|
Ich erinnere mich noch, als wäre es erst gestern
gewesen: in bitterer Kälte bei etwa -15 °C stand ich vor dem Rosenheimer
Lockschuppen und fror mir wie viele andere meinen Allerwertesten ab,
während ich auf Einlass zum Bavarian Battle 2006 wartete. Ziemlich genau
ein Jahr ist nun vergangen und die heurige Veranstaltung unterschied sich
in vielerlei Hinsicht vom letzten Jahr...
Zunächst einmal hatten wir etwa 10
°C im Plus, die Location wurde nach Kufstein verlegt und das organisatorische
Fiasko vom letzten Jahr sollte sich nicht wiederholen. Dass ich von der
ersten Band THRONE OF DEATH nur die letzten beiden Stücke
mitbekommen habe, liegt also nicht am Veranstalter, sondern ist meine
eigene Schuld. Ihr kennt das alle wenn man in einer fremden Stadt erst
keinen Parkplatz finden kann, wo man eigentlich einen haben möchte,
plötzlich nur noch gerade aus fahren darf, sich in einem Gewirr von
Einbahnstraßen wieder findet, sich schließlich immer weiter vom Ziel entfernt
und plötzlich überhaupt nicht mehr weiß, wo man eigentlich ist...
Naja, zurück zu Throne Of Death: die spielten nämlichen keinen
Death Metal, wie der Name vielleicht impliziert hätte, sondern Schwarzmetall
- unschwer am aufwändigen Panda-Look zu erkennen, den sich die Herrschaften
zugelegt hatten. Leider war zu diesem Zeitpunkt wie so oft kaum ein Mensch
im Konzertsaal, so dass die Jungs beinahe um sonst so viel Mühe auf
ihr Äußeres ver(sch)wendet hatten. Vielleicht lag es also an der
Enttäuschung, dass sich der Sänger kaum von der Stelle rührte
und recht gelangweilt dreinblickte. Vielleicht durfte er sich in seinem
langen Ledermantel jedoch auch nicht zu sehr bewegen, wenn er nicht riskieren
wollte, dass das liebevolle Face-Painting von Schweißes Strömen hinweg
gewaschen wird. Schließlich musste der Herr ja im gleichen Outfit noch
für den Rest des Abends herum laufen und all jene, die seinen Weg
kreuzten, böse anglotzen...
Eng war der zeitliche Rahmen gesteckt
an diesem Abend, und so betrat nach nur 15 Minuten Umbaupause um 19:00
Uhr bereits die zweite Kapelle die Bühne. Die junge Band SCORCHIN´
DEVOURERS aus Straubing durften zwar auf nur wenige Anwesende
mehr blicken, gaben sich jedoch dennoch alle Mühe und betonten, froh
zu sein, heute hier auftreten zu dürfen. Mich betreffend, entpuppten
sich die Jungs als echte Überraschung, was an Frontmann Markus´ gesanglicher
Leistung lag. Tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt bewältigte
er alle Stimmlagen - selbst die ganz hohen - und platzierte dazwischen
sogar ein paar tiefe Growls, was dem melodischen Liedgut, das mich ein
wenig an Sacred Steel erinnerte, ab und an eine bedrohliche Note
verlieh. So etwas hört man bei einem Newcomer nur noch selten. Denn
sind wir mal ehrlich: die meisten jungen Musiker begnügen sich doch
damit, ins Mikro zu grunzen oder kreischen, was ihnen ja kaum ein gesangliches
Talent abverlangt. Schließlich zog der Jungspund auch noch sämtliche
Blicke auf sich, indem er sich wild durch´s 30-minütige Set gestikulierte,
somit seinen Spaß an der Sache demonstrierte und zu guter Letzt auch die
Audienz ein wenig infizierte. Headbanger fand man zu so früher Stunde
zwar noch keine, doch der zunehmende Applaus der wenigen Anwesenden ließ
schon erahnen, dass ich nicht der Einzige war, der eben eine angenehme
Überraschung erfahren hatte.
Nach
so viel Melodik war nun wieder ein ordentlicher Brutalo-Act an der Reihe,
an dessen Spitze ein großer, hässlicher Kerl stand, der sich den
entblößten Oberkörper mit Blut beschmiert hatte. Man durfte
also gespannt sein, ob man nun mit Death oder Black Metal beschallt werden
sollte - erstes traf schließlich zu. Lange dauerte es nicht, da offenbarten
