|
Nachdem bei subkultur.de zuletzt von den Norwegern Gorgoroth und
1349 berichtet wurde, sollen nun Schwedens Vorzeigekapellen in Sachen
Black Metal DARK FUNERAL und NAGLFAR ein wenig genauer unter die Lupe genommen werden. Auf einer
Tour quer durch Europa, auf der beide Bands ihre aktuellen Alben
vorstellten, fÙhrte sie ihr Weg auch nach Salzburg...
Das Salzburger Rockhouse ist eine der wichtigsten Lokations in der
Stadt, wenn es sich um Konzerte der h¹rteren Gangart dreht. Und da es im
Lande Salzburg und im angrenzenden SÙdzipfel Oberbayerns auch nicht viele
vergleichbare Veranstaltungsorte zu finden gibt, ist das Rockhouse zumeist
auch ordentlich besucht. Vermutlich lagÇs an dem grausigen
Wetterverh¹ltnissen - Schneeregen mit Ùberfrierender N¹sse -, dass an
diesem Mittwoch trotz der hochkar¹tigen Besetzung verh¹ltnism¹¤ig
wenige Besucher den Weg ins dorthin gefunden hatten.
Die erste Band AMORAL, die um Punkt 20:00 Uhr die BÙhne betrat,
hatte es an diesem Abend und vermutlich auch w¹hrend der gesamten Tour
nicht gerade leicht. Neben der undankbaren Berufung als Opener stellten
sie n¹mlich die einzige Death Metal Band im Line-Up dar. Infolge dessen
hielt sich der Zuspruch seitens der Audienz auch in Grenzen. Mehr als der
Ùbliche Anstandsapplaus nach den StÙcken war da nicht zu holen und
Headbanger gab es weit und breit keine. Im Grunde schade, denn die Finnen spielten intelligenten und facettenreichen Death Metal, bei dem sich
melodische Parts mit filigranen Gitarrensoli und ultrabrutales
Highspeed-GeknÙppel die Waage hielten. Auch verfÙgten s¹mtliche Musiker
Ùber einen gro¤en Bewegungsradius, wechselten st¹ndig ihre Positionen
und demonstrierten Synchron-Bangen par excellence. Aber das half alles
nicht, im Publikum herrschte statische Ruhe. Und so schlichen sich die
fÙnf Herren nach 30 Minuten von der BÙhne. Zugaben wollte natÙrlich
auch niemand hùren.
Nach ausgesprochen kurzer Umbaupause - ich hatte gerade mal Gelegenheit
bekommen, mir ein neues Bierchen zu organisieren - wendete sich das Blatt
schlagartig, denn nun standen ENDSTILLE auf dem Programm. Nach
ihren letzten Verùffentlichungen haben die Kieler reichlich Staub
aufgewirbelt, wurden sogar schon als derzeit beste deutsche Black Metal
Band gerÙhmt und hatten in Folge dessen auch eine ansehnliche Fangemeinde
im Gep¹ck, die sich alle mit den frisch erworbenen Merchandise-Artikeln
zu erkennen gaben. Endstille stehen fÙr primitiven Black Metal, der sich
optisch und musikalisch an das anbiedert, womit sich Pioniere wie Darkthrone
und Mayhem in den frÙhen 90ern und etwas sp¹ter Gorgoroth oder
Carpathian Forrest ihre Lorbeeren verdient hatten. Ich gehe daher davon
aus, dass der verwaschen klingende, primitive Sound volle Absicht war.
Schon aufgrund der Tatsache, dass Endstille rein gar nichts Neues auf die
Beine stellen und darÙber hinaus auch weis der Teufel keine
kompositorischen Glanzleistungen vollbringen, betrachte ich diese Kapelle
als hoffnungslos Ùberbewertet. Doch nicht gerade wenige anwesende Fans
waren da vùllig anderer Meinung, kreisten ihre Matten und grùlten, was
das Zeug h¹lt. Ich wei¤ wirklich nicht, was sie an dieser Truppe finden.
Aber vermutlich rekrutieren Endstille ihre Fans aus der Generation, die
nicht weis, dass derartige Musik schon vor 15 Jahren in besserer Weise an
den Mann gebracht wurde. Nach dem lauthals gefeierten Titel "Navigator"
vom gleichnamigen letzten Album, erstickte Gitarrist L. Wachtfels mit einem
Hechtsprung ins Publikum die nicht enden wollenden Schreie nach einer
Zugabe.
Eine Welt w¹re fÙr mich zusammen gebrochen, h¹tten die Schweden NAGLFAR
diesen Auftritt nicht mit Leichtigkeit zu toppen gewusst. Denn diese Herren
bewegen sich in einer ganz anderen Liga und z¹hlen zu den wichtigsten
Vertretern der schwedischen Schwarzwurzelzunft. Nach einem theatralischen
Intro setzte mit den ersten Takten von "A swarm of plagues", dem
Opener des aktuellen Albums "Pariah", auch gleich ein
fl¹chendeckender Moshpit ein, der verdeutlichte, dass das Gro¤ der
Anwesenden eben doch den qualitativen Quantensprung erkannte, dessen Zeuge
man nun werden konnte. Ganz ohne Facepainting, Killernieten und anderem
Kram wissen Naglfar auf ganzer Linie zu Ùberzeugen. Trotz ekelhafter
Hitze spielte der ehemalige Bassist Christopher Olivius seine neue
