Erlebnisbericht: Bavarian Winter Battle, KuFa Kufstein, am 20.01.07

Ich erinnere mich noch, als wäre es erst gestern gewesen: in bitterer Kälte bei etwa -15 °C stand ich vor dem Rosenheimer Lockschuppen und fror mir wie viele andere meinen Allerwertesten ab, während ich auf Einlass zum Bavarian Battle 2006 wartete. Ziemlich genau ein Jahr ist nun vergangen und die heurige Veranstaltung unterschied sich in vielerlei Hinsicht vom letzten Jahr...  

Zunächst einmal hatten wir etwa 10 °C im Plus, die Location wurde nach Kufstein verlegt und das organisatorische Fiasko vom letzten Jahr sollte sich nicht wiederholen. Dass ich von der ersten Band THRONE OF DEATH nur die letzten beiden Stücke mitbekommen habe, liegt also nicht am Veranstalter, sondern ist meine eigene Schuld. Ihr kennt das alle wenn man in einer fremden Stadt erst keinen Parkplatz finden kann, wo man eigentlich einen haben möchte, plötzlich nur noch gerade aus fahren darf, sich in einem Gewirr von Einbahnstraßen wieder findet, sich schließlich immer weiter vom Ziel entfernt und plötzlich überhaupt nicht mehr weiß, wo man eigentlich ist... Naja, zurück zu Throne Of Death: die spielten nämlichen keinen Death Metal, wie der Name vielleicht impliziert hätte, sondern Schwarzmetall - unschwer am aufwändigen Panda-Look zu erkennen, den sich die Herrschaften zugelegt hatten. Leider war zu diesem Zeitpunkt wie so oft kaum ein Mensch im Konzertsaal, so dass die Jungs beinahe um sonst so viel Mühe auf ihr Äußeres ver(sch)wendet hatten. Vielleicht lag es also an der Enttäuschung, dass sich der Sänger kaum von der Stelle rührte und recht gelangweilt dreinblickte. Vielleicht durfte er sich in seinem langen Ledermantel jedoch auch nicht zu sehr bewegen, wenn er nicht riskieren wollte, dass das liebevolle Face-Painting von Schweißes Strömen hinweg gewaschen wird. Schließlich musste der Herr ja im gleichen Outfit noch für den Rest des Abends herum laufen und all jene, die seinen Weg kreuzten, böse anglotzen...    

Eng war der zeitliche Rahmen gesteckt an diesem Abend, und so betrat nach nur 15 Minuten Umbaupause um 19:00 Uhr bereits die zweite Kapelle die Bühne. Die junge Band SCORCHIN´ DEVOURERS aus Straubing durften zwar auf nur wenige Anwesende mehr blicken, gaben sich jedoch dennoch alle Mühe und betonten, froh zu sein, heute hier auftreten zu dürfen. Mich betreffend, entpuppten sich die Jungs als echte Überraschung, was an Frontmann Markus´ gesanglicher Leistung lag. Tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt bewältigte er alle Stimmlagen - selbst die ganz hohen - und platzierte dazwischen sogar ein paar tiefe Growls, was dem melodischen Liedgut, das mich ein wenig an Sacred Steel erinnerte, ab und an eine bedrohliche Note verlieh. So etwas hört man bei einem Newcomer nur noch selten. Denn sind wir mal ehrlich: die meisten jungen Musiker begnügen sich doch damit, ins Mikro zu grunzen oder kreischen, was ihnen ja kaum ein gesangliches Talent abverlangt. Schließlich zog der Jungspund auch noch sämtliche Blicke auf sich, indem er sich wild durch´s 30-minütige Set gestikulierte, somit seinen Spaß an der Sache demonstrierte und zu guter Letzt auch die Audienz ein wenig infizierte. Headbanger fand man zu so früher Stunde zwar noch keine, doch der zunehmende Applaus der wenigen Anwesenden ließ schon erahnen, dass ich nicht der Einzige war, der eben eine angenehme Überraschung erfahren hatte. 

