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EISBRECHER
: "Da
steh ich voll dahinter"
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subkultur.de
04/ 2004
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| Alexx
Wesselsky - die Stimme ist unverkennbar und der Name mutet auch seltsam
bekannt an. Den Meisten wird sich sicherlich in diesem Zusammenhang die
Band Megaherz einfallen,
doch seit Kurzem gehört dieses Kapitel der Vergangenheit an, zumindest
für Alexx. Nämlich präzise seit Herbst 2002 haben sich der
exSänger von Megaherz und sein Kollege Noel Pix verselbständigt
und gemeinsam EISBRECHER aus dem Packeis geklopft. Jetzt ist das Debüt
Album mit neuem Sound da, welches Gitarrenelemente und Elektrosounds nahtlos
verschmilzt und attraktiv im CD-Regal des Plattendealers unseres Vertrauens
glänzt. Die Tour steht ebenfalls unmittelbar bevor und so baten wir
Alexx zum Interview. Hier nun ein kleiner Ausschnitt aus 2 Stunden angeregter
Unterhaltung.
ToM: Dein Ausstieg aus "Megaherz" kam für den Außenstehenden doch recht überraschend, zumal du Frontmann und Gründer der Band warst. Zwischen unserem letzten Interview, damals im April 2002, anlässlich von "Herzwerk II" und jetzt ist relativ wenig Zeit verstrichen Was ist denn da nun tatsächlich passiert? Alexx: Was soll ich sagen... Wir haben uns im Guten getrennt, bla bla.... nein, haben wir natürlich nicht, man trennt sich nicht im Guten. Es ist kein Geheimnis, daß wir nie die besten Freunde waren, aber die Arbeit in der Band gestaltete sich um "Herzwerk II" zu einer einzigen Katastrophe. Ich persönlich habe eine recht ausgeprägte Streitkultur. Konstruktive Reibung kann auch in gewisser Weise eine Katharsis sein - eine Reinigung. Bandintern gab es da bei "Megaherz" einige Probleme. Wir haben visionär und menschlich nicht mehr zusammengepasst und Musik lebt ja von ehrlichen Emotionen. Wenn das nicht mehr widergespiegelt wird, dann ist es auch unmöglich eine weitere gemeinsame Platte zu machen. ToM: OK, allerdings hast Du in unserem letzten Interview Dich noch nicht so krass darüber geäußert. Alexx: Natürlich nicht. Da wurde ich darüber auch nicht gefragt, und es ging um die Promtotion der CD. Das ist mein Job, bei allen Querelen, und da muß man eben durch. Aber ich habe aus der Zeit ein Lieblingszitat. "Ließ Deinen Vertrag, wenn Dir was nicht paßt." Wenn man darüber hinaus sich überhaupt nichts mehr zu sagen hat, sich nur mal sieht, wenn man zufällig im selben Auto zu einem Gig fährt, dann stimmt etwas überhaupt nicht. ToM: Jetzt seid ihr ja rein vom Firmenlabel her, wieder bei den Anfängen gelandet, also von der BMG zu ZYX. Steht hinter der Entscheidung ein bestimmter Beweggrund? Alexx: Für mich war das eine Bauchentscheidung. Ich mache aus dem Medienbusiness ein persönliches Geschäft. Und schlußendlich ist der selbe Mann, der einst für das Signing von Megaherz bei Zyx verantwortlich war, nach einiger Zeit nun wieder zu Zyx zurückgekehrt. Das hat den Ausschlag gegeben. Wir wurden freundlich empfangen, dasLabel gibt sich mit uns alle Mühe, aber was am wichtigsten ist: Wir haben vollkommen freie Hand, können frei arbeiten. Und so ist, im Gegensatz zu der letzten Platte, die ich gemacht habe, ein Produkt am Start, hinter dem ich 100%ig stehe, auch was Konzept, Graphik usw. angeht. Ich konnte mich selbst mit unserem Graphiker zusammensetzen und kreativ am Erscheinungsbild