Frontmann-Rolle im langen Ledermantel. Und ich dachte schon, der zieht das
durch. Doch als nach der vierten Nummer die kleinen Rinnsale, die ihm
anfangs von der Glatze geronnen waren, allm¹hlich zu rei¤enden Strùmen
anschwollen, entledigte er sich doch noch des coolen, aber hinderlichen
KleidungsstÙcks. Das Hauptaugenmerk der Musiker lag an diesem Abend auf
den Nummern der letzten beiden Alben "Pariah" und "Sheol".
Die FrÙhwerke "Vittra" und "Diabolical" waren mit
jeweils nur einem StÙck vertreten ("Through the midnight spheres"
& "Horncrowned majesty"). Auf diese Weise musste man zwar
auf den einen oder anderen Bandklassiker verzichten, die gute Stimmung im
Publikum riss dennoch nicht ab. Leider taten es Naglfar ihrem Vorg¹ngern
gleich und lie¤en sich trotz lauter Forderungen nicht zu einer Zugabe
hinrei¤en.
Nach wiederum recht kurzer Umbaupause wurde die BÙhne in hùllisches
Rot getaucht. Gro¤e Plakate mit dem Cover des aktuellen Albums, das eine
hassverzerrte Teufelsfratze ziert, Fahnen mit umgedrehten Kreuzen sowie
LeviÇs Darstellung des Baphomet-Gùtzen dienten als Kulisse - ein
gespenstisches InstrumentalstÙck kroch aus den Boxen. Die Schweden DARK
FUNERAL z¹hlen zu den schnellsten, brutalsten, aber musikalisch auch
versiertesten Akteuren des internationalen Schwarzmetalls und haben mit
ihren Alben in den letzten Jahren wiederholt Ma¤st¹be setzen
kùnnen.
Einziges Mako an dieser Truppe sind ihre nicht ganz ernst zu nehmenden,
Ùbertrieben satanistischen Texte. Und da w¹re auch noch ihr Faible fÙr
lateinische Titel, wogegen ja im Grunde nichts zu sagen w¹re..."Zerstùrt alles Heilige!" soll der ihrer
letzten Verùffentlichung vermutlich hei¤en - tut er aber nicht. Denn auf
den Imperativ folgt in diesem Falle der Akkusativ - der Akkusativ!!!
Richtig muss es also hei¤en "Attera totum sanctum" und nicht
"Attera totus sanctus"! Ich schlage daher vor, wir verdonnern
die Herrschaften dazu, die korrekte Formulierung in 2 Meter gro¤en
Buchstaben an die Schaufassade des Salzburger Doms zu schreiben ;)
Genug kluggesch***en. Das Intro neigt sich allm¹hlich dem Ende. Aus
den Nebelschwaden treten die Musiker hervor, mit aufw¹ndigem Facepainting
verziert und in ma¤geschneiderte, martialische Lederpanzer gewandet - im
Falle des aufgedunsenen Bandleaders Lord Ahriman wohl mit aller Gewalt
hineingepresst ;)
Getrieben von dem Feuer der Furien lie¤en die fÙnf Musiker fÙr die
n¹chsten 75 Minuten die Hùlle im Tonnengewùlbe des Salzburger Rockhouse
los. Die Stimmung erreichte ihren bisherigen Hùhepunkt und immer wieder
entbrannte ein ordentlicher Pogo vor der BÙhne, dem lediglich die
l¹hmende Hitze Einhalt gebieten konnte.
Und jetzt kommtÇs: da richtet
S¹nger Emperor Magus Caligula in Anbetracht des ausgelassenen Treibens doch glatt folgende Bitte an die Raufbolde: "...if somebody falls,
please help him up... we donÇt want serial injuries in here." Wie
bitte? Und solche Ansprachen h¹lt eine Band, die Titel wie "Hail
murder" im Gep¹ck hat??? Die Jungs sind also doch nicht so bùse,
wie sie sich darstellen. Und als die Fans zwischen den StÙcken ihre
"Dark Funeral!!!"-Chor¹le ertùnen lie¤en, grinsten die
Finsterlinge auf der BÙhne gar von einem Ohr bis zum anderen und freuten
sich wie die Schneekùnige.
Trotz dessen verlangten sie ihren Anh¹ngern w¹hrend des Gigs alles ab.
Obwohl die meisten gebotenen Songs vom aktuellen Album stammten, gaben die
Musiker auch einen guten Querschnitt vergangener Highlights zum Besten.
Und endlich durften wir uns auch dreier Zugaben erfreuen, ehe sich der
straff durchorganisierte Abend zumindest in Sachen Live-Darbietung um 23:30
Uhr seinem Ende n¹herte.
Setlist Dark Funeral:
King Antichrist
666 Voices Inside
Ravenna Strigoi Mortii
The Arrival Of SatanÇs Empire
Open The Gates
Vobiscum Sathanas
Attera Totus Sanctus
Bloodfrozen
Hail murder
Godhate
Zugabe:
Atrum Regina
An Apprentice Of Satan
My Dark Desires
Dagger
Links: www.amoralweb.com
- www.endstille.com
- www.naglfar.net
- www.darkfuneral.se
- www.metallic-arts.com
- www.rockhouse.at
©
2006 - subkultur.de -
nach hause - erlebnisberichte - DARK FUNERAL.
NAGLFAR & SUPPORT
|
DARK FUNERAL
NAGLFAR
ENDSTILLE
AMORAL
08.03.2006
Rockhouse Salzburg

Amoral

Endstille

Naglfar

Magus Caligula / Dark Funeral

Chaque Mol / Dark Funeral

Magus Caligula / Dark Funeral
|