Nach so viel Melodik war nun wieder ein ordentlicher Brutalo-Act an der Reihe, an dessen Spitze ein großer, hässlicher Kerl stand, der sich den entblößten Oberkörper mit Blut beschmiert hatte. Man durfte also gespannt sein, ob man nun mit Death oder Black Metal beschallt werden sollte - erstes traf schließlich zu. Lange dauerte es nicht, da offenbarten VERITAS MENIS ihre "wahre Gesinning", so der Bandname frei ins Deutsche übertragen. Die lag nämlich darin, den großen Szene-Vorreitern aus Übersee zu huldigen. Folglich hörten wir in den nächsten 30 Minuten ein Gewitter aus technischen und vertrackten Gitarren-Riffs mit durchaus melodischen Momenten und einigen sauber gespielten Gitarrensoli. Veritas Mentis machten ihre Sache im Grunde also ganz gut. Die Jungs legten sich auch ordentlich ins Zeug und so wundert es auch nicht, dass sämtliches Blut in Bälde durch körpereigene Transpiration vom Körper gewaschen wurde. Ja ja - der Haberer (wir sind hier schließlich in Österreich!) von Throne Of Death wusste schon, warum er sich nicht bewegte. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass es vergleichbare Bands eben wie Sand am Meer gibt. Kaum eine davon entwickelt einen eigenen Stil mit Widererkennungswert und alle geben sich damit zufrieden, die Kopie einer Kopie zu sein. Da spielt es im Grunde schon gar keine Rolle mehr, ob man fit an seinen Instrumenten ist...

 

Halb Neun hatte es mittlerweile geschlagen und weiter ging´s mit den Österreichern ICTUS MORTIS, die uns Hörern nun den "Todesstoß" versetzen wollten. Der Sechser spiele deutschen bzw. österreichischen.... ja, was eigentlich? Gothic Metal mit einigen schwarzen Anleihen? So könnte man es jedenfalls annähern umschreiben. Düster und rockig vielen die meisten Stücke aus, das Keyboard kam omnipräsent und dominant zum Einsatz und Sänger Werner grunzte, kreischte und konnte sogar ganz passabel Singen. So skurril die Truppe auf der Bühne auch aussah - das ganze erinnerte mich schon ein wenig an eine Freakshow - sie wußten die Anwesenden zu begeistern und entfesselten sogar so etwas wie einen kleinen Moshpit. Das motivierte wiederum die Musiker und so heizte Werner die neu gewonnen Fans in feinstem Ösi-Slang auch immer weiter an: "Wo simma denn? Des is ja ka Kinderjaus´n da" Sehr richtig! Seine Rechnung ging schließlich auf und Ictus Mortis entpuppten sich als Gewinner der ersten Halbzeit. Als Belohnung lüftete er noch das Geheimnis um die bandeigene Stilrichtung: "Wir spielen Schlachtmusik". Daher zog sich der Scherzkeks zum letzten Song ("Tanzt Ihr Schweine") die blutige Schlachterschürze an und erklärte, die Anwesenden haben sich nun auch wie die Schweine aufzuführen. So hat er sich zu guter Letzt dann doch noch ein Stück zu weit aus dem Fenster gelehnt, denn außer verstörten Blicken konnte er für diese Aufforderung nicht mehr ernten.

Es folgte eine kleine Halbzeitpause, ehe es um 21:30 Uhr weiter ging. Alle guten Dinge sind drei, drum kam nun der dritte Lateiner, ARS IRAE war sein Name und das soll fraglos bedeuten, dass diese Herrschaften die "Kunst des Wütens" sehr wohl beherrschen. Hätte das Event wie letztes Jahr in Rosenheim statt gefunden, hätte das Quartett als Lokalmatador sicherlich auf eine größere Anhängerschar blicken können. Doch so mussten sie erst einmal kräftig ins Horn stoßen, um die Anwesenden wieder zurück in die Halle zu locken. Bei etwas verworrenem Sound war leider manch eine Songstruktur untergegangen und der schnelle Black Metal wollte beim Publikum einfach keine Begeisterung entflammen. Vermutlich lag´s tatsächlich am Sound, dass sich die meisten Stücke einfach zu sehr ähnelten. Gelegentlicher Klargesang, der ein wenig mehr Abwechslung in die Angelegenheit gebracht hätte, blieb leider die seltene Ausnahme. Zum Glück sollte dieses eben eingetretene Stimmungstief nicht besonders lange anhalten.      

