Erlebnisbericht / 日本の旅行の感想 - Reiseeindrücke aus Japan |
|
30000 Fuß über dem Erdboden sitze ich eingezwängt in eine Sardinendose. Unter mir die Hügellandschaft Sibiriens mit ihren zahllosen Flußläufen, wolkenlos, wie aus dem Bilderbuch. Dann das Meer, immer weiter in Richtung der aufgehenden Sonne. Nihon ni ikimasu! Das erste Mal, daß ich überhaupt ein Passagierflugzeug besteige. Dann gleich von FRA (Frankfurt am Main) nach NRT (Tōkyō Narita) . Zehneinhalb Stunden, um die halbe Welt, die sich zum Glück dreht, sonst würde dort nie die Sonne scheinen. Die japanischen Flugbegleiterinnen sind ausgesprochen höflich auf Flug JAL408 nach Tōkyō, die Deutschen sind im Vergleich ungehobelt. Das Entertainmentsystem hilft einem noch schnell seine Japanischkenntnisse etwas aufzufrischen und hat auch ein paar aktuelle Filme auf Lager. Das Essen ist, naja sagen wir mal "gewöhnungsbedürftig". 20 Minuten kreisen bei Turbulenzen. Meine Sitznachbarin übergibt sich in die dafür vorgesehene Tüte, die sie fortan in der Hand hält, da Anschnallpflicht herrscht. Auch wenn auf diesen Tüten "Waterproof" steht, scheint das nicht ganz wahr zu sein. Willkommen in Japan. Landung, Auschecken, Koffer einsammeln, Grenze, Zoll, Bus. "tada ima." ("Ich bin zurück!") "o-kaeri nasai." ("Willkommen zu Haus!") Quer durch Tōkyō sammelt die Reisegruppe aus ca. 30 Personen erste Eindrücke von der Megapole. Das größte Ballungsgebiet der Welt erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 5300 Quadratkilometer, beheimatet ca. 37 Millionen Menschen und 2,7 Millionen Getränkeautomaten. Naja, zumindest auf ganz Japan ist diese Menge verteilt. In der Stadt selbst kann man keine hundert Meter gehen ohne einen zu sehen. Der Höchstgelgegene steht wohl, zumindest angeblich, auf der Bergstation des Fuji-san. Enthalten sind etliche Softdrinks, Bier und kalter grüner Tee, hauptsächlich von CocaCola und Asahi. Das riesige Gebäude dieser größten Brauerei Japans dürfen wir gleich nahe unseres Hotel im Stadtteil Asakusa bestaunen. Das Design entspricht einem Bierglas mit Schaumkrone. Das "kleinere" Gebäude daneben hat auf dem Dach eine Skulptur, die wohl eine goldene Flamme darstellen soll. Manche erkennen darin auch den größten goldenen Hundehaufen der Welt. Kein Wunder, bei den Bierpreisen in Japan. Ist eigentlich alles in Japan "Superlativ"? Nein, bei Weitem nicht. Restaurants, Läden und Konbini (Minisupermärkte) reihen sich im Miniformat in den Ergeschossen der Häuser. Durch ihre Zahllosigkeit stellen sie dann wohl doch wieder einen Superlativ dar. Die Ladenöffnungszeit sind, zum Wohl des Verbrauchers, nicht festgelegt, was den Effekt hat, daß manche Geschäfte eher öffnen und andere länger offen haben. Haupteinkaufstag ist der Sonntag, an dem die riesigen Ladenpassagen vollkommen überlaufen sind. Zwischen den Häusern tauchen, ganz unvermittelt, immer wieder Schreine und Tempel auf, die in ihrer Dimension vom "Puppenhaus" bis zum Tempelbezirk reichen. Gleich hinter unserem Hotel liegt der große Sensō-ji Kannon-Tempel in seiner klassischen Bauart. Die Religionen Japans, eine sykretische Mischung aus Shinto, der ursprünglichen Naturreligion und aus einigen verschiedenen, typischen Formen des Buddhismus, prägen das Land, trotz der westlichen Moderne, die die Japaner auf ihre so unnachahmliche Art assimiliert haben.
