftwerk sichert die Versorgung. Über riesige Düsen wird ein Mantel aus Warmluft unter die Kuppel geblasen, um „regenwaldtypisches“ Tröpfeln von Kondenswasser zu verhindern. Nach einem regelrechten "Waldsterben" wurden nachträglich spezielle Folien in der Dachkonstruktion eingebaut, um den Pflanzen genug Licht zukommen zu lassen. Viele anspruchsvolle technische Lösungen waren hier gefordert, denn der ursprüngliche Zweck dieser freitragenden Halle war ein ganz anderer. Eigentlich sollten in dem 80 Millionen Euro teuren Gebäude, das im Jahr 2000 errichtet wurde, Zeppeline und Transportballons gebaut werden. Die Firma ging aber (erst an die Börse und dann) bankrott. Der Verbleib der 300 Millionen Euro Aktionärsgelder von über 70.000 Anlegern ist noch unklar (WIKI). Und so wurde die überdimensionale Halle für einen Schleuderpreis von 17 Milliönchen an den malaysischen Konzern Tanjong verkauft. Über all dem schwebt der stumme und so selten erwähnenswerte Geist des „Aufbau Ost“. Der diesbezügliche Optimismus, den der Koloß in der kargen, entseuchten Ex-Sowjet-Kaserne verströmen soll, hält sich bislang in Grenzen, benötigt er doch gut das Doppelte an Besuchern, als die jährliche eine Million, um schwarze Zahlen zu schreiben. Und selbst wenn es so weit kommt, bleibt die Frage, zu welchem globalen Preis man hier ein Luxushallenbad für gestreßte Mitteleuropäer hingestellt hat, die mit anwachsender Dekadenz derlei Privilgien immer weniger zu würdigen wissen. Sie wollen gar nicht wissen, daß schlußendlich unsere ausufernde Lebensart jede Minute (!) genau so viel Regenwald kostet, wie eben in den "Tropical Islands" angepflanzt wurde, wie einst das Neue Deutschland, eine der vielen kritischen Stimmen, so treffend argumentierte. Doch auch wenn es bitter ist, so werden andernortens ungleich mehr Energiemengen für weitaus sinnlosere Visionen verschleudert, ebenso, wie auch ständig viel größere Summen viel ungalanter in den Sand gesetzt werden. Ja, man muss zugeben, daß die Geister hinter Tanjong Visionäres leisten. Wenn auch die 500 Angestellten heute durch die Besuchermassen nicht überanstrengt werden, dürfte sich das in nicht all zu ferner Zukunft ändern. Eine Reise in die Karibik wird für viele immer mehr zur eigentlichen Utopie, wenn Fliegen immer weniger Spaß macht, weil alle immer mehr Angst vor Arbeitsverlust, Terror und versiegenden Ölquellen haben... Demgegenüber lockt das Urlaubsparadies "Tropical Islands" mit 24 Stunden Service, Übernachtungsmöglichkeiten und (fast) allem, was ein Club-Urlaub so bieten sollte: zahlreiche Bars, Shows, Animation, Sportmöglichkeiten, Kinderclub, Ballonfahrten, üppige Buffets und leicht alkoholisierte junge Mädels mit wenig Stoff am Körper... Selbst wenn man Frittenfettprisen und seine Artgenossen, die sowas gern riechen, haßt wie die Pest, bleibt doch eine ungebrochene Faszination und Respekt vor der technischen und logistischen Leistung, die hier alltägliche Herausforderung ist und die dem sich langweilenden Pöbel dieses satten Landes ein bißchen Ehrfurcht einhauchen sollte. Diese atemberaubend schöne, geradezu unwirkliche Kulisse muß man einfach einmal gesehen haben. Der Kontrast, den die großartige Technik des Kuppelbaus seinem inneren Treiben entgegenstellt, die faszinierenden Lichtspiele in der "Südsee" eines übergroßen Lego- Baukastens sind alleine schon den Eintritt wert. Nach dem dritten Caipi kann man sich so durchaus auch ein eingekuppeltes Leben auf dem Mars vorstellen... Die Eintrittspreise sind mit ca. 25 Euro für 24 Stunden angemessen, die Preise der Gastronomie sind nur ein wenig teurer als herkömmliche Speisen- und Getränkeangebote ohne Karibik. Allerdings muß man beim zweifellos sehr komfortablen Chipkartensystem aufpassen, weil es nicht nur als Schlüssel für den eigenen Spint dient, sondern auch als ungemein einfaches Zahlungssystem am Handgelenk, in dem die Bierchen, Massagen und Ballonfahrten zusammengezählt werden und dann am Ausgang schnell ein stolzes Sümmchen ergeben können. Maßlosigkeit ist aber überall teuer. Angeschwippst, satt und zufrieden kann man auch als armes Journalienpärchen werden, ohne gleich Teller spülen zu müssen. Wer den Körperkontakt mit quietschenden Fremden im Pool eher vermeiden will, wird sich an Wochentagen, bei mäßigem Betrieb, erfreuen und auch sehr wohlfühlen können. Wer eher die Weibchen mit der Liegestuhl- Eroberungsnummer beeindrucken will, muß in der winterlichen Hauptsaison oder am Wochenende kommen. Dem Mallorca- Klischee am nächsten dürften die Wochenend- Abende sein, an denen geneigte Frohnaturen überaus edel chillen, planschen und abends, bei diversen Parties, ausgelassen feiern können. Marry & ToM Links: DIE OFFIZIELLE WEBSEITE - WIKIPEDIA über das Tropical Islands - WIKIPEDIA über Cargolifter AG - NEUES DEUTSCHLAND über Tropical Islands -
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