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Für Freunde der härteren Gangart war es vermutlich
die Tournee des Jahres: Dismember, Entombed, Grave und Unleashed,
die wichtigstenVertreter des Schwedischen Death Metals und Mitbegründer
einer ganzen Bewegung auf einem gemeinsamen Gig. Da man eine derartige
Konstellation, ähnlich einer totalen Sonnenfinsternis, vermutlich
nur einmal erlebt, ist es mir Ehre und Pflicht zugleich, von diesem außergewöhnlichem
Event Bericht zu erstatten.
Ich hatte eben den Frust über das
mir `auferlegte´ Pressebändchen in schickem Rosa, das mich den Rest
des Abends als andersartigen Zeitgenossen brandmarken sollte, in einer
Halben Bier ersäuft und die Lokalrunde gedreht, als gegen 19:00 Uhr
schon die erste Kapelle die Bühne im Münchner Metropolis inmitten
der Kultfabrik (ehemals Kunstpark Ost) betrat. Doch bevor der Reigen an
Death Metal Veteranen beginnen sollte, war es an den Belgiern von EXTERMINATOR
gelegen, das Publikum in Stimmung zu bringen - eine harte Aufgabe, da
sich ein jeder wohl genau überlegte, wie er sich seine Kräfte
an diesem Abend einteilen wird. Obwohl sich das Interesse im Publikum
in Grenzen hielt, waren die vier Jungs guter Laune, ließen sich nicht
entmutigen und so gelang es Frontmann Jacky schließlich dank überraschend
guter deutsch-sprachiger Ansagen, eine Hand voll Besucher zu etwas Bewegung
zu motivieren. Ehrlich - die Jungs waren fast schon wieder zu gut gelaunt.
Ich will ja gar nicht wissen, was sich die Herrschaften vor dem Gig rein
gezogen haben, aber dieses Dauergrinsen war auf jeden Fall nicht normal.
In musikalischer Sicht - geboten wurde eingängiger Death Metal mit
deutlichem Thrash-Einschlag - passten die Belgier gut ins Line-Up, der
Sound im Saal war zu so früher Stunde jedoch alles andere als optimal.
Dunkel war es nun im Metropolis geworden.
Nebelschwaden und dumpfes Donnergrollen kündigten die erste der insgesamt
vier apokalyptischen Reiter diese Abends an. Das Intro verstummte und
schon zerrissen tonnenschwere Gitarren in ohrenbetäubender Lautstärke
und mit dem Sound einer erbarmungslosen Dampfwalze die Stille. Das Los
hatte entschieden: GRAVE, die wohl brutalste Formation im Billing,
bildete den Auftakt, und wie ein Ferrari in vier Sekunden von Null auf
Hundert beschleunigt, hatte sich der Raum vor der Bühne auch schon
in einen großen Mosh-Pit verwandelt. Die vier Schweden, die auf ihrem
neuesten Output "As rapture comes" ungewohnt schnell zu Werke
schreiten, stehen für absolute Kompromisslosigkeit und technische
Brillanz. Da sie ja etliche Jahre von der Bildfläche verschwunden
waren, durfte ich sie nun zum ersten mal hautnah erleben und teilte die
Faszination all der Anwesenden, die sich für ihre Helden verausgabten.
Am besten wurden die Stücke vom 94er Album "Soulless" aufgenommen.
Beim gleichnamigen Track und "As here I die" rasteten etliche
Herrschaften völlig aus, die ersten Fans erklommen den Bühnerand
und hechteten ins Publikum. Bei soviel Euphorie im Saal ließen sich Grave
auch nicht lange bitten und schossen uns mit "Into the grave"
vom gleichnamigen Debüt noch einen der ganz großen Klassiker als
Zugabe um die Ohren.
Während
die Crew damit beschäftigt war, eine große UNLEASHED-Flagge
hinter dem Schlagzeug zu befestigen, verdichteten sich die Reihen vor
der Bühne. Der sympathische Vierer um Front-Plautze Johnny Hedlund
ist der große Publikumsliebling auf dieser Tour, und als die Initiatoren
des Viking Death Metal nach teutonischem Intro wie Gladiatoren aufmarschierten,
war der Jubel im Publikum groß. Mit den ersten Takten vom großen Debüt-Klassiker
"Before creation of time" setzte ein kollektives Headbangen
ein, das in der folgenden Stunde nicht mehr abreißen wollte. Wie keine
andere Death Metal Band des Globus gehen Unleashed während ihrer
Gigs auf das Publikum ein, und an diesem Abend liefen sie zu absoluter
Top-Form auf. Sänger Johnny untermalte die Stücke mit unmissverständlicher
Gestik, erklärte uns, wann wir welche Strophen mitzusingen hatten
und stimmte zwischendurch sogar einen Kanon an, der in der Performance
während des Songs sogar funktionierte. Ich spare es mir, nun sämtliche
Stücke aufzuzählen, denn zu hören gab es ausschließlich
die Klassiker aus den letzten 15 Jahren, in denen Unleashed nun schon
ihr Unwesen treiben. Nachdem Johnny in gewohnter Manier den Fans noch
einmal mit seinem überdimensionalen Wikinger-Trinkhorn zugeprostet hatte,