|
|
Auch das typische Essen gibt es in Japan an jeder Ecke. "Kennt man ja aus dem Japan-Restaurant." Allerdings: Die japanischen Gerichte, die man hier in Europa vorgesetzt bekommt, haben ungefähr soviel mit Japan zu tun, wie die Pizza mit Italien. Am ersten Abend war also Ramen-ya angesagt. Eine "Suppenküche" in der es, ebenfalls typisch, nur ein einziges Gericht in ca. vier Variationen gibt. ("-ya" bezeichnet übrigens sowohl das Geschäft, als auch das Personal dort. Diese zeigt deutlich, daß Japan eine geschlossene Gesellschaft ist, in der "das Individuum" bzw. "das Ego" keine so große Rolle spielt.) Beim ersten Kommunikationstest mit der Bedienung bin ich dann gleich durchgefallen und mußte auch gleich feststellen, daß Japaner zwar das Wort "Vegetarier" kennen, aber einfach keine Vorstellung davon haben, was das bedeutet. Man muß sich als "fleischloser Mensch" darauf einstellen, immer etwas Fisch, Meeresgetier, Fleisch oder Auszüge davon im Essen zu haben, auch wenn man vorher fragt, ob das Gericht "fleischlos" ("nikunashi") sei. Das ist wiederum auf eine andere Eigenart der Japaner zurückzuführen. Neben der sowieso grundsätzlich "gesunden" Ernährung (hauptsächlich Fisch, Reis, etc.) können sie einfach nicht "NEIN" sagen. Aus Höflichkeit sind sie also immer möglichst unbestimmt in ihren Aussagen und es ist ihnen äußerst peinlich, wenn sie einem nicht geben können, was man wünscht. Allerdings ist das Essen oft als Wachsmodell in der Auslage des Restaurants ausgestellt, so dass eine Vorauswahl möglich ist. In jedem Laden steht immer doppelt soviel Personal, wie normalerweise nötig ist, das sich, je billiger der Laden ist, umso überschwenglicher freut, wenn man als Kunde den Laden betritt. Die bereits erwähnten Gemischtwarenläden ("konbini" von engl. "convenience store") sind ein wahres, 24 Stunden geöffnetes Beispiel der japanischen Höflichkeit. Selbst wenn man als "Nicht-Kunde" den Laden verläßt, also ohne etwas gekauft zu haben, wird man verabschiedet, als hätte man die nächste Monatsmiete sichergestellt. Diese Höflichkeit im Service zeigt sich überall. Dort fühlt man sich als Kunde wohl und nicht tendenziell "übers Ohr gehauen". Die erwähnte Überbeschäftigung ist eine weitere Stilblüte der japanischen "Gluckengesellschaft". Auf jeden Bürger wird immer und überall aufgepaßt, meistens durch zusätzliches Personal und viele Hinweisschilder. An den ansonsten auch gut abgesicherten Baustellen stehen beispielsweise Leute, die winken. Zur Rushhour stehen "Schülerlotsen" an der Straße, die aufpassen, daß keiner den Zebrastreifen verläßt. Im Roppongi Mori Hills Tower, einem "Akzent der Vertikale" (Hochhaus mit Aussichtsplattform "Tōkyō View" in 250 Meter Höhe), wird man vom Eingang zur Kasse, zum Aufzug, in den Aufzug rein, aus dem Aufzug raus, zum Aussichtsrundgang, in den Aufzug rein, aus dem Aufzug raus, zum Treffpunkt, zum Ausgang raus, jeweils von einer Person gewunken. Dabei geht es nicht darum, daß der Besucher etwas Unerlaubtes tun könnte, was dem gewöhnlichen Japaner sowieso nie einfallen würde. Er soll sich beschützt und wohl fühlen. Dieses Konzept zieht sich durch die gesamte Kultur, von der Familie, über den Arbeitsplatz, bis zum Sportclub und dem Volk insgesamt. Alle sind gut behütet und im Gegenzug dafür stolz darauf, Teil dieses Gefüges zu sein, auch wenn sie nur niedrigste Aufgaben erfüllen.
