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So manch einem Freund düsterer Tonkunst dürfte diese Tournee
mit wirklich namhaften Interpreten der Gothic/Elektro-Gemeinde den Jahreswechsel
versüßt haben. Als einziger bayerischer Hafen einer Kreuzfahrt
quer durch Europa sollte das Ohrakel in Ingolstadt auserwählt werden.
Hierbei sei erwähnt, dass es sich beim Ohrakel offensichtlich um
eine umgebaute Lagerhalle in unmittelbarer Nähe zum Ingolstädter
Hauptbahnhof handelt. Für Konzerte dieser Art scheint die Lokation
zweifelsohne ideal zu sein. So wundert es auch nicht, dass etwa 350 Zunftgenossen
den Weg dorthin fanden und für einen ordentlich gefüllten Saal
sorgten.
SIRENIA
Bandkopf und Initiator dieser Truppe ist Morten Veland der schon unter
Tristania die Songs für deren ersten beiden CDs komponierte und seine
Growls beisteuerte. Nach dem Ausscheiden bei seinen Landsleuten nahm er
sein kompositorisches Talent mit und feilte fortan nach bewährter
Rezeptur unter eigener Flagge an seinen düster-melancholischen Stücken.
Er selbst blieb weiterhin hinter dem Micro tätig und holte sich als
Unterstützung und weiblichen Gegenpol zu seinen derben Gesangslinien
die schöne Henriette Bordvik, die live auf ganzer Linie zu überzeugen
wusste. Wenn nicht gerade ihre zarte, aber dennoch kraftvolle Stimme aus
den Lautsprechern klang, unterhielt sie die Fans mit exotischen Tanzeinlagen.
Aber was war mit Morten? Dessen Lippen bewegten sich zwar, hören
konnte man ihn aber nicht. Die Keyboards und die bandtypischen Chöre
sollten vom Band kommen, taten es aber nicht. Etwa bis zur Halbzeit des
30-minütigen Sets konnten die technischen Probleme nicht behoben
werden. Da fragt man sich schon, wozu es eigentlich einen Soundcheck gibt
...Morten nahm´s mit Humor: "Now you finally can hear me -
it took so f***ing long". Die Reaktionen im Publikum hielten sich
in Grenzen, obwohl die Norweger nur ihre wahren Hits zum besten gaben.
Vielleicht wollte sich so manch einer seine Energie einteilen in Anbetracht
dessen, was noch folgen sollte. Hier die Setlist:
Lithium and a lover
Voices within
Sister Nightfall
Meridian
Star-Crossed
PAIN
Peter Tätgren zählt zu den lebenden Legenden der skandinavischen
Musikwelt: Erfolgsproduzent mit eigener Niederlassung, dem Abyss-Studio,
Kopf von Hypocrisy und Musiker in etlichen weiteren Bands, wie The Abyss
(RIP), Lock Up, Bloodbath... Als ob er sich seiner Rolle als schwedischer
"Don Pedro" wohl bewusst wäre, präsentierte er sich
auf der Bühne hinter zentral positioniertem Mikrophon, zur Linken
und zur Rechten je eine schöne Dame, die Rhythmusgitarre bzw. Bass
bedienten und die Background-Vocals beisteuerten. Alle Soundprobleme gehörten
der Vergangenheit an, ebenso wie die Zurückhaltung der anwesenden
Fans. Vor allem während der populären Stücke vom Rebirth-Album
schien der ganze Saal zu einer rhythmisch wabbernden Einheit zu verschmelzen,
hypnotisch gesteuert von den extremen, sich überschlagenden Gesangseinlagen
dieses kleinen Mannes da oben, hinter dem Micro. Kaum eine Spur jener
elektrisierenden Atmosphäre, wie man sie von den Releases kennt,
war an diesem Abend zu verspüren - es herrschten ein alles an die
Wand drückender Hypocrisy-Sound, Double-Base statt Beats und schwere
Gitarren statt steriler Elektrostimmung. Zu
hören gab´s folgende Stücke:
Supersonic bitch
End of the line
On and on
Shut your mouth
Running out of time
Just hate me
Greed
Breathing in, breathing out
Lier
THEATRE OF TRAGEDY
Mit ihrem Debutalbum und dem folgenden "Velvet Darkness They Fear"
traten Theater Of Tragedy eine Lawine los, die bis heute kaum an Schubkraft
einbüßen musste. Immer noch sprießen zahllose Newcomer
aus den eigentlich längst schon überbewirtschafteten und ausgelaugten