der Band basteln. Wenn ich mir dagegen das "Herzwerk II" Cover anschaue.... oh Mann!!! Jetzt kann ich sagen: Wo Eisbrecher drauf steht, ist auch wirklich Eisbrecher drin. ToM: Und manchmal auch ein wenig Megaherz, denn "Willkommen im Nichts" ist ein Arschtreter mit bissigem Text. Die andere Seite von Eisbrecher ist elektronisch, das ist Neu, ebenso die Liebäugelei mit dem Düsterkram. "Mein Blut" war eure erste Single, die auch des Öfteren bei der "La Nuit Obscure" läuft und auch schon unser LNO Tip des Monats war. An sich ist der Text ja geradezu mit Klischees gespickt, sodaß es schwer ist den ironischen Unterton zu überhören. Alexx: Logisch ist da eine kräftige Brise Ironie dabei. Ich hab euren Kommentar dazu gelesen und der trifft den Nagel genau auf den Kopf. Besser wurde ich noch nie verstanden! Danke, Danke Danke! Meistens wird ja unterstellt man wäre typisch platt typisch deutsch. Das ist eine absurde Annahme, wenn man sich die Texte mal wirklich aufmerksam anhört. Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die sich selbst unwahrscheinlich ernst nimmt, ganz im Gegenteil. "Mein Blut" und auch andere Titel auf der Platte spielen mit Klischees. Man muss kein krankes Hirn sein um einen Song wie "Mein Blut" zu schreiben, man muss auch kein Seemann sein um bei EISBRECHER mitzumachen Ich nehme mich sich selbst und die Musik auch mal auf die Schippe. Dabei geht es, Szene hin oder her, darum Spaß an dem Song zu haben und darauf abtanzen zu können. Wichtig ist ja im Endeffekt nur, daß der Track erst mal in Herz, Beine und Bauch fährt und am Schluss vielleicht noch im Idealfall in den Kopf. ToM: Ich denke auch, daß es da die Mischung macht. Schließlich will man ja Menschen erreichen, und nicht überfordern. Was denkst du über den Charterfolg von Oomph!, den die Band mit dem Titel "Augen auf! Ich komme" hat? Alexx: "Augen auf!" ist meiner Meinung nach eigentlich ein sehr untypischer Oomph! Song. Dero bringt meist sehr viel von sich selbst in die Lieder mit ein, wobei dieser Titel alle Klischees bedient, die einen Charterfolg ausmachen. Jetzt steht die Band auf einmal vor dem ungewohnten Problem, ihren Fans erklären zu müssen, warum sie bei VIVA sitzen oder bei "Top of the Pops". Das ist riskant in der Szene, aber es kann uns allen nur gut tun, wenn ein Vorstoß in ein neues Territorium gewagt wird. Unser Kosmos, in dem wir uns bewegen, ist nicht sehr groß. Aber eigentlich ist "schwarz" auch gleichzeitig sehr bunt. In jedem Musikgenre gibt es unzählig viele Nuancen und dazu trägt auch diese Entwicklung bei. Insofern hoffe ich Oomph! räumen richtig ab! ToM: Die Aktion mit den zwei Rohlingen für die Privatkopie, die eurem Album beiliegen, ist eher ungewöhnlich und auch die Tatsache, daß die Plattenfirma das Ganze unterstützt. Alexx: Das ist alles andere als irgendein PR-Gag. EISBRECHER will das Fairplay. Ich bin selbst jemand, der sich wahnsinnig viele Platten kauft. Bei mir ist das mit den CDs, in etwa so wie bei einer Frau, die an keiner Auslage eines Schuhgeschäfts vorbei laufen kann, ohne sich Schuhe zu kaufen. Ich kaufe mir von jeder Band, die ich kenne die Platte. Und auch ich als Plattenkäufer will, verdammt nochmal, das Recht haben, mir für mein Autoradio einen Sampler zu bruzzeln. Es gibt ja so eine Institution wie den Bundesverband für Phonographische Wirtschaft, laut dem es erlaubt ist, sich zwei Rohlinge für den privaten