|
|
Soweit die Ideale. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei nur fünf Prozent. Wohnen ist in Japan sehr teuer. Die Obdachlosen, die meist arbeiten gehen, aber kein Geld für eine Wohnung haben und deswegen blau überzogene Kartonhäuser am Fluss bauen, werden dezent übersehen. Schilder auf den Gehwegen mahnen "Don't smoke while walking" und "Don't litter". Mülleimer gibt es auf der Straße kaum, dafür gibt es auch keinen Müll auf der Straße. Trotzdem sind die Japan Meister der Müllerzeugung. Alles ist hundertmal eingepackt und wird nochmal in Plastiktüten gesteckt. Der Müll wird in Tōkyō ins Meer gekippt, um "Neuland" zu gewinnen. Der Platz ist knapp in Japan. Die vulkanische Gebirgskette, die sich von Nord nach Süd zieht, läßt nur Küstenstreifen zur Besiedelung frei. Das hat den Vorteil, daß man am Meer entlang fährt, rechts abbiegt und 30 Minuten später in nahezu alpinem Gebirge ist. Viel zu sehen gibt es in Japan, das aus Sicht von uns Touristen scheinbar nur aus Sehenswürdigkeiten besteht. Doch nein, bei den zur freien Verfügung stehenden Abenden dieser Reise (veranstaltet von JF-Tours, zu buchen über diverse Reisebüros, wie z.B. JALPAK) hat man auch laut Programm immer genügend Zeit, die Orte selbst zu erforschen. Tagsüber herrscht leider manchmal schon ein wenig Streß, wenn von einem "World Cultural Heritage" zum Nächsten gepilgert wird. So auch beim Tagesausflug nach Nikkō, dessen großer Tempelbezirk komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die vielen Tempel und Schreine bestechen, jeder für sich, durch viele verschiedene Eindrücke. Meint man jedenfalls noch zu diesem frühen Zeitpunkt. Später während der Reise, wenn man dann sehr viele der Heiligtümer gesehen hat, stumpft man etwas ab. Kamakura, Sitz des ersten Shogunats im 12. Jahrhundert, ist die Stadt der Schreine und Tempel. Ja, schonwieder Tempel. Jedoch sind sie hier besonders alt. In Kamakura stehen auch die "fünf großen Tempel" des Zen-Buddhismus. Daneben steht hier auch noch der weltbekannte Daibutsu ("großer Buddha"), dessen ihn umgebender Tempel von einem Tsunami weggespült wurde.
|
|
Eine Kurze Bootsfahrt über den Ashisee führt einen in die Bergwelt des Hakone-Nationalpark. Von dort aus kann man, sofern das Wetter mitspielt, auch DEN Berg Japans betrachten. Ein erhabenes Gefühl breitet sich aus und alle starren in die gleiche Richtung, wenn der Fuji-san aus den Wolken tritt. Man kann die Anwesenheit des großen Kami (Naturgott im Shinto) förmlich spüren, der hier im überwältigenden Naturheiligtum residiert. Erst, wenn man diese Impression eingefangen hat, ist man wirklich in Japan gewesen. Danach lädt ein Bad im Onsen ("heiße Quelle") mit seinem hier stark schwefelhaltigen Thermalwasser zur Entspannung ein. Apropos "Eindrücke festhalten". Ja, die Japaner fotografieren immernoch; ständig und alles und jeden. Zwar sind die Kameras mittlerweile so winzig, daß man sie kaum mehr wahrnimmt oder sind eben im Mobiltelefon aufgegangen, doch es muß einfach immer ein Bild gemacht werden. So muß klischeegerecht jedes der zehn Mädels der Mittelschulklasse jeweils mit dem jungen, putzigen Lehrer einzeln vor der Sehenswürdigkeit abgelichtet werden. Dies habe ich mir auch zum Beispiel genommen und aus über 1000 Fotos eine kleine Auswahl erstellt, die es in der Galerie zu bewundern gibt. (Nein, ich habe mich nicht mit den zehn Mädels fotografieren lassen ;-) (Moooooment! ICH habe die ganzen Fotos bekommen und die Galerien erstellt... und es waren über 2000 Bilder! Ich brauch nicht mehr hinfliegen :-) ToM) Die "Burg des weißen Reihers" in Himeji (ebenfalls Weltkulturerbe), ist dann das