Erlebnisbericht / Schlagstrom Festival - RAW-Tempel BERLIN - 17. / 18.08.07 |
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| Natürlich ist nicht alles Gold
was glänzt, Für das Jubiläum von Schlagstrom raffte ich mich eigens auf und reiste aus dem fernen Bayern in unsere geliebte Hauptstadt. Dank der musikalischen Extrema wurde es ein gemütliches kleines Festival mit nettem Publikum, interessanten "Sehenswürdigkeiten" und nicht zuletzt einigen hörenswerten Acts auf der Bühne. Die vorbereitete Lokation machte einen netten Eindruck. Ein Chill-Bereich im Freien lud zu Sitzen und Verweilen ein. Einige Verkaufsstände von Labels hatten sich angereiht und auch drinnen war der Vorraum mit Sitzmöglichkeiten versehen. Die Versorgung mit Alkoholika, verkohlten thüringer Schweinen im eigenen Darm und vegetratischer Gemüsepfanne war auch gesichert. Es machte sich jedoch schnell bemerkbar, dass die Luft in der Halle selbst nicht die Beste war. Schon vor dem ersten Act war es brütend warm, da der Raum offensichtlich keine Lüftung besitzt. Also wieder raus und in die Kissen im Chill-Bereich geschmissen. Von dort konnte man dann auch über den Abend hinweg das "Konzert" von YANN KELLER beobachten, der auf seinen selbst gebauten Instrumenten diversen Krach veranstaltete. Die angekoppelte Performance von HECATE fiel dabei eher grotesque aus. Am ersten Abend tillerten die Musiker so dahin, mal mehr mal weniger interessant, entweder überraschend gut oder schlecht. SANDBLASTING haben mir mit einem sehr hypnotischen, gefühlvollen Set gut gefallen, auch wenn scheinbar der Rest des Publikums nicht so begeistert schien. PROJECTO MIRAGE haben mir leider überhaupt nicht zugesagt, obwohl ich die Musik von den Platten eigentlich mag.... Dafür hat ADAM-X, quasi als Vorheadliner des Abends, eine ganz ordentliche Portion Trash abgelassen. Zu SONAR war die Halle dann auch klassisch überfüllt und die Luft, obwohl in allen Umbaupausen mit einer Windmaschine für "frischen Wind" gesorgt wurde, so unbrauchbar, dass selbst das Atmen schwerfiel. Trotzdem hat Dirk Ivens die Halle zum explodieren gebracht. Ungeachtet des Raumklimas, das einen tendenziell schon beim Stillstehen zum schwitzen brachte, tanzte der Saal. Die Aftershowparty des Tages habe ich dann großzügig ausgelassen, da die Anreise mich dann doch schon zu sehr gequält hatte, und mein Kopf vom Strobodauerfeuer recht zermartert war. Als Kulturprogramm am Samstag Nachmittag habe ich mir dafür die Flakturmbunkerruine am Humboldthain / Gesundbrunnen angesehen. Dort veranstaltet der Verein Berliner Unterwelten e.V. von April bis Oktober Führungen durch die Überreste des unter dem Park am Humboldthain begrabenen Monsterbauwerks aus dem 2. Weltkrieg. Den Rest des Jahres überwintern dort große Fledermäuse. Eben das angesprochene Strobodauerfeuer (zwei große Stroboskope, in einem kleinen Raum, direkt ins Publikum gerichtet) hat mich dann dazu verleitet am Samstag meine Sonnenbrille mitzunehmen und davon ausführlichen gebrauch zu machen. Keine Anhnung, ob denjenigen, die für die Ausleuchtung verantwortlich waren bewusst ist, wie massiv so etwas kommt. Quasi kein Licht auf der Bühne aber Dauerbeschuss mit Blitzen. Sehr quälend und noch dazu einfallslos. Musikalisch eröffnete an diesem Tag 1979 das Programm. 20 Sekunden davon gibts rechts im Video zu sehen. Ordentlicher Krach mit liebenswerten DDR-Sampels zum Schmunzeln. An den Wänden links und rechts neben und auf der Bühne waren natürlich auch Leinwände für passende Visuals angebracht. Allerdings hat mich die "Installation" des Festival-VJ etwas überrascht, der mit eine Videokamera den Screen seines Laptops abfilmte, welche das Bild auf die Beamer brachte. Keine Ahnung, ob das für einen besonderen Effekt sorgen sollte. Jedenfalls wirkte es reichlich unprofessionell. HECATE taugte mir, wie schon tags zuvor bei der Performance mit Yann Keller, überhaupt nicht. Es kommt einfach ziemlich doof, wenn eine Frau versucht in Blackmetal-Manier ins Mikro zu schreien und dabei nur "heiße Luft" kommt. Dafür gab es draußen etwas sehr außergewöhnliches zu bestaunen. Der NOISE TRUCK war angereist. Ein Soundinstallation aus alten Lautsprechern, teilweise in die Schalen alter Koffer installiert, unzähligen Kabel, Effekten und - besonders beeindruckend - alten "modifizierten" Plattenspielern, die an Stativen montiert waren und zusammengestückelte Platten übereinandergeschichtet auf verschiedenen Ebenen abnahmen. Der Sound schallte den ganzen Abend über den Vorplatz, so dass sogar die Berliner Kids, die die Parties in den umliegen Locations besuchten, staunend am Gitterzaun standen und mit den Fingern zeigten. Als quasi Höhepunkt gab es dann dazu auch ein kleines Konzert aus dem Soundkoffer, in dem verschiedene Synthies, Effekte und Kabel einen solches Durcheinander bildeten, dass man kaum glauben mochte, dass man dort noch einen Überblick haben kann. Respekt an die Künstler für solche eine gelungene Installation! Nicht nur als Hightlight des Tages, sondern auch des gesamten Festivals, stand für mich der Auftritt von EMPUSAE auf dem Programm. Der Belgische Musiker Sal-Ocin präsentierte Songs seiner Produktionen zusammen mit seinen beiden Live-Kollegen. Die hypnotische und schwelgende Musik der Veröffentlichung "error 404: metaphorical loss" hat es mir dabei besonders angetan. Schön, diesen tollen Sound einmal in Konzertatmosphäre erlebt zu haben. Monokrom und Brighter Death Now sind für mich keine Rede wert. Wenn ich Zahnschmerzen haben will, kaue ich auf Bonbons rum. Da gehen wenigstens die Ohren nicht gleich mit drauf. Der gute alte P.A.L kommt auf der Bühne immer noch genau so rüber, wie eh und je. Tut so, als würde ehr sein Drumpad spielen und lässt dabei seine Hits runterlaufen. OK, er wurde natürlich vom Publikum gefeiert, auch wenn "Gelöbnis" sicher keiner mehr hören kann und das Lied, in dem er versucht zu singen echt Ohrenkrebs verursacht. Aber insgesamt sind seine Sachen ja nicht schlecht. Nach kurzer Lüftungspause, gab es dann noch ein nettes Set vom DJ zur Aftershow. Wie üblich war nach solchen anstrengenden Tagen aber auch nicht mehr all zu viel auf dem Dancefloor los und viele beschlossen das Festival lieber bei guter Luft und einem gemütlich "Aftershowbier" im Freien vor der Halle. Links: Schlagstrom Heimseite - Schlagstrom @ MySpace
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