VERITAS MENIS ihre "wahre Gesinning", so der Bandname
frei ins Deutsche übertragen. Die lag nämlich darin, den großen
Szene-Vorreitern aus Übersee zu huldigen. Folglich hörten wir
in den nächsten 30 Minuten ein Gewitter aus technischen und vertrackten
Gitarren-Riffs mit durchaus melodischen Momenten und einigen sauber gespielten
Gitarrensoli. Veritas Mentis machten ihre Sache im Grunde also ganz gut.
Die Jungs legten sich auch ordentlich ins Zeug und so wundert es auch
nicht, dass sämtliches Blut in Bälde durch körpereigene
Transpiration vom Körper gewaschen wurde. Ja ja - der Haberer (wir
sind hier schließlich in Österreich!) von Throne Of Death wusste
schon, warum er sich nicht bewegte. Das Problem bei der ganzen Sache ist
nur, dass es vergleichbare Bands eben wie Sand am Meer gibt. Kaum eine
davon entwickelt einen eigenen Stil mit Widererkennungswert und alle geben
sich damit zufrieden, die Kopie einer Kopie zu sein. Da spielt es im Grunde
schon gar keine Rolle mehr, ob man fit an seinen Instrumenten ist...
Halb
Neun hatte es mittlerweile geschlagen und weiter ging´s mit den Österreichern
ICTUS MORTIS, die uns Hörern nun den "Todesstoß"
versetzen wollten. Der Sechser spiele deutschen bzw. österreichischen....
ja, was eigentlich? Gothic Metal mit einigen schwarzen Anleihen? So könnte
man es jedenfalls annähern umschreiben. Düster und rockig vielen
die meisten Stücke aus, das Keyboard kam omnipräsent und dominant
zum Einsatz und Sänger Werner grunzte, kreischte und konnte sogar
ganz passabel Singen. So skurril die Truppe auf der Bühne auch aussah
- das ganze erinnerte mich schon ein wenig an eine Freakshow - sie wußten
die Anwesenden zu begeistern und entfesselten sogar so etwas wie einen
kleinen Moshpit. Das motivierte wiederum die Musiker und so heizte Werner
die neu gewonnen Fans in feinstem Ösi-Slang auch immer weiter an:
"Wo simma denn? Des is ja ka Kinderjaus´n da" Sehr richtig!
Seine Rechnung ging schließlich auf und Ictus Mortis entpuppten sich als
Gewinner der ersten Halbzeit. Als Belohnung lüftete er noch das Geheimnis
um die bandeigene Stilrichtung: "Wir spielen Schlachtmusik".
Daher zog sich der Scherzkeks zum letzten Song ("Tanzt Ihr Schweine")
die blutige Schlachterschürze an und erklärte, die Anwesenden
haben sich nun auch wie die Schweine aufzuführen. So hat er sich
zu guter Letzt dann doch noch ein Stück zu weit aus dem Fenster gelehnt,
denn außer verstörten Blicken konnte er für diese Aufforderung
nicht mehr ernten.
Es folgte eine kleine Halbzeitpause, ehe
es um 21:30 Uhr weiter ging. Alle guten Dinge sind drei, drum kam nun
der dritte Lateiner, ARS IRAE war sein Name und das soll fraglos
bedeuten, dass diese Herrschaften die "Kunst des Wütens"
sehr wohl beherrschen. Hätte das Event wie letztes Jahr in Rosenheim
statt gefunden, hätte das Quartett als Lokalmatador sicherlich auf
eine größere Anhängerschar blicken können. Doch so mussten
sie erst einmal kräftig ins Horn stoßen, um die Anwesenden wieder
zurück in die Halle zu locken. Bei etwas verworrenem Sound war leider
manch eine Songstruktur untergegangen und der schnelle Black Metal wollte
beim Publikum einfach keine Begeisterung entflammen. Vermutlich lag´s
tatsächlich am Sound, dass sich die meisten Stücke einfach zu sehr
ähnelten. Gelegentlicher Klargesang, der ein wenig mehr Abwechslung
in die Angelegenheit gebracht hätte, blieb leider die seltene Ausnahme.
Zum Glück sollte dieses eben eingetretene Stimmungstief nicht besonders
lange anhalten.
Denn
nun war es an der Zeit für Nieten, Spikes und Patronengurte! DESASTER,
der erste von zwei internationalen Acts an diesem Abend betraten reichlich
dekoriert die Bühne und schon hatte sich alles, was zwei Beine besaß,
