ERLEBNISBERICHT: Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein und Miroque-Festival
 
subkultur.de 06/ 2004
 
         
 

Vom 10. bis 12. Juni trafen sich Mittelalterfreunde und Schaulustige in pseudohistorischer Umgebung inmitten der Fr¹nkischen Schweiz. Denn Burg Rabenstein - die Perle des Ailsbachtales, wie man sie heute nennt - erhielt ihr heutiges Aussehen vor gerade mal knapp 30 Jahren. Nur die wenigsten dÙrften wissen, daß dem Ausbau zum Schlosshotel eine der malerischsten Ruinen dieser Gegend zum Opfer fiel und von mittelalterlicher Originalsubstanz heute kaum mehr Spuren zu finden sind...

Doch soviel nur am Rande. Nordbayerns grù¤ter Mittelaltermarkt lockte an diesem Wochenende neben "Normalsterblichen" auch jedemenge Gewandete, zahlreiche Gothics und einige Metalheads ins idyllische Ailsbachtal, um sich alter Zeiten zu erinnern. NatÙrlich ist von Krieg, Elend, UnterdrÙckung und Seuchen - eben all den Kleinigkeiten, die das mittelalterliche Leben auf dem Lande pr¹gten - w¹hrend derartiger Veranstaltungen nichts zu spÙren. Statt dessen gibt man sich wie so oft einer historisierenden Fiktion hin und wÙnscht sich sogar, selbst in diesem frùhlichen Zeitalter gelebt zu haben, fernab von all dem l¹stigen Alltagsstress, Hektik und Elektrosmog unserer Tage.

Zu sehen gabÇs so ziemlich alles, was das mittelalterliche Herz begehrt: zahllose St¹nde mit altertÙmlichen Gwerben, Schmuck- und Waffenverkauf, TanzvorfÙhrungen, Gaukler und Musikanten, Bogenschie¤en und Ritterspiele zu Pferd oder per pedes. Doch nicht nur die Augen, sondern auch der Gaumen sollte erfreut werden. Leckerein frisch vom Grill konnten mit Gerstensaft oder Met heruntergespÙlt werden. Die l¹ngste Schlange bildete sich jedoch stets am Stand der Hanfb¹ckerei - komisch oder?

Ab 20:00 Uhr sorgten an den drei Tagen sechs Bands von mittelalterlicher Gesinnung im Rahmen des Miroque-Festivals fÙr den nùtigen musikalischen Background. Am Donnerstag unterhielten Schandmaul und die Irrlichter das anwesende Volk, am Freitag folgten Historock und Corvus Corax. Aus terminlichen GrÙnden kann ich jedoch nur vom Samstagabend N¹heres berichten.

Als Vorgruppe von Saltatio Mortis betraten Wolfenmond aus Hessen die kleine BÙhne auf dem eigens eingefriedeten Festivalgel¹nde. Die vier Musiker entpuppten sich als echte Multiinstrumentalisten und griffen auf die gesamte Palette mittelalterlichen Instrumentenrepertoirs zurÙck. Abwechselnd bedienten die drei Herren und eine Dame Dudelsack, Schalmei, Rauschpfeife, Drehleier, Laute, Mandoline und diverse Flùten und Trommeln. FÙr den nùtigen Rhytmus der rein traditionellen StÙcke sorgte Frontfrau Sonja Saltaro mit vor den Bauch gebundenem Davul, dem Hauptperkussionsinstrument mit zwei unterschiedlichen Fellen. Neben zahlreichen flotten Darbietungen bereitete immer wieder mittelalterlicher Minnesang ruhige MOmente w¹hrend der guten Stunde Spielzeit. Der Sound war im Grunde makellos. Lediglich die Ansagen von Bandkopf Christo kamen oft nicht halb so witzig rÙber, wie sie wohl h¹tten sollen. Aber das minderte den positiven Gesamteindruck der vier Musikanten nur geringfÙgig.

W¹hrend der Umbaupause unterhielten drei Gaukler das Volk, indem sie auf beeindruckende Weise mit dem Feuer spielten und trotz dieses gef¹hrlichen Gewerbes stets fÙr einen Scherz zu haben waren.

Anschlie¤end standen die zwei Sackpfeifer und fÙnf Trommler von Saltatio Mortis, der Band mit den 2 Gesichtern, wie sie sich selbst nennen, auf der BÙhne. In Sachen Instrumentarium standen sie Wolfenmond in nichts nach. Das zweite Gesicht der Band steht fÙr den Einsatz moderner Technik, wodurch eine musikalische Gratwanderung zwischen Metal, Rock, Mittelalter und Elektro erzeilt wird. Mit Liedern, die das Leben schreibt, und jede Menge "Schweinskram" animierte die lustige Truppe die Anwesenden zum Tanzen und lie¤ die grimmigen Temperaturen von gerade mal 9 ÁC in Vergessenheit geraten. Die kùstlichen Wortgefechte zwischen Witzbold Lasterbalk und dem coolen von MÙmmelstein taten das  brige zu der wunderbaren Stimmung vor der BÙhne. Dank der sechs Zugaben musizierten Saltatio Mortis beinahe zwei Stunden und hinterlie¤en somit nicht nur eine zuteifst befriedigte Anh¹ngerschaft, sondern konnten mit Sicherheit ihre Fangemeinde um das ein oder andere Individuum bereichern.

Nach Verstummen der letzten Noten herrschte Aufbruchsstimmung auf dem Festivalgel¹nde. W¹hrend die meisten zu Zelt oder Auto pilgerten, war auf dem Mittelaltermarkt Ruhe eingekehrt. Um zahlreiche Lagerfeuer gruppierten sich die letzten Verbliebenen und lie¤en den Abend bei einer guten Tasse Met allm¹hlich ausklingen.

 

Dagger

 

 

Ritterspiele

 

Spielleute

 

Wolfenmond

 

Saltatio Mortis

 
 
LINKS: www.miroque.de - www.saltatio-mortis.com - www.wolfenmond.de
     
         
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