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Fans der schwarzen Musik, als das Kraftwerk in Chemnitz fassen konnte,
wollten am ersten Weihnachtsfeiertag das wohl vorerst letzte Dark Storm
Festival in dieser Location miterleben. Somit waren die wenigen Restkarten,
die es noch an der Abendkasse gab, in kürzester Zeit vergeben.
Das Schild Ausverkauft sorgte bei den Zuspätgekommenen
für lange Gesichter. Die anderen durften sich auf einen besonderen
Abend freuen.
Das
Kraftwerk war schon sehr gut gefüllt, als Zeraphine den Reigen
der durchweg namhaften Bands eröffneten. Mit ihrem
Düsterrock konnten die Ex-Dreadful-Shadows schon einen Großteil
der Anwesenden begeistern. Unheilig standen ihnen mit dem daraufhin
anschliessenden Auftritt in nichts nach. Präsentiert wurden u.a.
einige unheilig vorgetragene Weihnachtslieder. Harte E-Gitarren,
wummernde Drums und ein Sänger, der mit dunkler Stimme den Text
von Oh Tannenbaum sang....dies mutete doch etwas befremdlich
an. Vielen war dies aber vollkommen egal. Man wollte einfach nur feiern.
Klassiker wie z.B. Sage Ja durften neben den Weihnachtssongs
natürlich auch nicht fehlen.
Spätestens als Muttis Stolz und Holly D. von Letzte Instanz die
Bühne betraten und Feuer über die Köpfe der Zuschauer
in den ersten Reihen spuckten, dürfte der Saal bis auf den letzten
Platz gefüllt gewesen sein. An die Minusgrade draussen dachte dann
wohl keiner mehr. Die Dresdner Band präsentierte sich in einem
veränderten Line-Up. Die neuen Mitstreiter fügten sich gut
in die wie immer voller Spielfreude strotzende Band ein. Die Verschmelzung
von klassischer Rockinstrumentierung,
energiegeladenem Cello- und Geigespiel und charismatischen deutschen
Lyrics ist immer ein Hörerlebnis. Aber nicht nur das:
auch für das Auge sorgen Letzte Instanz. Man fragt sich, wie es
Muttis Stolz schafft, seine Geige so zu beherrschen und dabei wie ein
Besessener über die Bühne zu springen. Diese Band scheint
das Leben mit all seinen Schattierungen zu lieben und transportiert
dies auch live optimal.
Viel Zeit zum Verschnaufen blieb nicht. Im Anschluss zeigten sich Oomph!
wieder einmal von der einzigen Seite, die man von ihnen kennt: ihrer
Besten. Diese Band bewegt durch ihre blose Anwesenheit. Schon nach wenigen
Tönen hat Sänger Dero das
Publikum im Griff. Scheinbar kann niemand mehr die Füsse still
halten. Es wird gesprungen und geklatscht. Live ist Oomph!
unschlagbar. Die Songauswahl ist dabei offensichtlich ohne Bedeutung.
Ob neuere Songs oder Material von älteren Alben, die
Fans liegen den Braunschweigern zu Füssen, die dieses durch einen
hervorragenden Auftritt zu honorieren wissen. Als kleine
Dreingabe schmetterte Dero dem Anlass gemäss zum Abschluss noch
White Christmas, bevor auch dieser die Bühne unter
tosendem Beifall verliess...
Damit aber noch lange nicht genug. Nach einer halbstündlichen Umbaupause,
in der man etwas Kraft tanken und seinen
Flüssigkeitshaushalt ausgleichen konnte, wurde es wieder dunkel.
Die beiden obligatorischen Modelle in knappen erotischen Outfits, die
bei keinem Auftritt von Umbra Et Imago fehlen dürfen, kamen
mit je einer grossen weissen Kerze in ihren Händen auf die Bühne,
um sich sodann rechts und links auf der selbigen niederzuknien, bevor
Mozart unter Jubel in einen schwarzen Umhang gehüllt ans Mikro
trat. Auch er musste keine grosse Überzeugungsarbeit leisten. Nicht
nur die ersten Reihen waren von Beginn an wie entfesselt. Neben aller
Erotik und Spass kamen aber auch ernstere Themen nicht zu kurz. Mozart
gestand seine Angst vor einem weiteren Krieg und untermalte
dies mit dem Klassiker Sex statt Krieg. Die Zustimmung des
gesamten Publikums bezüglich mahnender Worte hinsichtlich rechter
Strömungen wurden vom gesamten Publikum zustimmend aufgenommen.
Einige Fans untermalten dies mit einer Gegen Nazi-Flagge.
Auf Mozart´s Stirn bildeten sich die ersten Schweissperlen, die
sein Gesicht
herabrannen. Ein Bad in der Menge konnte ihn aber wohl auch nicht abkühlen.
Die knapp 50 Minuten Spielzeit waren auch flugs vorbei und die Fans
freuten sich auf den letzten Act des Abends.Dieser stellte dann einen
starken Kontrast zum gitarrenlastigen Gothic-Metal von Umbra Et Imago
dar. Future Pop stand auf dem Programm. Bevor das Publikum aber einen
freien Blick auf die beiden irischen Elektroniker von VNV Nation bekamen,
wurde diese durch ein grosses weisses Tuch versperrt. Erst Dunkelheit,
dann Lichtspiele, diverse Schatten. Das dreisprachige Intro setzte
ein: Das ist Deine Welt, das sind Deine Mitmenschen, Du kannst
heute für Dich leben oder für alle die Zukunft von morgen
aufbauen. Dann fiel der Vorhang und es gab kein Halten mehr. Harte
Beats und melodiöse Vocals versetzten die Massen nahezu in Ekstase.
Leider wurde diese von technischen Problemen gestört, die behoben
werden sollten. In der Zwischenzeit sang Ronan Silent Night
und schilderte seine Eindrücke vom Umgang miteinander, Weihnachten,
Kirche und der Gesellschaft. Daraufhin wurde wieder ein Versuch gestartet.
Leider konnte die Technik nicht in den Griff bekommen werden. Trotzdem
versuchten Mark und Ronan den Fans noch etwas zu bieten. Minimalistische
Beats, A`capella-
Gesang und ein nicht mal schlechter Mark am Mikro sorgten doch noch
für einen versöhnlichen und viel umjubelten Abschluss.Es sollte
noch erwähnt werden, dass diejenigen, die sich zerteilen konnten
oder aber dem Trubel im grossen Saal entgehen wollten, noch die Möglichkeit
hatten, sich den elektronischen Klängen von Dive, Sonar und XPQ21,
welche parallel im kleinen Saal (Zoom) auftraten, hinzugeben.
Vielleicht wird
es ja eines Tages wieder ein Dark Storm Festival in den Räumen
des Kraftwerks geben. Vorerst ist damit aber nicht zu rechnen, da dieses
seine Pforten zum 31.12.2002 schliessen wird. Trotzdem wird man wohl
auf diese winterliche Festivalgrösse nicht verzichten müssen.
Die Veranstalter werden sicher eine passende Location finden, die dann
evtl. auch mehr Kapazitäten bietet, damit zum einen kein Fan draussen
bleiben muss und zum anderen ein wenig mehr Bewegungsfreiheit vorhanden
sein wird.
Marcus
Rietzsch (MR
- Bilderwelten)
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