vor derselben versammelt. Genau genommen begannen die Koblenzer ja schon
Ende der 80er zu musizieren, allerdings sollte der große Durchbruch erst
1996 mit ihrem Debüt "A Touch of medieval darkness" folgen.
Dem zum Trotz huldigen die vier Musiker dem Geist der mittleren 80er und
agieren im Sinne von Sodom, Kreator und Destruction. Ihre Mischung aus
Thrash, Speed und Black Metal um mittelalterliche Themen dürfte einzigartig
sein und begeisterte das Volk an diesem Abend sichtlich. Fast alle, die
sich nun im Saal eingefunden hatten kreisten brav ihre Matten und jubelten
den Musikern zu. Ein erster Jungspund versuchte sich schließlich mit Stagediving,
landete jedoch auf dem Boden. Es waren für solche Aktionen eben doch
nicht genug potentielle Träger anwesend. Dennoch hatten die Musiker
jede Menge Spaß an ihrer Arbeit und zum abschließenden Song "Metalized
Blood" erklommen gar etliche Fans die Bühne und bekamen sogleich
ein Mikro überreicht, um den Refrain gemeinsam mit den Musikern herauszurufen
- so etwas gibt´s eben nur in Metal Szene!
Ziemlich
genau um 24:00 Uhr waren schließlich MASTER auf der Bühne
erschienen und ließen sich von den etwa 60 Männlein, die nun noch
auf ihren Gig warteten, nicht entmutigen. Im Gegenteil: Front-Bärtling
Paul Speckmann nahm´s mit viel Humor, schwatzte zwischen den Songs mit
den wenigen verbliebenen Fans und erzählte einige Anekdoten aus seinen
Jugendjahren. Schließlich betreibt er diese Kapelle schon seit 1985 und
kann sich somit als echter Begründer einer Bewegung bezeichnen, die
heute als Old School Death Metal bekannt ist. Jedoch schreitet dieser
US-Bürger deutlich eingängiger - man könnte auch sagen
minimalistischer - zu Werke, als beispielsweise die Technik-Freaks von
Cannibal Corpse, die etwa zur selben Zeit das Licht der Welt erblickten.
Wie auch immer, wenn er dort oben steht - mit Bass in der Hand, Kopf im
Nacken und seine typischen Röchellaute ins Mikro röhrt, erinnert
er irgendwie Motörhead... also quasi der Lemmy des Death Metal. Lediglich
die garstigen Warzen fehlen ihm noch ;-) Unerschüttert spielte sich
das Trio durch ihr eineinhalbstündiges Set, nur der Wunsch eines
penetranten Fans, der ständig nach "The Ring Of Fire" schrie,
wurde nicht erhört. Ihm erklärte Paule, dass er diesen Song
erst nach zwei Flaschen Whiskey zum Besten geben könne. Es ist mir
auch ein Rätsel, warum der Kerl ständig diesen County-Klassiker,
bekannt durch die Interpretation von Johnny Cash, einforderte. Ich wüsste
nicht, dass ihn Master irgendwann einmal gecovert hätten. Und so
gab Paule der Nervensäge schließlich mit den Worten "You must
be crazy, guy!" die Quittung und beendete das Hin und Her.
Lustig war´s also an diesem Abend, nur leider leider viel zu lehr im Saal.
Doch woran lag´s, dass nur etwa
165 zahlende Gäste den Weg nach Kufstein gefunden hatten? Vielleicht
daran, dass im Raum zwischen Salzburg und München, also quasi dem
potentiellen Einzugsbereich für diesen Gig, bis Ende März fast jedes
Wochenende ein Konzert geboten wird? Sind die Fans also schon übersättigt?
Vielleicht waren auch die Zugpferde Desaster und Master nicht stark genug.
Gerade Master sagen dem Nachwuchs, also jener Children Of Bodom-Generation
vermutlich so rein gar nichts mehr. Es ist schade, aber den wahren Grund
werden wir wohl nie erfahren... Bis zum nächsten Mal!
Dagger
Links: THRONE
OF DEATH - SCORCHIN DEVOURERS
- VERITAS MENTIS
- ICTUS MORTIS -
ARS IRAE - DESASTER
- MASTER
©
2007 - subKULTur.com -
nach hause - erlebnisberichte - BAVARIAN
WINTER BATTLE
|
MASTER
DESASTER
ARS IRAE
ICTUS MORTIS
VERITAS MENTIS
SCORCHIN` DEVOURERS
THRONE OF DEATH
20.01.2007
KuFa Kufstein

Throne Of Death

Scorchin´ Devourers

Ars Irae

Desaster

Master
|