Erlebnisbericht/ BAVARIAN BATTLE, Lockschuppen Rosenheim am 14.01.2006

Eigentlich h¹tten die Tore des historischen Rosenheimer Lockschuppen um 17:00 Uhr fÙr die Besucher des Bavarian Battle geùffnet werden sollen, damit sie die anschlie¤ende 60-minÙtige Happy Hour sinnvoll quasi als Warmup bis zum eigentlichen Beginn um 18:00 Uhr nutzen kùnnen. Doch fÙr die meisten wurde das mit dem Aufw¹rmen an diesem Abend irgendwie nichts... 

Denn scheinbar hat Rosenheim so etwas wie eine eigene Zeitrechnung. Als ich um 17:15 Uhr mit leichter Versp¹tung den Lockschuppen erreichte, stand bereits eine kleine Ansammlung sich heiter unterhaltender Metalheads vor verschlossenen TÙren. Die Anzahl der wartenden G¹ste wuchs schnell an, doch die Stimmung war trotz des weiterhin verw¹hrten Zutritts im grÙnen Bereich. Hatte ich schon erw¹hnt, dass es ca. -12 ÁC hatte und viele der Anwesenden im T-Shirt bzw. im Minirock vom Auto zum Lockschuppen gewandert waren? Gegen 17:30 Uhr wurde es dann allm¹hlich still in der Warteschlange und kurz vor 18:00 Uhr begann schlie¤lich ein leises Nùrgeln, das jedoch rasch zu einem lauthalsen Sichbeschweren angeschwollen war.

Endlich - kurz nach sechs bekam ich das Innere des Lockschuppens zu Gesicht, gerade rechtzeitig, um die BegrÙ¤ung der etwas verloren auf der BÙhne herumstehenden SCARCROSS erleben zu dÙrfen. Die meisten Besucher verharrten zu diesem Zeitpunkt noch in klirrender K¹lte und die Happy Hour war natÙrlich auch schon vorbei, weil die war ja von FÙnf bis Sechs ;) Die fÙnf Rosenheimer Musiker taten ihr Bestes, um Ùber die unglÙckliche Lage hinwegzuhelfen, wurden von den wenigen Anwesenden jedoch ignoriert. Geboten wurde melodischer, Keyboard-lastiger Black Metal mit gelegentlichem Klargesang und AusflÙgen ins Todesblei. Im Grunde ganz nett, mehr aber auch nicht. 

Anschlie¤end betraten die Schwarzmetaller INFESTUS aus MÙnchen die BÙhne. So schlecht und dilettantisch sich die Jungs geschminkt hatten, so miserabel war auch der Sound w¹hrend des 30-miÙtigen Gigs - doch dafÙr kùnnen die Musiker selbst natÙrlich nichts. Das Schlagzeug hatte einen derma¤en e-k-e-l-haften Topfdeckelsound, dass darunter s¹mtliche Songs hùrbar litten. Und Ùberhaupt... wo war eigentlich die Bassgitarre??? Gem¹¤ ihres Auftretens spielten Infestus rasend schnellen, quasi innovationsfreien Black Metal, ganz nach skandinavischer Gangart, nur nicht so gut. Und da man ja 25 Minuten lang versuchte, die ollen Nordm¹nner zu kopieren, lag es auch auf der Hand, den Auftritt mit einer Coverversion des Gorgoroth-Klassikers "Possessed (by Satan)" zu beenden. Dass w¹hrend all der Zeit sich gerade mal fÙnf Personen (aufgerundet) dazu hinrei¤en lie¤en, ihre Matten im Takt zu kreisen, spricht fÙr sich.

Der Abend erfuhr nun eine Ùberraschende Wendung. Ihren eigenen kleinen Fanclub im Gep¹ck, wurden die Salzburger POSSESSION lauthals auf die BÙhne gefordert. Als dann die ersten Noten mit hùrbar verbessertem Sound aus den Boxen donnerten, erreichte die Stimmung im Saal ihren vorl¹ufigen Hùhepunkt. Die drei Ésis plus Oberbayer spielen genau das, was die Fans hùren wollen: eing¹ngigen und nachvollziehbaren Death/Thrash Metal, zu dem man so richtig schùn abgehen kann. Und das taten die Damen und Herren in den ersten Reihen dann auch. Lauter Beifall folgte auf ausgelassenes Headbangen. Da vergehen 30 Minuten doch glatt wie im Flug.  

Zwar verdichten sich die Reihen in BÙhnenn¹he w¹hrend der Umbaupause spÙrbar, die Rosenheimer LUNAR AURORA sollten den Stimmungspegel ihrer Vorg¹nger dennoch nicht erreichen. Doch eins nach dem anderen. Nach ca. 37-minÙtigem Intro bequemten sich die Herren endlich auf die BÙhne - das Intro dauerte dann noch mal ca. 12,5 Minuten - und lenkten in Mùnchskutten oder als Sensenmann gewandet die Blicke auf sich. Zwar deutlich professioneller, als eben noch Infestus, hart an der Grenze zum AmÙsanten, aber dennoch im schwarzen Bereich.
Die sechs MondsÙchtigen (lunar aurora = lat.: Vollmond) spuken schon seit 1994 durch die deutsche Black Metal Szene und z¹hlen somit hierzulande zu den dienst¹lteren Vertretern ihres Genres. Seit gut zehn Jahren steht ihr Name fÙr solides Schwarzmetall, das aber gewiss nie Bahn brechend war. Wieder litten die einzelnen StÙcke unter einem verworrenen Sound. Das eigentlich dominant eingesetzte Keyboard war w¹hrend der schnellen und wenig abwechslungsreichen StÙcke kaum wahrzunehmen. Ich fÙr meinen Teil war froh, als der Spuk nach knapp 50 Minuten ein Ende gefunden hatte.