Denn nun war es an der Zeit für Nieten, Spikes und Patronengurte! DESASTER, der erste von zwei internationalen Acts an diesem Abend betraten reichlich dekoriert die Bühne und schon hatte sich alles, was zwei Beine besaß, vor derselben versammelt. Genau genommen begannen die Koblenzer ja schon Ende der 80er zu musizieren, allerdings sollte der große Durchbruch erst 1996 mit ihrem Debüt "A Touch of medieval darkness" folgen. Dem zum Trotz huldigen die vier Musiker dem Geist der mittleren 80er und agieren im Sinne von Sodom, Kreator und Destruction. Ihre Mischung aus Thrash, Speed und Black Metal um mittelalterliche Themen dürfte einzigartig sein und begeisterte das Volk an diesem Abend sichtlich. Fast alle, die sich nun im Saal eingefunden hatten kreisten brav ihre Matten und jubelten den Musikern zu. Ein erster Jungspund versuchte sich schließlich mit Stagediving, landete jedoch auf dem Boden. Es waren für solche Aktionen eben doch nicht genug potentielle Träger anwesend. Dennoch hatten die Musiker jede Menge Spaß an ihrer Arbeit und zum abschließenden Song "Metalized Blood" erklommen gar etliche Fans die Bühne und bekamen sogleich ein Mikro überreicht, um den Refrain gemeinsam mit den Musikern herauszurufen - so etwas gibt´s eben nur in Metal Szene!

 

 

Ziemlich genau um 24:00 Uhr waren schließlich MASTER auf der Bühne erschienen und ließen sich von den etwa 60 Männlein, die nun noch auf ihren Gig warteten, nicht entmutigen. Im Gegenteil: Front-Bärtling Paul Speckmann nahm´s mit viel Humor, schwatzte zwischen den Songs mit den wenigen verbliebenen Fans und erzählte einige Anekdoten aus seinen Jugendjahren. Schließlich betreibt er diese Kapelle schon seit 1985 und kann sich somit als echter Begründer einer Bewegung bezeichnen, die heute als Old School Death Metal bekannt ist. Jedoch schreitet dieser US-Bürger deutlich eingängiger - man könnte auch sagen minimalistischer - zu Werke, als beispielsweise die Technik-Freaks von Cannibal Corpse, die etwa zur selben Zeit das Licht der Welt erblickten. Wie auch immer, wenn er dort oben steht - mit Bass in der Hand, Kopf im Nacken und seine typischen Röchellaute ins Mikro röhrt, erinnert er irgendwie Motörhead... also quasi der Lemmy des Death Metal. Lediglich die garstigen Warzen fehlen ihm noch ;-) Unerschüttert spielte sich das Trio durch ihr eineinhalbstündiges Set, nur der Wunsch eines penetranten Fans, der ständig nach "The Ring Of Fire" schrie, wurde nicht erhört. Ihm erklärte Paule, dass er diesen Song erst nach zwei Flaschen Whiskey zum Besten geben könne. Es ist mir auch ein Rätsel, warum der Kerl ständig diesen County-Klassiker, bekannt durch die Interpretation von Johnny Cash, einforderte. Ich wüsste nicht, dass ihn Master irgendwann einmal gecovert hätten. Und so gab Paule der Nervensäge schließlich mit den Worten "You must be crazy, guy!" die Quittung und beendete das Hin und Her.  Lustig war´s also an diesem Abend, nur leider leider viel zu lehr im Saal.

 Doch woran lag´s, dass nur etwa 165 zahlende Gäste den Weg nach Kufstein gefunden hatten? Vielleicht daran, dass im Raum zwischen Salzburg und München, also quasi dem potentiellen Einzugsbereich für diesen Gig, bis Ende März fast jedes Wochenende ein Konzert geboten wird? Sind die Fans also schon übersättigt? Vielleicht waren auch die Zugpferde Desaster und Master nicht stark genug. Gerade Master sagen dem Nachwuchs, also jener Children Of Bodom-Generation vermutlich so rein gar nichts mehr. Es ist schade, aber den wahren Grund werden wir wohl nie erfahren... Bis zum nächsten Mal!

 

Dagger

Links: THRONE OF DEATH - SCORCHIN DEVOURERS - VERITAS MENTIS - ICTUS MORTIS - ARS IRAE - DESASTER - MASTER

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