ERLEBNISBERICHT: Herbstnächte auf Burg Rabenstein

 
27.09.- 29.09.2002
 
Was Location und Wetter angeht, haben die diesjährigen Herbstnächte die renommierten Festivals dieses Landes -wie das M’era Luna und das Zillo- um Längen geschlagen. Am gesamten Wochenende fiel kein einziger Regentropfen. Nur in den späteren Abendstunden, als die Temperatur spürbar abkühlte, kam der Spruch “Wer schön sein will muss leiden!” zum Tragen. Insbesondere die ein oder andere etwas zu leicht bekleidete Festivalbesucherin wird wohl die Woche nach den Herbstnächten im Bett verbringen. Das man in diesem Jahr nicht mit den ganz grossen Namen locken konnte, war nur ein kleiner Wermutstropfen. Das Ambiente der Burg Rabenstein ist für das Treffen von “dunklen Gesellen”, um düsteren Klängen zu lauschen und sich mit Gleichgesinnten zu treffen nahezu perfekt. Diesmal wurde auch der angekündigte
Mittelaltermarkt sehr gut umgesetzt. Hier konnten die Besucher Speisen, Getränke, Silberschmuck und Gewänder erwerben, sich über alte Handwerkstechniken informieren und sich des Nachts an einem Lagerfeuer erwärmen oder an diversen Darbietung wie die eines Feuerspuckers erfreuen.

Für die musikalische Eröffnung auf der kleinen Bühne waren am Freitag Abend Mazeland zuständig. Der Höhepunkt ihrer Show, bei der Dark Wave mit klanglichen Elementen der 80er Jahre verschmolzen wurden, sollte die Coverversion des Ramones- Klassikers “Pet Sematary” sein. Hierzu wurde der Psyche- Forntmann zum Duett auf die Bühne gebeten. Leider wollten die beiden Stimmen so gar nicht zusammen passen, wodurch man qualitativ doch recht weit hinter dem Original zurückblieb.Im Anschluss stellten Scarecrow aus Leipzig ihr Debütalbum “Outcry” auf der grossen Bühne vor. Starke Einflüsse von Das Ich und VNV Nation waren unüberhörbar. Harte spannungsgeladene Beats und die Vertonung des Erlkönigs machten die Musik den Gehörgängen der Anwesenden vertraut und schmackhaft.

Im weiteren Verlauf spielten im Wechsel Adorned Brood, The Invincible Spirit, die neben ihren Klassikern “Push” und “Devil Dance” auch neues Material zum Besten gaben, die melodischen In My Rosary, die schwer einzuordnenden Stendal Blast, The Fair Sex und The Breath Of Life, mit einer zarten Frontfrau auf der kleinen und der grossen Bühne in den Burginnenhöfen. Den Abschluss bildeten Psyche, die noch einmal für sehr gute Stimmung sorgen konnten. Bei “Sex Dwarf” – ursprünglich von Soft Cell – kamen Mitglieder von The Fair Sex und The Invincible Spirit auf die Bühne und sorgten für Partystimmung. Wer danach noch nicht genug hatte, konnte noch in der Dicso-Scheune abtanzen.

Der Samstag begann verheissungvoll, wurde man doch von einer strahlenden Sonne geweckt. Obwohl die ersten Bands erst am späten Nachmittag auftraten, durfte wohl bei kaum einem Besucher. Langeweile aufgekommen sein. Die Wälder rund um die Burg luden z.B. zu einem ausgedehnten Spaziergang ein, auf welchem man mit etwas Glück noch ein paar Pilze finden konnte oder auch den ein oder anderen Waldbewohner zu Gesicht oder Gehör bekam. Der Mittelaltermarkt öffnete bereits am Vormittag und am Nachmittag hatte man die Möglichkeit, Lesungen von Boris Koch und Christian v. Alster beizuwohnen, bevor dann die ersten Bands Vinky, Reptyle, God´s Bow, On The Floor und Chants Of Maldrorder die Bühne betraten. Vielen Besuchern werden diese Gruppen aber wohl nicht besonders im Gedächtnis geblieben sein, zu wenig Überraschendes wurde geboten. Das konnte sich bei Zeraphine ändern, schliesslich gingen sie aus den genialen Dreadful Shadows hervor, die vor zwei Jahren ihren Abschied auf der Burg Rabenstein “feierten”. Vielen werden diesen aber weiterhin nachtrauern. Zeraphine sind eben nicht Dreadful Shadows. Die Musik ist weniger energiegeladen und kraftvoll.
Des weiteren spielten The House Of Usher – alte Bekannte auf der Burg Rabenstein –, Thanateros und Funhouse, die den kleineren Burginnenhof in eine Partyzone verwandeln konnten. Mit Coverversionen – u.a. von Depeche Mode - und eigenen Stücken konnten sie das Publikum auf ihre Seite ziehen. Hätte man sich nicht an einen Zeitplan halten müssen, wäre hier wohl noch deutlich länger Stimmung verbreitet worden.