Weiter gingÇs nach kurzem Umbau mit boshaft geschminkten Finsterlingen. DARK FORTESS hie¤en die Jungs aus Landshut, die nun die BÙhne vereinnahmten. Sie z¹hlen meines Erachtens zu den gro¤en Hoffnungstr¹gern des deutschen Black Metal. W¹hrend es die Musiker in ihren Anfangstagen  viele Kollegen gleich taten und versuchten, schwedische Acts wie Dissection oder Dark Funeral zu kopieren, haben sie mittlerweile ihren eigenen Stil entwickelt. Nach drei stattlichen Releases wurden sie nun im Hause Century Media mit offenen Armen aufgenommen und verùffentlichen Ende des Monats das Opus "S³ance". Die sechs Musiker pendelten an diesem Abend zwischen nordischer Raserei einerseits und morbiden Midtempo-Stampfern andererseits. Neben den "Klassikern" der FrÙhwerke wurden auch die neuen Songs "CataWomb" und "Ghastly Indoctination" gebÙhrend gefeiert. Der Sound konnte deutlich verbessert werden (die Vocals fielen noch sehr leise aus), was wiederum deutlich auf die Stimmung im Saal abf¹rbte. Da stand einer ordentlichen Runde Headbangen nichts mehr im Wege. Mit Emperors finalen Everblack "I am the black wizards" erreichte der Gig schlie¤lich seinen Hùhepunkt.  

Um 22.30 Uhr war es fÙr den Wind an der Zeit, aus einer anderen Richtung zu blasen. Bereits w¹hrend des Umbaus wurden gro¤e Gem¹lde von Wald und Vollmond als BÙhnenkulisse enthÙllt und knorrig efeuberankte Mikrost¹nder auf der BÙhne platziert. THE VISION BLEAK demonstrierten schon auf ihrem kÙrzlich erschienen "Carpathia", aber auch auf ihrer Webside, dass sie viel Wert auf optische Finessen legen. FÙr ihren Liveauftritt in Rosenheim hatten sich die beiden Masterminds Allen B. und Ulf Theodor Schwadorf, die vor The Vision Bleak bereits unter dem Namen Empyrium firmierten, drei Mitstreiter organisiert. Auf all den Black Metal folgte nun eine interessante musikalische Darbietung, die man wohl am besten als Dark Metal einstufen kann. Mit endlich optimiertem Sound brachten die dÙsteren, dem Gruselgenre entsprungenen Nummern das Publikum so richtig zum rocken. Schwer groovende Gitarren trafen auf dichte Keyboardteppiche und eing¹ngige Refrains. Als wohl charismatischste Person des Abends entpuppte sich S¹nger Allen B., der nicht nur mit beschaulich narrativem Klargesang, sondern auch mit theatralischer Gestik und va. der Mimik eines begeisterten Geschichtenerz¹hlers die Audienz zu fesseln wusste. Da verwunderte es mich auch nicht mehr, dass sich das Publikum gerne anstecken lie¤ und bei der bislang moderatest klingen Band sogar ein kleiner Pogo entstand. 

Die Uhr schlug mittlerweile Halbzwùlf - eigentlich h¹tte sich das Konzert allm¹hlich seinem Ende neigen sollen. Doch der Headliner stand noch aus. Trotzdem lichteten sich die Reihen spÙrbar. Kein Grund fÙr PUNGENT STENCH, nicht ordentlich Dampf abzulassen! Um 24:00 betrat das Wiener Kult-Death-Metal-Trio die BÙhne und forderte noch einmal die letzten Reserven der Fans. Die lie¤en sich auch nicht lumpen und so gingÇs zu den brachial aus den Boxen stampfenden Nummern vor der BÙhne so richtig zu Sache, was S¹nger Martin Schirenc mit original Wiener Schm¹h nur trocken kommentierte: "Ich glaub, ihr seid heut scho a bisserl mÙd". Wenn das nicht zu noch grù¤eren Taten anspornt... Jetzt war auch die Security gefragt, befùrderte den ein oder anderen Raufbold nach drau¤en und zog reihenweise die Fans von der BÙhne, die dort neben ihren Helden flei¤ig die Matten kreisten. Die Musiker juckte das alles herzlich wenig - "Jetzt spiel ma an Song, der gut zum heutigen Abend passt. Weil heut ist Samstag, da holt ma sich auch gern a GÇschlechtskrankheit". Die Texte von Pungent Stench sind ohnehin ein Kapitel fÙr sich und verursachten bereits in den frÙhen Neunzigern kontroverse Diskussionen. Um Ein Uhr fand der Gig schlie¤lich sein j¹hes Ende: "Jetz mÙss ma leider aufhùrn, sonst kringn ma Þrger mit der Polizei". Das passte den angeheiterten Fans so gar nicht. Die Lichter gingen an. Doch nach lautem Nùrgeln und einigen frustriert auf die BÙhne geworfenen Plastikbechern erschienen die Herren noch ein mal - "Geh schei¤ ma drauf, jetzt klopf ma noch an runter!" Und ab gingÇs! Pungent Stench sind und bleiben KULT. Da geraten auch die anf¹nglichen Aussetzer und organisatorischen Engp¹sse schnell in Vergessenheit.

Dagger

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