Bedarf zu brennen. Die Musikindustrie unternimmt aber alles, um dieses Recht zu beschneiden. Wir geben euch zwei Rohlinge für die Privatkopie: fürs Auto, für die Stereoanlage zu Hause, für die Leute, die Auflegen und wir unterstellen nicht dem Käufer, der für eine CD ein Haufen Geld hinlegt, er währe ein potentieller Dieb. Wenn man das komplette Album haben will, dann geben die CD, das Artwork und das Digipack, einen großen Anreiz zum Kauf. ToM: Mittlerweile gibts ja auch eine ähnliche Aktion von ASP mit "Ich will brennen", die ich total spaßig finde, weil dieser Satz im gleichnamigen Lied einen vollkommen anderen Kontext hat. Es wird ja allgemein viel darüber gejammert, daß die Zeiten in der Musikindustrie so schlecht wären Alexx: Und deshalb findet auch langsam ein Umdenken statt. Man beginnt miteinander zu arbeiten, anstelle gegeneinander. Die Promotion eines Albums fängt ja in den Clubs an. Ich muss wissen wer meine Fans sind und ehrlich zeigen, daß ich auch hinter meiner Musik stehe. Hinter so einem Job, ganz gleich ob jetzt als DJ, Musiker oder Selbständiger im Allgemeinen, steckt ja viel Idealismus. Die verschiedenen Musikszenen sind nicht mehr in der Weise gegeneinander voreingenommen, wie noch vor 10 Jahren. Die Metaller rennen nicht mehr davon, wenn sie einen Grufti sehen und umgekehrt. Es hat also zum Glück das Verständnis eingesetzt, daß wir "Extremisten" alle etwas näher zusammenrücken müssen. ToM: Könntest du dir vorstellen, wenn mal alle Stricke reißen sollten, einen normalen Job mit acht Stunden Arbeitszeit zu machen? Alexx: Jaja, wir werden alle nicht jünger... Eine Stelle in einer Promofirma wäre als Alternative vielleicht möglich. Ich hätte aber sicherlich Probleme, mich an einen Job zu gewöhnen, bei dem ich mit den Arbeitskollegen nicht zu Recht käme. Freiheit bedeutet für mich, sich wohl zu fühlen mit dem was man tut. Das wäre sicherlich nicht der Fall, wenn ich ständig unter der Fuchtel von jemanden anderen stehen würde. ToM: Einerseits macht die ständige Eigenverantwortung es jeden Tag schwieriger, in so ein normales Leben einzusteigen, andererseits ist der Druck immens groß, weil Du jeden Tag bruchlanden kannst und im Grunde viele drauf warten, daß Du scheiterst. Alexx: Ja, es gibt so viele Wichser da draußen, die nur darauf warten, daß Du eine Bauchlandung hinlegst. Sie können damit ihre Feigheit entschuldigen. Die Rechtfertigung für das eigene Tun und Lassen ziehen viele Menschen daraus, indem sie sagen "Siehst du! Gut, daß ich nichts riskiert habe, weil, wenn man das tut, fliegt man sicher auf die Schnauze". Dabei ist diese Möglichkeit auch bei normalen Jobs gegeben.... und das mehr denn je. ToM:
Jepp, selbst die sich in Sicherheit wähnten, wissen heute, daß
gar nichts mehr sicher ist. ToM: Nun dürfen wir euch zudem noch dieses Frühjahr auf Tour erleben. Wie lässt sich das, mit der relativ elektronischen Seite des Albums vereinbaren? Alexx: Ich freue mich schon darauf wieder auf der Bühne zu stehen. EISBRECHER wird mit einer sechsköpfigen Live Band auftreten und dadurch wird das Ganze auch etwas rockiger klingen. Wir sind hochmotiviert und werden alles geben. Ihr könnt euch ja davon am 11.04 in Top Act Zapfendorf gerne selbst überzeugen. Werden wir, die Fraktion steht geschlossen auf der Matte! Danke für das Interview Thomas Manegold & Nadine Judas
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