klassiche Beispiel der japanischen Herrschaftsburg, die zur Zeit des Tokugawa-Shogunats, weniger als Trutzburg, als mehr als machtrepresentatives Objekt erbaut wurde. Trotzdem finden sich die typischen Elemente, wie Schießscharten, die allerding sehr kunstvoll in verschiedenen Formen ausgeführt sind. Kreis, Quadrat, rechtwinkliges Dreieck und Kreuz spielen also in Japan nicht erst eine Rolle seit Erfindung der Nintendo-Konsole. Zurück in die Zukunft wirft mich im Anschluß eine Fahrt einem der Shinkansen-Schnellzügen. Sie sind ebenso ein Beispiel der japanischen Tugend, als auch des vorantreibenden Technikdrangs. Schon die Geschwindigkeit, mit der die Züge durch die Bahnhöfe fahren ist erschreckend. Sie sind immer pünktlich und halten Punktgenau an den Wagenmarkierungen des Bahnsteiges, allerdings für nur eine Minute. Die zwei dreisitzigen Reihen bieten unglaublich viel Beinfreiheit und Bequemlichkeit und werden jeweils in Fahrtrichtung gedreht. Der Service ist omnipräsent und es liegt ein Hauch von Ritual in der Luft, wenn der Schaffner sich, beim Betreten und Verlassen des Wagons, in einer nach Perfektionismus strebenden Verbeugung übt. Zu spät kommen Züge nur, wenn sich jemand mit suizidalen Absichten auf die Gleise wirft. Dies ist eine beliebte Methode, um sich bei seiner Familie zu rächen, denn die Kosten für Ausfall und Reinigung werden der Familie des Selbstmörders in Rechnung gestellt. Suizid kommt in Japan nicht selten vor. Allerdings wird das Problem, im wörtlichen Sinne, totgeschwiegen. Das hat vermutlich damit zu tun, daß Japaner scheinbar oft nichts mit sich anzufange wissen, ganz besonders nach der Arbeit. Das drückt sich auch in oft sehr stupiden, monotonen oder realitätsfernen Freizeitbeschäftigungen aus.
|
|
Golf und Baseball, meistens nur der Abschlag, Pachinko (elektronisiertes Nagelbrettspiel) und andere Spielautomaten dienen zum Zeitvertreib, bis man (endlich) wieder zur Arbeit muß. Baseball, Fußball und natürlich Sumo sind Nationalsport mit Profiligen. Der junge Stadtmensch mit Bewegungsdrang spielt aber auch gerne mal Fußball auf einem kleinen Hallenfeld, das ebenfalls ein Spielautomat mit Geldeinwurf, 6 Minuten Spielzeit und elektronischer Punktzählung ist. Geschlafen wird Nachts nur wenig, im Schnitt fünf bis sechs Stunden. Dies liegt vor allem daran, daß der Weg zur Arbeit im Schnitt zwei Stunden in Anspruch nimmt und 12 Stunden Arbeitszeit keine Seltenheit sind. Danach geht's dann mit den Kollegen oder dem Vorgesetzten in die Kneipe oder eben zum Pachinko und in die Spielhalle. Das hat den Effekt, daß die Japaner ein dauerübermüdetes Volk sind und immer und überall einnicken, ob stehend in der U-Bahn (z.B. "tōkyō chikatetsu"), in Bussen und Bahnen, oder an den Haltestellen und auf Parkbänken, was immer wieder zu lustigen Situationen führt, bei denen die Leute dann versuchen möglichst unbeteiligt dreinzuschauen. Hiroshima ist in unseren Augen immer "die Stadt der Bombe". Allerdings ist sie auch eine der modernsten Städte Japans, die durch den vollständigen Neuaufbau architektonisch und städteplanerisch glänzt und dabei irgendwie und ironischerweise US-amerikanisch anmutet. Hiroshima ist ein Ort der internationalen Begegnung und vor allem die Stadt der Okonomiyaki. "oishii desu!" ("lecker!"). Der weitläufige Friedenspark auf der Insel zwischen dem Fluß und der angrenzende "Atom-Dom" ist, mit seinen unzähligen Mahnmalen und Gedenkstätten, sowohl ein Ort der Erinnerung und Verinnerlichung, aber auch ein sehr schöner Park und damit ein Entspannungsort in der heutigen, so hektischen Zeit. Nichtsdestotrotz ist es natürlich die Stadt des Gedenkens, sowohl