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Das
neue Covenant Album "Northern Light" wird demnächst in unseren
Regalen stehen. Der erste Höreindruck bekräftigt die Vermutung,
daß das Trio aus dem hohen Norden einerseits massentauglicher, andererseits
reifer geworden ist. Der Umzug in die unterschiedliche Städte und von
Dependent zu KA², einem Ableger des Majors Sony Music, hat Spuren hinterlassen.
Aber allen Unkenrufen zum Trotz ist Covenant immer noch Covenant, was nicht
zuletzt der neue Clubhammer "Call The Ships To Port" mit vollen
Tanzfluren belegt. Und so hatten wir gleich mehrer Gründe, den netten
Herren im Anzug, Joakim Montelius einmal mehr um ein Interview zu bitten...
AVP: Zuerst möchte
ich Euch zu dem Deal mit KA² gratulieren. Ihr habt damit ja einen
guten Stand auf dem Markt und seid damit einiges weiter gekommen. Was
erwartet ihr euch nun von solch einem Label?
Joakim Montelius: Danke. Ja, K2 ist ein Ableger
von Sony Music, die aber wie ein kleines Independent Label arbeiten, aber
die Infrastruktur von Sony haben, was uns sehr beeindruckt hat. Wir können
nun Dinge tun, was die Werbung und das Management angehen, die wir auf
einem normalen Indielabel nie hätten tun können. Jetzt setzen
wir natürlich alles daran das Beste daraus zu machen und wir werden
sehen, was nun aus unserem neuen Album wird...
AVP: Denkt ihr, ihr
könnt nun mehr Leute damit erreichen?
Joakim Montelius: Nun, wir haben jetzt natürlich
die Möglichkeit mehr Leute zu erreichen, aber in erster Linie liegt
es natürlich an der Musik selber. Vielleicht haben wir ja ein Album
gemacht, was niemand mag (lacht). Natürlich haben wir jetzt immense
Möglichkeiten der Werbung und der Verbreitung, die wir vorher nicht
hatten. Was daraus jetzt wird, das wird die Zukunft erst noch zeigen.
AVP: Electro hat ja
jetzt nicht gerade einen guten Ruf als "anspuchsvolle" Musik,
was die Inhalte und die Aussage angeht. Wie ist das bei euch? Habt ihr
überhaupt etwas zu sagen, oder ist es auch einfach nur Musik für
die Tanzfläche?
Joakim Montelius: Nein, wir haben schon viel zu
sagen, aber ich denke man muss damit vorsichtig sein, Leuten etwas sagen
zu wollen, denn es wird viel missinterpretiert oder es will niemand eine
Aussage oder ein Statement hören. Wir haben zwar keine besondere
Strategie oder Richtlinie etwas aussagen zu wollen, aber alles was wir
zu sagen haben kommt von Herzen. Es geht um Dinge die uns inspirieren
und Dinge die uns persönlich beschäftigen. Trotzdem bleibt es
natürlich jedem selbst überlassen, ob er darüber nachdenkt
oder sich einfach nur die Musik anhört. Wir representieren nur daß,
was wir denken, ehrliche Sachen, sonst nichts.
AVP: Wenn man euren
Sound betrachtet, so klingt alles sehr urban, nach pulsierenden Leben
einer Großstadt, doch mit Abstand dazwischen. Wie würdest du
das erklären?
Joakim Montelius: Ich denke elektronische Musik
allgemein ist die Musik der Stadt, denn sie ist meist hart, pulsierend
und unmenschlich, wie die meisten Städte auch sind. Wie versuchen
allerdings nicht, die Musik mit Absicht so zu gestalten, sondern wir wollen
lediglich Musik des modernen Lebens machen. Dieses Leben spielt sich aber
eben meist in den großen Städten der Welt ab, wo du das Leben
fühlst, riechst und schmeckst, was uns und unsere Musik wiederum
inspiriert. Wie ziehen aber nicht los und versuchen das Leben in der Stadt
in Musik umzuwandeln, sondern es ist nur eine Reaktion auf die Einflüsse,
die uns dort treffen.
