ERLEBNISBERICHT: QUARKS- 11.12.2004 Berlin - KarreraClub @ Magnet

 
subkultur.de 12/ 2004
 
 

Quarks... daß sind die Teilchen aus denen die Teilchen bestehen, aus denen die Teilchen bestehen .... die man nicht sehen kann, die Atome des 21. Jahrhunderts. Anstelle eines Physik Exkurses erwartete mich und meine Kamera dann doch metropolitanische Freizeitgestaltung, denn Quarks entpuppte sich für mich mit der Single "Du entkommst mir nicht" als so ein Ding zwischen Notwist, deutschem Retropop und P.J. Harvey, was dann als "neue Hoffnung" oder "Die Zukunft des...." die schreibende Zunft zu verheißungsvollen Lobeshymnen inspirierte... und schlußendlich auch viele Menschen in den Magnet Club lockte...

Der Eintritt in den Club war eine Zeitreise zurück... oder so etwas wie eine virtuelle 80er Jahre Simulation. Diejenigen die von der Zeitblase recht heftig geküßt wurden, sind stolz auf ausgefranste Pony- Fönfrisuren und Karotten-Jeans, die sie in den Wildlederstiefeln tragen. Bei so einem Mama- Klon weiß ich immer nicht, ob das Outfit besonders billig oder besonders teuer war, ob Mitleid in mir ausbrechen soll oder Unverständnis.

Ich merkte schon bald, daß ich hier fehl am Platz war. Andere dachten sich das auch. Vor allem die Kuh hinter der Theke. Entweder man hat den „Style“ oder man wartet eben länger als andere, bis man bedient wird oder bis man bedient ist. Aber ich war schließlich nicht zum Spaß da, ich wollte die Konzerte dokumentieren.

Die DeutschRockBand Darlo aus Wiesbaden machte den Anfang. Eine Band, die eine Grätsche versucht- zwischen Tocotronic auf unfreiwillig lustig und Sportfreunde Stiller im Volksschulkurs "Englisch für Anfänger"- und die sich dabei sozusagen den Schritt überdehnt. Ich hatte noch nicht mal Lust ein Foto zu machen. Irgendwann schaffte der Sänger es trotzdem, mir aus der Seele zu sprechen: „Das ist alles viel zu viel, don`t ask me how I feel". Das Publikum fand´s Klasse, was ja nicht anders zu erwarten war. Die Tiefgründigkeit diesseits und jenseits der Bühne war offensichtlich.

Als nächster durfte der junge Mann auf dem Foto öffentlich Gitarre spielen und dazu singen. Den Namen muß man sich nicht merken. Wahrscheinlich war das eh nur ein Scherz. Immerhin war das stimmlich schon mal eine Verbesserung. Und der Schleim des Softies mit dem Drei-Tage-Bart tropfte von der Bühne und begattete imaginär alle anwesenden Frauen. Mindestens. Aber auch diesmal: Jene, die vor der Bühne standen waren begeistert. Schon immer machte ein bißchen romantische Betulichkeit Männer attraktiver. Vor allem in den 80ern. Leider war seine Freundin dabei, die zu seinen Witzen vor Stolz auf und ab hüpfte.

Und endlich kam Quarks, die Rettung. Eine charismatische Frau gestaltete den Raum um sich herum, nahm ihn ein, bekam die Gunst des Publikums, ohne darum zu buhlen, so auch meine, auch wenn ich mit Musik à la Mia nichts anfangen kann. Nach ein paar Liedern sind dann die Schubladen eh zu klein. Oder Jovanka von Willsdorf zu groß. Ihre Bühnenpräsenz war nach den zwei Nieten eine regelrechte Erlösung und es ist offensichtlich, daß sie einfach nur Spaß dran hat, frei und frisch vom Herz weg ihre Lieder zu singen. Dabei war die Band, die ich da sah, in dieser Konstellation relativ jung, ist sie doch erst inmitten der Produktion des Albums zusammengekommen, als Jovanka von Willsdorf vor der Wahl stand, das Handtuch zu werfen oder sich neue Mitmusiker zu suchen. Es war wirklich toll! Jetzt waren wir alle einer Meinung und tief beeindruckt. Dafür hatte es sich dann doch gelohnt.

Text & Bilder: Marry

Website: www.quarksland.de - Weitere Infos: www.add-on-music.de

 

 



 
 
   
   
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