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Vom 10. bis 12. Juni trafen sich Mittelalterfreunde und Schaulustige in pseudohistorischer Umgebung inmitten der Fr¹nkischen Schweiz.
Denn Burg Rabenstein - die Perle des Ailsbachtales, wie man sie heute nennt - erhielt ihr heutiges Aussehen vor gerade mal knapp 30
Jahren. Nur die wenigsten dÙrften wissen, daß dem Ausbau zum Schlosshotel eine der malerischsten Ruinen dieser Gegend zum
Opfer fiel und von mittelalterlicher Originalsubstanz heute kaum mehr Spuren zu finden sind...
Doch soviel nur am Rande. Nordbayerns grù¤ter Mittelaltermarkt lockte
an diesem Wochenende neben "Normalsterblichen" auch jedemenge Gewandete,
zahlreiche Gothics und einige Metalheads ins idyllische Ailsbachtal, um
sich alter Zeiten zu erinnern. NatÙrlich ist von Krieg, Elend, UnterdrÙckung
und Seuchen - eben all den Kleinigkeiten, die das mittelalterliche Leben
auf dem Lande pr¹gten - w¹hrend derartiger Veranstaltungen nichts zu spÙren.
Statt dessen gibt man sich wie so oft einer historisierenden Fiktion hin
und wÙnscht sich sogar, selbst in diesem frùhlichen Zeitalter gelebt zu
haben, fernab von all dem l¹stigen Alltagsstress, Hektik und Elektrosmog
unserer Tage.
Zu sehen gabÇs so ziemlich alles, was das mittelalterliche Herz begehrt:
zahllose St¹nde mit altertÙmlichen Gwerben, Schmuck- und Waffenverkauf,
TanzvorfÙhrungen, Gaukler und Musikanten, Bogenschie¤en und Ritterspiele
zu Pferd oder per pedes. Doch nicht nur die Augen, sondern auch der Gaumen
sollte erfreut werden. Leckerein frisch vom Grill konnten mit Gerstensaft
oder Met heruntergespÙlt werden. Die l¹ngste Schlange bildete sich jedoch
stets am Stand der Hanfb¹ckerei - komisch oder?
Ab 20:00 Uhr sorgten an den drei Tagen sechs Bands von mittelalterlicher
Gesinnung im Rahmen des Miroque-Festivals fÙr den nùtigen musikalischen
Background. Am Donnerstag unterhielten Schandmaul und die Irrlichter das
anwesende Volk, am Freitag folgten Historock und Corvus Corax. Aus terminlichen
GrÙnden kann ich jedoch nur vom Samstagabend N¹heres berichten.
Als Vorgruppe von Saltatio Mortis betraten Wolfenmond aus Hessen die kleine
BÙhne auf dem eigens eingefriedeten Festivalgel¹nde. Die vier Musiker
entpuppten sich als echte Multiinstrumentalisten und griffen auf die gesamte
Palette mittelalterlichen Instrumentenrepertoirs zurÙck. Abwechselnd bedienten
die drei Herren und eine Dame Dudelsack, Schalmei, Rauschpfeife, Drehleier,
Laute, Mandoline und diverse Flùten und Trommeln. FÙr den nùtigen Rhytmus
der rein traditionellen StÙcke sorgte Frontfrau Sonja Saltaro mit vor
den Bauch gebundenem Davul, dem Hauptperkussionsinstrument mit zwei unterschiedlichen
Fellen. Neben zahlreichen flotten Darbietungen bereitete immer wieder
mittelalterlicher Minnesang ruhige MOmente w¹hrend der guten Stunde Spielzeit.
Der Sound war im Grunde makellos. Lediglich die Ansagen von Bandkopf Christo
kamen oft nicht halb so witzig rÙber, wie sie wohl h¹tten sollen. Aber
das minderte den positiven Gesamteindruck der vier Musikanten nur geringfÙgig.
W¹hrend der Umbaupause unterhielten drei Gaukler das Volk, indem sie auf
beeindruckende Weise mit dem Feuer spielten und trotz dieses gef¹hrlichen
Gewerbes stets fÙr einen Scherz zu haben waren.
Anschlie¤end standen die zwei Sackpfeifer und fÙnf Trommler von Saltatio
Mortis, der Band mit den 2 Gesichtern, wie sie sich selbst nennen, auf
der BÙhne. In Sachen Instrumentarium standen sie Wolfenmond in nichts
nach. Das zweite Gesicht der Band steht fÙr den Einsatz moderner Technik,
wodurch eine musikalische Gratwanderung zwischen Metal, Rock, Mittelalter
und Elektro erzeilt wird. Mit Liedern, die das Leben schreibt, und jede
Menge "Schweinskram" animierte die lustige Truppe die Anwesenden zum Tanzen
und lie¤ die grimmigen Temperaturen von gerade mal 9 ÁC in Vergessenheit
geraten. Die kùstlichen Wortgefechte zwischen Witzbold Lasterbalk und
dem coolen von MÙmmelstein taten das brige zu der wunderbaren Stimmung
vor der BÙhne. Dank der sechs Zugaben musizierten Saltatio Mortis beinahe
zwei Stunden und hinterlie¤en somit nicht nur eine zuteifst befriedigte
Anh¹ngerschaft, sondern konnten mit Sicherheit ihre Fangemeinde um das
ein oder andere Individuum bereichern.
Nach Verstummen der letzten Noten herrschte Aufbruchsstimmung auf dem
Festivalgel¹nde. W¹hrend die meisten zu Zelt oder Auto pilgerten, war
auf dem Mittelaltermarkt Ruhe eingekehrt. Um zahlreiche Lagerfeuer gruppierten
sich die letzten Verbliebenen und lie¤en den Abend bei einer guten Tasse
Met allm¹hlich ausklingen.
Dagger
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