AVP: Eure erste Albumveröffentlichung
ist circa neun Jahre her, aber Covenant ist immer noch Covenant. Was macht
euch aus?
Joakim Montelius: Das hängt in erster Linie
mit den verschiedenen Persönlichkeiten der Bandmitglieder zusammen
und der Art, wie wir als Menschen und als Band funktionieren. Jeder ist
individuell und einzigartig, so daß wir auch zusammen noch immer
individuell sind und arbeiten. Wir wollen nicht kopieren und klingen eigentlich
auch nicht so einzigartig, aber es sind eben die Einflüsse, die uns
prägen und geprägt haben, die uns ausmachen und somit auch den
Sound der Band. Wir wollen zum Beispiel auch nicht typisch skandinavisch
klingen, aber ich glaube wir haben schon einen gewissen skandinavischen
Touch in unserer Musik.
AVP: Hmm, wie ABBA
klingt ihr aber nicht....
Joakim Montelius: (lacht)...nein, nein, nicht wie
ABBA, auch wenn ich als Kind jeden Tag ABBA gehört habe und sie immer
noch mag. Sie waren eben unsere Superhelden aus den Siebzigern, die im
Übrigen auch diesen unerklärlichen nordischen Sound haben.
AVP: Ihr macht nun
schon sehr lange Musik. Woher nehmt ihr eure Inspiration?
Joakim Montelius: Das wechselt eigentlich dauernd. Wir sind sehr nachdenkliche
Menschen und versuchen viel zu experimentieren und zu verstehen. Wenn
man seinen Verstand öffnet und mit offenen Augen durch die Welt geht,
ist eigentlich alles inspirierend. Ich wohne ja jetzt in Barcelona und
gehe auf alle möglichen Veranstaltungen, wie zum Beispiel schräge
Jazzfestivals, bei denen interessante Mischungen aus elektronischer Musik
mit Jazz und Tango gespielt werden. Ganz abgefahrene Sachen, die ich niemals
zuvor gehört habe. Alles was neu und vielleicht unmöglich zu
sein scheint ist inspirierend. Es muss dazu nicht gut sein, aber es eröffnet
neue Sichtweisen.
AVP: Du sagtest du
lebst nun in Barcelona. Eskil Simonsson lebt in Berlin und Clas Nachmanson
hält die Verbindung zu Schweden in Helsingborg. Wie haut das bei
euch mit der Musikproduktion hin?
Joakim Montelius: Mit elektronischer Musik ist das
ja recht einfach über eine große Distanz. Wir nutzen dafür,
genau wie ihr auch, das Internet als Plattform. Es ist damit kein Problem,
Ideen zu reproduzieren. Wir schicken uns die MIDIfiles und die Sounds
hin und her und das klappt so recht gut. Anschließend treffen wir
uns im Studio und bauen das alles zusammen, diskutieren und schmeissen
das, was der andere nicht mag wieder raus. Am Ende sind dann alle glücklich.
Die moderne Welt ist eben nicht mehr so groß, wie sie einst war.
AVP: Warum hast du
Barcelona gewählt? War das Bier in Schweden zu teuer?
Joakim Montelius: Nein, das Bier nicht, aber Schweden
ist eben ein Dorf. Man ist dort von der Welt abgeschnitten und nach dreißig
Jahren ist das genug. Zuerst wollte ich nach Berlin, aber das hat mir
dann nicht gefallen und dann habe ich die Möglichkeit bekommen, nach
Barcelona zu gehen und da bin ich in den Zug gesprungen. Barcelona bietet
eine unglaubliche Vielfalt an kulturellem Leben. Die Musikszene ist riesig
und differenziert und unvorstellbar kreativ. Es passiert jede Woche etwas
Neues. Die Stadt ist gewaltig wunderschön und es schlummert dort
viel Talent. Außerdem wohnt meine Freundin dort und sie wollte,
daß ich komme...(lacht)
AVP: Ihr habt vor
zwei Wochen euer erstes professionelles Video in Berlin gedreht. Was können
wir erwarten und wo können wir das Video sehen?