Böden der Gothic-Metal-Äcker und bewegen sich ganz in der Tradition
von Theatre Of Tragedy. In einem Atemzug mit der Norwegischen Band nannte
man stets einen Namen: Liv Kristine. Sie war es, die den Songs mit ihrem
zarten Stimmchen im Kontrast zu den finsteren männlichen Growls die
damals einzigartige Note verlieh. Als die Frontfrau im August 2003 ausschied,
schien es unsicher, ob ein Weiterbestehen der Band sinnvoll sei. Lange
suchte man nach einem gleichwertigen Ersatz und glaubte schließlich,
ihn gefunden zu haben. Nell heißt die neue Sängerin, die sich
in die großen Fußstapfen ihrer Vorgängerin begab und
auf dieser Tournee ihr Können unter Beweis stellte. Tatsächlich
bewegt sich ihre stimmliche Leistung sehr nahe am "Original",
aber letztlich ist es wohl nicht möglich, Kristine´s Stimme
zu kopieren. Wie schon Henriette von Sirenia, wusste auch Nell dank zahlreicher
Verrenkungen, die Blicke vor allem der männlichen Zuschauer auf sich
zu ziehen. Dass sich die Norweger während ihrer langen Karriere stets
weiterentwickelten, zeichnete sich während des Auftritts im Ohrakel
nur zu gut ab. Neben
den morbiden Frühwerken gab es die Highlights aus allen Schaffensperioden
zu hören:
Machine
Lorelei
When he falleth
A rose for the dead
A hamlet for the slothful vasall
Fate
Cassandra
Starlit
The masquerader and the phoenix
Da glich es doch glatt einem Wunder, dass nicht als Zugabe noch DER Bandklassiker
"Tanz der Schatten" geboten wurden. War vielleicht besser so,
langsam kann man das Stück wirklich nicht mehr hören...
TIAMAT
Vor 14 Jahren erhoben sich Tiamat aus der schwedischen Death-Metal-Szene,
konnten sich mit ihren beiden ersten Alben "Sumerian Cry" und
"Astral Sleep" jedoch nicht wirklich von den zahllosen Landsleuten
ähnlicher Gesinnung abheben. Auf "Clouds" schien sich der
düstere Schleier allmählich zu lösen, neue Pfade wurden
eingeschlagen, neue Elemente ins musikalische Repertoire aufgenommen.
Für viele folgte mit "Wildhoney" der endgültige Stilbruch
- eine Phase der Band, die wohl am deutlichsten Rückschlüsse
auf einen annehmbaren Drogenkonsum der Bandmitglieder, insbesondere Frontmann
Johan Edlunds, zulässt. In der Folgezeit durchliefen Tiamat einen
Entwicklungszyklus, wie kaum eine andere Band. Viel wurde den Fans zugemutet
und eine Klassifizierung scheint bis heute nicht möglich. Die Schweden
klingen mal rockig, mal poppig, mal psychedelisch, mal feierlich. Vergleiche
mit Depeche Mode und Nick Cave wurden ebenso angestellt, wie mit Type
O Negative und Paradise Lost. Bei all dieser Verwirrung verdeutlichte
sich eines in Ingolstadt: die Fans lieben Tiamat... egal hinter welchem
Gesicht sie sich gerade verbergen. Die neueren, gothic-lastigen Songs
wurden ebenso angenommen, wie das ältere Material, das allerdings
nicht weiter zurückreichte, als zu "Clouds"-Zeiten. Johan
Edlund, der sich so präsent auf der Bühne bewegte, wie keine
andere Person an diesem Abend, demonstrierte sein gesangliches Können
als Goldkehlchen, das immer noch verdammt viel Dreck in seine Stimme legen
kann, wenn nötig. Bei so viel Enthusiasmus im Raum ließ es
sich auch ein "Don Pedro" nicht nehmen, mal eben für einen
seiner berühmt-berüchtigten, infernalen Schreie auf der Bühne
zu erscheinen, um die Landleute von Tiamat zu unterstützen. Was für
ein grandioser Abschluss eines grandiosen Abends am Ende des Jahres 2004!
Für
alle Interessierten gibt´s hier noch die Setlist von Tiamat (allerdings
nicht in korrekter Reihenfolge):
Cold seed
Brighter than the sun
The sleeping beauty
In a dream
Whatever that hurts
Cain
Can you feel the door
Clovenhoof
Children of the underworld
Vote for love
Dagger
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SIRENIA
SIRENIA
PAIN
PAIN

THEATRE OF TRAGEDY

TIAMAT

TIAMAT
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