verließen die Musiker kurz die Bühne, um mit der Ode ans eigene Business
"Death Metal Victory" einen grandiosen Auftritt zu beschließen.
Ein
tiefer Glockenschlag läutete nun den Auftritt der nächsten Formation
ein. Obgleich vor der Band ein Publikumswechsel stattgefunden hatte, konnten
ENTOMBED ebenfalls auf eine gehörig Fanschar blicken. Mit
mächtig stampfendem Riff-Gewitter und jeder Menge Groove hielten
Entombed nun die Menge vor der Bühne in Bewegung. Frontmann Lars-Göran
Petrov knüpfte dabei locker an die Leistung seines Vorgängers
an und motivierte ein allmählich müde werdendes Publikum immer
wieder zu mehr Aktion, indem er den nötigen Witz in seine Ansagen
packte. Dabei durchschritt der gealterte Herr, der ja schon zu Beginn
der Show recht mitgenommen ausgesehen hatte, eine Art Metamorphose hin
zu einem Wesen, das den Ring der Macht offenbar ein paar Jahrhunderte
zu lange seinen Schatz genannt hatte. Man konnte förmlich zusehen,
wie der Kerl da oben zu altern begann und hatte den Eindruck, sein ohnehin
schon lichtes Haar wurde mit jeder kreisenden Kopfbewegung noch etwas
weniger ;) Aber im Ernst: der gute Lasse war kaum zu bändigen, sprang
von einer Ecke der Stage in die andere und hörte nicht auf, die Fans
zu motivieren. So etwas verdient Respekt. Die Musiker selbst hatten während
des Gigs dermaßen viel Spaß, dass sie auch gar nicht mehr aufhören
wollten. Schließlich fand auch dieser Gig ein Ende und zwar mit "Left
Hand Path".
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch eine junge Dame im
Publikum, die schon während der vorgehenden Kapellen durch permanentes
Stage-Diving und Crowd-Surving auf sich aufmerksam gemacht hatte und nun
gleich gar nicht mehr zu halten war. Selbst als sie mit dumpfem Schlag
einmal zu Boden gegangen war und sich doch sehr den Hinterkopf verbeult
hatte, ging die Show weiter. Durch diese Euphorie angesteckt versuchte
ein ca. 100-Kilo-Kamerad, es dem schönen Mädel nachzumachen,
doch schaffte es der Kuttenträger trotz mehrer Anläufe nie über
die zweite Reihe hinaus - ja, er plumpste sogar das eine oder andere Mal
gar heftig auf die Bretter, als die Herrschaften in den ersten Reihen
und in Anbetracht der auf sie zu fliegenden Fleischmassen ganz einfach
und natürlich in letzter Sekunde ausgewichen waren. Sehr witzig das
alles ;)
Der Abend ging allmählich zur Neige und ein letztes Mal wechselte
die Crew das Banner hinter der Bühne. Obwohl es schon bald Mitternacht
schlagen würde, standen die meisten der insgesamt 450 Gäste
an diesem Abend noch tapfer vor der Bühne und warteten auf die letzte
Kappelle. Kriegeslärm und ratterndes MG-Feuer kündigten nun
den Auftritt von DISMEMBER an. Während sich die Gitarreros
David Blomqvist und Martin Persson noch gegenseitig anfeuerten, sprang
Shouter Matti Karki im Ghostbusters-Shirt auf die Bühne und schon
ging´s los. Mit herrlich morbide sägendem Gitarren-Sound, wie man
ihn von den Alben kennt, brachten Dismember den Pit vor der Bühne
noch einmal so richtig zum brodeln und kitzelten auch die letzten Reserven
aus ihren Fans heraus. Wie schon die übrigen Herren, so hatten auch
diese fünf Musiker deutlich viel Spaß an ihrer Arbeit und diese gute
Laune überträgt sich eben auch auf die Audienz. Mit ihren brutalen,
aber dennoch melodischen Stücken, in denen immer wieder geniale Gitarren-Soli
aus der verzerrten Rhythmus-Fraktion hervorstechen, trieben die Schweden
das Konzert so langsam zu seinem Ende. Auf die Zugabe "Autopsy of
God" folgte ein ausgiebiges Hand-Shaking, ehe um kurz vor ein Uhr
die Lichter endgültig erloschen.
Schließlich kehrten meine Mannen und ich während der Heimfahrt noch
im guten alten McD. ein, um die eben in brütender Hitze los gewordenen
Kalorien nun mit wenigen Bissen in doppelter und dreifacher Dosis wieder
nachzurüsten. Als mir mein Royal TS in einer wunderbar rosa gefärbten
Verpackung, die gar vorzüglich mit den Nuancen meines Pressebändchen
korrespondierte, an den Tisch gebracht wurde, hatte sich schließlich ein
weiterer Kreis in meinem Leben geschlossen.
Dagger
Links: www.grave.se
- www.unleashed.se
- www.entombed.com
- www.dismember.se
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DISMEMBER
ENTOMBED
GRAVE
UNLEASHED
EXTERMINATOR
15.11.2006
Metropolis München

Grave

Unleashed

Entombed

Dismember

Dismember
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