an alle Opfer von Kriegen überhaupt und im besonderen an die Opfer des Atombombenabwurfs am Ende des Zweiten Weltkriegs. Das große Friedensmuseum bietet einen deutlichen und detaillierten Überblick über die Geschichte und Zusammenhänge des Zweiten Weltkriegs und des Atombombenabwurfs, ganz besonders lohnenswert mit Unterstützung der Audio-Tour, die auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Allerdings ist nicht ganz von der Hand zu weisen, daß im Museum durch Einzelschicksale ziemlich "auf die Tränendrüse" gedrückt wird und die Haltung oftmals vorsichtig projapanisch, nationalistisch ist, (was man aus dieser Position heraus durchaus verstehen kann) auch wenn sich deutlich gegen Krieg und Atomwaffen / -tests allgemein ausgesprochen wird.
|
|
Ein weiteres Erlebnis im "Land der aufgeheden Sonne", ist der Gang zur Toilette. Entweder handelt es sich dabei um die klassische Variante, die ein Becken im Boden darstellt, welches hockend verwendet wird, oder eben um die sagenumwobene Washlet. Diese können mit vielen versteckten und offensichtlichen, meist elektronischen Funktionen glänzen. So ist neben einer Entlüftung und Desodorierung der Luft in der Toilette, auch meist eine Bidet-Funktion (für "Hinten und Vorne" mit einstellbarem Wasserdruck) eingebaut. Daneben gibt es noch Features von der beheizten Klobrille, über das elektronische Spülgeräusch, der drahtlosen Fernbedienung, Warmluftgebläse zum Trocknen und viele mehr. Der Haupthersteller ist die Firma Toto, das dominierende Unternehmen des japanischen Sanitärmarktes. Etwas mulmig wird einem allerdings schon, wenn an die Toilette ein Stromkabel angeschlossen ist. Die heilige Insel Miyajima, mit ihrem weltbekannten Torii, das den Eingang zu einem Shinto-Heiligtum markiert, beheimatet, neben ziemlich frechem Rotwild, zahlreiche sehenswerte Schreine und einige Temple unterschiedlicher buddhistischer Schulen. Die Bewohner leben fast ausschließlich von Tourismus und Service. Das Rotwild, das aufgrund der heiligen Lage nicht gejagt werden darf, vermehrt sich unter den hervorragenden Bedingungen unkontrolliert und frisst gere die Plastiktüten der Touristen und auch ansonsten alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Religion wird in Japan, aufgrund der unzähligen verschiedenen Strömungen, weniger institutionalisiert. Sie wird stattdessen auf eine erfrischende Weise direkt gelebt. Es wird vorallem gewünscht und um Unterstützung bei wichtigen Geschäften gebeten, egal ob bei ortsabhängigen, shintoistischen Kami oder bei buddhisitischen, heiligen Bosatsu (Bodhisattva). Auch wenn dazu immer eine kleine Spende nötig ist (von denen sich allerdings die Tempel, Schreine und Klöster ausschließlich finanzieren), erhält man so direkt Fürsprache und Hilfe. Eine weiterer Aspekt ist die Ahnenverehrung, von der vor allem der Buddhismus profitiert, wenn für die Verstorbenen Sutraen gelesen werden, ähnlich einer zweckgebundenen Messe im katholischen Christentum. Zu berichten gäbe es darüber sehr viel, was aber den Rahmen hier deutlich sprengen würde. Auch in Nara, der ersten Hauptstadt Japans im 8. Jhd, ist heiliges Rotwild reichlich vorhanden, verhält sich aber nicht ganz so frech, wie das auf Miyajima. Gefressen wird hier nur, was deutlich freßbar ist, aber auch davon ist, dank der Touristen reichlich vorhanden, was der Körperfülle der Tiere deutlich anzusehen ist. Desweiteren haben sich die Tiere auch ein kleines Kunststück angeeignet, das sie gerne vorführen. Sie tanzen mit überschwänglichen Kopfbewegungen und stellen sich bei Bedarf auch auf die Hinterbeien. Ob das nun noch natürlich ist, sei dahingestellt.
