Erlebnisbericht/ DARK FUNERAL, NAGLFAR & SUPPORT, Rockhouse Salzburg, am 08.03.2006

Nachdem bei subkultur.de zuletzt von den Norwegern Gorgoroth und 1349 berichtet wurde, sollen nun Schwedens Vorzeigekapellen in Sachen Black Metal DARK FUNERAL und NAGLFAR ein wenig genauer unter die Lupe genommen werden. Auf einer Tour quer durch Europa, auf der beide Bands ihre aktuellen Alben vorstellten, fÙhrte sie ihr Weg auch nach Salzburg... 

Das Salzburger Rockhouse ist eine der wichtigsten Lokations in der Stadt, wenn es sich um Konzerte der h¹rteren Gangart dreht. Und da es im Lande Salzburg und im angrenzenden SÙdzipfel Oberbayerns auch nicht viele vergleichbare Veranstaltungsorte zu finden gibt, ist das Rockhouse zumeist auch ordentlich besucht. Vermutlich lagÇs an dem grausigen Wetterverh¹ltnissen - Schneeregen mit Ùberfrierender N¹sse -, dass an diesem Mittwoch trotz der hochkar¹tigen Besetzung verh¹ltnism¹¤ig wenige Besucher den Weg ins dorthin gefunden hatten.

Die erste Band AMORAL, die um Punkt 20:00 Uhr die BÙhne betrat, hatte es an diesem Abend und vermutlich auch w¹hrend der gesamten Tour nicht gerade leicht. Neben der undankbaren Berufung als Opener stellten sie n¹mlich die einzige Death Metal Band im Line-Up dar. Infolge dessen hielt sich der Zuspruch seitens der Audienz auch in Grenzen. Mehr als der Ùbliche Anstandsapplaus nach den StÙcken war da nicht zu holen und Headbanger gab es weit und breit keine. Im Grunde schade, denn die Finnen spielten  intelligenten und facettenreichen Death Metal, bei dem sich melodische Parts mit filigranen Gitarrensoli und ultrabrutales Highspeed-GeknÙppel die Waage hielten. Auch verfÙgten s¹mtliche Musiker Ùber einen gro¤en Bewegungsradius, wechselten st¹ndig ihre Positionen und demonstrierten Synchron-Bangen par excellence. Aber das half alles nicht, im Publikum herrschte statische Ruhe. Und so schlichen sich die fÙnf Herren nach 30 Minuten von der BÙhne. Zugaben wollte natÙrlich auch niemand hùren.

Nach ausgesprochen kurzer Umbaupause - ich hatte gerade mal Gelegenheit bekommen, mir ein neues Bierchen zu organisieren - wendete sich das Blatt schlagartig, denn nun standen ENDSTILLE auf dem Programm. Nach ihren letzten Verùffentlichungen haben die Kieler reichlich Staub aufgewirbelt, wurden sogar schon als derzeit beste deutsche Black Metal Band gerÙhmt und hatten in Folge dessen auch eine ansehnliche Fangemeinde im Gep¹ck, die sich alle mit den frisch erworbenen Merchandise-Artikeln zu erkennen gaben. Endstille stehen fÙr primitiven Black Metal, der sich optisch und musikalisch an das anbiedert, womit sich Pioniere wie Darkthrone und Mayhem in den frÙhen 90ern und etwas sp¹ter Gorgoroth oder Carpathian Forrest ihre Lorbeeren verdient hatten. Ich gehe daher davon aus, dass der verwaschen klingende, primitive Sound volle Absicht war. Schon aufgrund der Tatsache, dass Endstille rein gar nichts Neues auf die Beine stellen und darÙber hinaus auch weis der Teufel keine kompositorischen Glanzleistungen vollbringen, betrachte ich diese Kapelle als hoffnungslos Ùberbewertet. Doch nicht gerade wenige anwesende Fans waren da vùllig anderer Meinung, kreisten ihre Matten und grùlten, was das Zeug h¹lt. Ich wei¤ wirklich nicht, was sie an dieser Truppe finden. Aber vermutlich rekrutieren Endstille ihre Fans aus der Generation, die nicht weis, dass derartige Musik schon vor 15 Jahren in besserer Weise an den Mann gebracht wurde. Nach dem lauthals gefeierten Titel "Navigator" vom gleichnamigen letzten Album, erstickte Gitarrist L. Wachtfels mit einem Hechtsprung ins Publikum die nicht enden wollenden Schreie nach einer Zugabe.