Im letzten Jahr noch angekündigt, dann aber aufgrund der Vorkommnisse am 11. September absagend, freuten sich viele auf Diva Destruction. Nach einigen Songs sprang auch langsam der Funke auf die Fans des Gothic ´n´ Punk über und so wurde kräftig gepogt, was doch dem ein oder anderen nicht so zusagte. Letztendlich wurden diese Pogoaktivitäten auch überstanden und somit konnte man Diva Destruction auch Tribut zollen.Die Ansetzung von Paul Roland zu später Stunde muss man wohl nicht als besonders glücklich einschätzen. Zumindest einigen war die extrem ruhige Musik – umgesetzt mit Akustikgitarre und Violine – etwas zu ruhig und somit verzichtete nicht nur ich auf die letzte Band des Abends Mephisto Waltz.

Am Sonntag sorgten dann Diskussionsrunden, Vorträge, ein Bandwettbewerb und das relativ gute Wetter für Kurzweil, bevor dieser dann sehr im Zeichen der metallischen bzw. klassisch wavig-rockigen Klänge stand. Besondere Überraschungen konnten Cold, Sepulcrum Mentis The Cascades, Dronning Maud Land, The Last Dance und Two Witches nicht bieten. Aber insbesondere The Last Dance brachten eine gehörige Portion Spielfreude mit, die das
Publikum teilweise mitreissen konnte.

Letztendlich hatte man sich aber den absoluten und unumstrittenen Höhepunkt der Herbstnächte für den Schluss aufgehoben. The Crüxshadows bewiesen, dass sie eine phantastische Liveband sind. Mit harten EBM-Beats, einer wavigen Stimme, synthetischen Melodien, einem virtuosen Geigenspiel und rockigen Gitarrenklänge konnte man das Publikum überaus begeistern. Sänger Rogue ging immer wieder auf Tuchfühlung mit den Fans. Auf der Bühne konnte es ihn nicht halten. Lieber spazierte er durch das Publikum. Bei einem ruhigeren Song organisierte er sich einen Stuhl, plazierte ihn mitten unter den begeisterten Zuhörern und stellte sich darauf. Mehr Freude am Livespiel kann man eigentlich nicht zeigen. Auch das Erklimmen des Bühnengerüst war Rogue nicht zu beschwerlich. Der verbale Dialog wurde gesucht, wobei Rogue auch Versuche auf Deutsch wagte. Beim letzten Song wollte er dann scheinbar nicht mehr von der Bühne, weshalb er dann auch die Fans auf die selbige bat. Diese “Anweisung” musste vielen nicht zweimal gesagt werden. Natürlich konnte dies dann aber nicht der letzte Song sein. Ohne Zugaben wurden The Crüxshadows nicht entlassen. Irgendwann musste aber auch dieser Auftritt der Extraklasse ein Ende haben und damit auch die Herbstnächte.

Auch wenn die Auswahl und Vielfalt der Bands denen der letzten Jahre nachstand, kann man auch diese Herbstnächte als Erfolg werten. Die Burg Rabenstein als Location ist einfach ideal. Die Organisation ging bestens von Statten. Das Wetter war blendend. Und mit einem Mittelaltermarkt und einem Bandwettbewerb sorgte man für Neuerungen.

Man darf also auf die fünfte Auflage der Herbstnächte im nächsten Jahr gespannt sein...

Marcus Rietzsch (MR - Bilderwelten)

 

 


THE CRÜXSHADOWS


DIVA DESTRUCTION


THE BREATH OF LIFE


THE LAST DANCE


SCARECROW

 
Bilder: Marcus Rietzsch