Erlebnisbericht / DARK POETRY SESSIONS - DUNCKER BERLIN - SO. 18.02.07 |
|
| Jeden dritten Sonntag des Monats veranstalten Autoren der Lautmalerei die Dark Poetry Sessions im Duncker Berlin. Ein streßverheißendes Datum für Menschen wie mich, die den Tag davor immer Party in Zapfendorf, 400 km südlich von Berlin machen. Dementsprechend lange hat es gedauert, bis Marry & ich endlich einer dieser Sessions beiwohnen konnten. Bestuhlt hat der Duncker durchaus etwas von Wohnzimmer, oder doch eher das Flair einer Künstlerloft. Gedämpftes Licht, drei Gitarristen auf der Bühne, die den Blues haben und dabei versuchen, nicht zu lachen... Die auch mal die "Stones" ankündigen und die "Beatles" adaptieren, ohne das es auffällt... Die Verwechslungskomödie von "Dark" & "Blue" wurde dann auch zum erfrischenden Running Gag der zwar lockeren, jedoch von dunklen Gedanken getragenen Veranstaltung. Autoren lesen also ihre Texte, dazwischen ertönen hinreißend anders interpretierte Klassiker aus "Rhythm & Blues" und dem, was man mangels Schubladen vielleicht in den Sack "Singer/ Songwriter" stecken würde. Eine Etage tiefer sitzen die Autoren am Tisch. Ein Mikrophon macht die Runde. Es lesen Mareike Barmeyer, Hannes Köhler und Alexander Engel. Kurze Ansagen, Texte, Prosa vom Scheitern. Hautnah, wie selbsterlebt oder dazu neigend, so authentisch zu sein. Der Taxifahrer, der von seinem eigenen Bruder bedroht wird, der sich dann als Mörder entpuppt... oder auch nicht. Der kritisch- verzweifelte Blick einer Fremden auf Manchesters Abgründe, ein Hobbyfotograf, der passiver Zeuge einer Vergewaltigung wird, und der Typ auf der Brücke, dem ein Kind den Selbstmord versaut... Großartiges Kopfkino. Dazwischen immer wieder Klassiker , die keiner kennt... jedenfalls nicht so. Lapidar "Kulturprogramm" nennt sich diese Band, die sich jeder Eigenwerbung zu verweigern scheint und die Musik sprechen läßt, eigenwillige, von dreistimmigen Gitarrenspiel getragenen Interpretationen, die unter die Haut gehen, die Spaß machen ("aber nicht lachen"). Durch das Programm führte Hendrik, quasi mein erster Kontakt zu den Lautmalern, die uns freundlicherweise auch den Weg an ihre Seite ebneten und einer konstruktiven Zusammenarbeit mit unserer Lesung sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. So erfuhr ich, daß es an anderen dritten Sonntagen durchaus noch darker zugehen kann. Dennoch war es ein dem Motto sehr naher, sehr gelungener Abend in einem angenehm gefüllten Duncker. Ja, das "dark" zog überraschend viele Leute an, und eben auch Leute, die nicht unbedingt "blue" sind. Anschließend wurde die Bestuhlung wieder in den Garten transportiert und zur 80s Party geladen. Immer Sonntags: "Das war vor Jahren". Der Schuß musikalische Altersvorsorge. Wocheneinklang, Wochenausklang, je nach Sicht der Dinge... Aber das habe ich, der gerade diese Zeilen tippt, leider nicht mehr miterlebt. Zwei Parties, 400 km und zwei Bier ließen eine unbändige Sehnsucht nach dem heimischen Bett aufkommen.
Links: DIE LAUTMALEREI
|
|