Eine Welt w¹re fÙr mich zusammen gebrochen, h¹tten die Schweden NAGLFAR diesen Auftritt nicht mit Leichtigkeit zu toppen gewusst. Denn diese Herren bewegen sich in einer ganz anderen Liga und z¹hlen zu den wichtigsten Vertretern der schwedischen Schwarzwurzelzunft. Nach einem theatralischen Intro setzte mit den ersten Takten von "A swarm of plagues", dem Opener des aktuellen Albums "Pariah", auch gleich ein fl¹chendeckender Moshpit ein, der verdeutlichte, dass das Gro¤ der Anwesenden eben doch den qualitativen Quantensprung erkannte, dessen Zeuge man nun werden konnte. Ganz ohne Facepainting, Killernieten und anderem Kram wissen Naglfar auf ganzer Linie zu Ùberzeugen. Trotz ekelhafter Hitze spielte der ehemalige Bassist Christopher Olivius seine neue Frontmann-Rolle im langen Ledermantel. Und ich dachte schon, der zieht das durch. Doch als nach der vierten Nummer die kleinen Rinnsale, die ihm anfangs von der Glatze geronnen waren, allm¹hlich zu rei¤enden Strùmen anschwollen, entledigte er sich doch noch des coolen, aber hinderlichen KleidungsstÙcks. Das Hauptaugenmerk der Musiker lag an diesem Abend auf den Nummern der letzten beiden Alben "Pariah" und "Sheol". Die FrÙhwerke "Vittra" und "Diabolical" waren mit jeweils nur einem StÙck vertreten ("Through the midnight spheres" & "Horncrowned majesty"). Auf diese Weise musste man zwar auf den einen oder anderen Bandklassiker verzichten, die gute Stimmung im Publikum riss dennoch nicht ab. Leider taten es Naglfar ihrem Vorg¹ngern gleich und lie¤en sich trotz lauter Forderungen nicht zu einer Zugabe hinrei¤en.

Nach wiederum recht kurzer Umbaupause wurde die BÙhne in hùllisches Rot getaucht. Gro¤e Plakate mit dem Cover des aktuellen Albums, das eine hassverzerrte Teufelsfratze ziert, Fahnen mit umgedrehten Kreuzen sowie LeviÇs Darstellung des Baphomet-Gùtzen dienten als Kulisse - ein gespenstisches InstrumentalstÙck kroch aus den Boxen. Die Schweden DARK FUNERAL z¹hlen zu den schnellsten, brutalsten, aber musikalisch auch versiertesten Akteuren des internationalen Schwarzmetalls und haben mit ihren Alben in den letzten Jahren wiederholt Ma¤st¹be setzen kùnnen. 
Einziges Mako an dieser Truppe sind ihre nicht ganz ernst zu nehmenden, Ùbertrieben satanistischen Texte. Und da w¹re auch noch ihr Faible fÙr lateinische Titel, wogegen ja im Grunde nichts zu sagen w¹re..."Zerstùrt alles Heilige!" soll der ihrer letzten Verùffentlichung vermutlich hei¤en - tut er aber nicht. Denn auf den Imperativ folgt in diesem Falle der Akkusativ - der Akkusativ!!! Richtig muss es also hei¤en "Attera totum sanctum" und nicht "Attera totus sanctus"! Ich schlage daher vor, wir verdonnern die Herrschaften dazu, die korrekte Formulierung in 2 Meter gro¤en Buchstaben an die Schaufassade des Salzburger Doms zu schreiben ;) 
Genug kluggesch***en. Das Intro neigt sich allm¹hlich dem Ende. Aus den Nebelschwaden treten die Musiker hervor, mit aufw¹ndigem Facepainting verziert und in ma¤geschneiderte, martialische Lederpanzer gewandet - im Falle des aufgedunsenen Bandleaders Lord Ahriman wohl mit aller Gewalt hineingepresst ;) Getrieben von dem Feuer der Furien lie¤en die fÙnf Musiker fÙr die n¹chsten 75 Minuten die Hùlle im Tonnengewùlbe des Salzburger Rockhouse los. Die Stimmung erreichte ihren bisherigen Hùhepunkt und immer wieder entbrannte ein ordentlicher Pogo vor der BÙhne, dem lediglich die l¹hmende Hitze Einhalt gebieten konnte. 
Und jetzt kommtÇs: da richtet S¹nger Emperor Magus Caligula in Anbetracht des ausgelassenen Treibens doch glatt folgende Bitte an die Raufbolde: "...if somebody falls, please help him up... we donÇt want serial injuries in here." Wie bitte? Und solche Ansprachen h¹lt eine Band, die Titel wie "Hail murder" im Gep¹ck hat??? Die Jungs sind also doch nicht so bùse, wie sie sich darstellen. Und als die Fans zwischen den StÙcken ihre "Dark Funeral!!!"-Chor¹le ertùnen lie¤en, grinsten die Finsterlinge auf der BÙhne gar von einem Ohr bis zum anderen und freuten sich wie die Schneekùnige.
Trotz dessen verlangten sie ihren Anh¹ngern w¹hrend des Gigs alles ab. Obwohl die meisten gebotenen Songs vom aktuellen Album stammten, gaben die Musiker auch einen guten Querschnitt vergangener Highlights zum Besten. Und endlich durften wir uns auch dreier Zugaben erfreuen, ehe sich der straff durchorganisierte Abend zumindest in Sachen Live-Darbietung um 23:30 Uhr seinem Ende n¹herte.       

Setlist Dark Funeral:
King Antichrist
666 Voices Inside
Ravenna Strigoi Mortii
The Arrival Of SatanÇs Empire
Open The Gates
Vobiscum Sathanas
Attera Totus Sanctus
Bloodfrozen
Hail murder
Godhate

Zugabe:
Atrum Regina
An Apprentice Of Satan
My Dark Desires

Dagger

Links: www.amoralweb.com - www.endstille.com - www.naglfar.net - www.darkfuneral.se - www.metallic-arts.com - www.rockhouse.at 

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