Joakim Montelius: Das weiss ich auch noch nicht
genau, denn ich habe selber noch nichts von der endgültigen Fassung
des Videos, übrigens für den Song "Bullet", gesehen.
Die Location und die Idee hinter dem Video sind allerdings brilliant,
so daß ich hoffe es wird auf VIVA und MTV laufen. KA² und Sony
sind bereits mit den Sendern im Gespräch, aber wir wissen darüber
auch noch nicht mehr, denn am Ende liegt es eben an den Sendern selbst
und eigentlich darf ich das gar nicht sagen, aber ich denke die Sender
haben zuviel Einfluss.
Nun zur Idee hinter dem Clip; Clas und ich sind darin zwei Wissenschaftler,
die vor circa hundert Jahren eine Roboter bauen, der von Eskil gespielt
wird. Nach einem Zeitsprung in die heutige Zeit ist der Roboter natürlich
alt und nutzlos. Er wird verschrottet, doch der Roboter funktioniert immer
noch und beginnt sich selbst zu reparieren und wieder zu leben. Das ist
die Grundidee dahinter. Besonders macht das Ganze aber die Location in
Berlin und die visuellen Effekte, die ich derart noch niemals zuvor gesehen
habe und die einfach fantastisch sind. Wir setzen also große Hoffnungen
in den Clip, vor allem auch, daß er gesendet wird.
AVP: Ihr tragt immer
sehr elegante Kleidung und gebt euch sehr stilbewusst. Wie wichtig ist
Lifestyle für euch/dich?
Joakim Montelius: Stimmt, wir tragen immer Anzüge
und solche Sachen, auch wenn der spanische Sommer bei der Hitze hier nicht
gerade viel Stil erlaubt. Es ist im Übrigen auch keine Imagesache
oder so, wir tragen wirklich gerne Anzüge, auch privat. Dafür
gibt es eigentlich keinen besonderen Grund, es sieht einfach gut aus und
ist bequem. Das Leben ist eben zu kurz um die Zeit mit hässlichen
Dingen zu verbringen. Das gilt für alles im Leben. Wir wollen eben
das Beste vom Leben, gute Kleidung, gutes Essen, gute Musik, das Leben
in vollen Zügen geniessen. Qualität ist wichtig im Leben. Du
kannst dein Leben auch mit Dingen verschwenden, die dir keinen Spass machen,
aber das wollen wir nicht. Wir wollen immer weiter wachsen, uns entwickeln,
mit den guten Sachen im Leben, was sich dann auch in der Musik und unserem
Aussehen wiederspiegelt. Ich denke das macht Sinn.
AVP: Sicher macht
das Sinn, denn ein gewisser Lebensstil ist wichtig. Zum Schluss würde
ich noch gerne wissen, wie ihr die Zukunft der Musikbranche seht, denn
dank Internet und Brenner kaufen die Leute kaum noch CD´s, was den
Labels ja enorme Schädigungen beibringt.
Joakim Montelius: Tja, wenn ich das wüsste,
dann wäre ich wohl ein reicher Mann. Die Musik muss sicherlich billiger
werden, denn ich finde die hohen Preise für CD´s ziemlich dumm.
Das Ganze muss dann wohl in Verbindung mit Besonderheiten auf der CD vermarktet
werden, wie zum Beispiel eben Videos zu machen, wobei das wiederum eine
enorme Geldverschwendung ist, also auch keine richtige Lösung des
Problems. Derzeit hat die Technologie die Evolution in der Unterhaltungsbranche
überholt und unser derzeitiges System ist veraltet. Ich habe dafür
auch noch keine Lösung. Es ist im Moment wie vor hundert Jahren in
Zeiten der Industriellen Revolution. Viele Leute haben damals ihre Jobs
verloren und es gab eine große Depression, aber auch wieder neue
Wege aus der Misere. Ich denke das ist der normale Weg der Evolution und
es wird sich auch wieder ändern und neue Lösungen geben.
AVP: Vielen Dank für
das Interview und weiterhin viel Erfolg, gerade mit dem neuen Album und
dem dazugehörigen Video.
Alexander
von Prümmer
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