|
|
Die Stadt wird gerne als die Wiege der Japanischen Kultur bezeichnet und geizt ebenfalls nicht mit Sehenswürdigkeiten und Heiligtümern. Ganz besonders der Tōdai-ji, mit der größten Bronzestatue im größten Holzgebäude der Welt, ist ein beeindruckendes Erlebnis. In einer der Säulen befindet sich das Nasenloch Buddhas, das dem, der dort hindurchpasst, lebenslanges Glück verspricht, was natürlich immer zu langen Schlangen kleiner, lärmender Schulkinder führt. Obwohl ebenfalls Millionenstadt, ist Kyōto doch recht beschaulich. Durch die große Ansammlung an Kulturgütern ist es wohl eine der interessantesten Städte Japans überhaupt. Der goldene und der silberne Pavillon mit den Umgebenden Gärten, der berühmte Zen-Steingarten des Ryōan-ji, das Nijo-Schloß, der Philosophenweg, das Altstadtviertel Gion und der Heian-Schrein sind allerdings nur eine kleine Auswahl des Erlebnisreichtums dieser Stadt. Das planmäßige Straßensystem macht die Orientierung rechte einfach und die riesigen Shopping-Arcaden der Straßen Shijo und Kawaramichi erzeugen den echten japansichen Konsumrausch. Das gibt es wohl nichts, was es nicht gibt. Welpen in den Glaskästen der Tierhandlung, die wohl größte Auswahl an Anhängern für Mobiltelefone, traditionelle Kimonoläden, riesige Kaufhäuser im westlichen Stil und Cafes, Restaurants und Konditoreien mit vielen leckeren Speißen in Hülle und Fülle. Schwermut befällt mich, als es an die Heimreise geht. Mit dem ersten Einblick in dieses Land, ist das Gefühl in mir bekräftigt worden, daß ich dort irgendetwas gefunden habe. Weniger die Euphorie einer Touristenreise ist es, die mich dazu bewegt, als mehr die nahtlose Verbundenheit, die ich zu der Kulur und Gesellschaft verspüre. Der "letzten Kick" begegnete mir dann, als bei der Landung des Transferfluges von Ōsaka nach Tōkyō die Maschine durchstarten mußte. Ein sehr interessantes Gefühl, kurz bevor das Fahrwerk den Boden berührt, kippt die Tragfläche weg und der Pilot gibt vollen Schub. Beim zweiten Ansatz hat es dann doch geklappt, so daß der Anschlußflug nach Frankfurt rechtzeitig bestiegen werden konnte. Jedoch erhielt ich den Eindruck, daß das Land mich festhielt und nichtmehr gehen lassen wollte, als wir zwei Stunden im Flugzeug auf der Rollbahn warten mußten, da der Taifun Nr. 15 über Tōkyō fegte. Dann durften wir doch endlich starten. Wenige Minuten später hatten wir die Schlechtwetterzone passiert und erreichten China und Sibirien. Nach zehn Stunden in der Sardinendose kam ich in Frankfurt an. Es folgte noch die Rückfahrt im ICE, der mir jetzt wie der langsamste Schnellzug der Welt vorkam. Nach insgesamt 24 Stunden Reise wird alles ganz klein, wenn in Nürnberg die Franken nervend den U-Bahnhof bevölkern. "Ich bin zurück!" ("tada ima.") "Willkommen zu Haus!" ("o-kaeri nasai.")
Links: REISEBÜRO JALPAK von Japan Airlines - Programm als PDF - WikiPortal Japan
|
|