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In Deinem Buch sagst
Du, dass der Sport Deine Rettung gewesen sei. Wovor?
Joey: "Ich neige zu Extremen und habe die Tendenz,
abzudriften. Wäre der Sport nicht gewesen, hätte mich diese
verlogene und in gewisser weise gnadenlose Medienwelt, in der ich lebe,
negativ beeinflußt. Gerade in diesem großen Apparat und wegen
dem Dauerstreß sind Alkohol und Drogen eine große Versuchung.
Sehr viele Menschen, die in der Popindustrie arbeiten, und ich meine nicht
nur die Musiker, sind davon betroffen."
Trotzdem konntest
Du selbst als Sportler das Musizieren nicht lassen. Was ist auf der CD
zum Buch zu hören?
Joey: "Ich habe schon zwei Dokumentationsfilme
über Sport gemacht, zu denen ich auch die Filmmusik geschrieben habe.
Das hat mich auf die Idee gebracht, so etwas auch für das Buch zu
machen. So wie die Musik im Film Bilder aus Nepal oder Alaska untermalt,
kann sie das auch im Buch tun, das zu einem großen Teil aus Bildern
besteht. Ich empfinde das zumindest so. Es ist meditative, entspannende
Musik, die man auch zum Laufen hören kann."
Dein erkärtes
Traumziel ist, die höchsten Gipfel aller Kontinente zu erklimmen.
Du warst auf dem Mont Blanc und auf dem Kilimanjaro. Wie sind da die weiteren
Pläne?
Joey: "Da gibt es noch nicht so viel zu erzählen.
Ich rede auch ungern darüber, denn ich befinde mich noch in den "Startlöchern",
was das Bergsteigen betrifft. Aber es gibt sieben Kontinente und sieben
Gipfel, die ich besteigen will, wenn mein Körper das zuläßt.
Ich muß auch immer das Gefühl haben, dass die Dinge richtig
sind, die ich mache bzw. mir zumute. Und bis zu den Gipfeln dieser Welt,
bis zu den Achttausendern im Himalaja, ist es ein ganz langer Weg, auf
dem man sich langsam und vorsichtig hocharbeiten muß."
Was fasziniert Dich
so an Nepal?
Joey: "Ich mag die Höhe. Ich habe dort
mal einen Ultralauf gehabt, der bei 2000 Metern anfing. Der Höhepunkt
der 100 Meilen lag bei 5000 Metern und das war total spannend. Die Berge
strahlen etwas Starkes aus. Sie ziehen mich magisch an. Aber in erster
Linie bin ich Triathlet und laufe Ultra Marathons. Was das Bergsteigen
angeht, bin ich wirklich noch sehr grün. "
Du neigst zu Superlativen
Du bist als erster Mensch innerhalb von zwölf Monaten bei acht Ironman-Triathlons
ins Ziel gekommen und hast in der Zeit noch 120 Kelly Konzerte absolviert.
Wie geht so etwas?
Joey "Ich plane die Konzerte für die Familie,
deshalb kann ich das zeitlich gut koordinieren, daß es möglich
ist. Es war ein Ziel von mir, alle acht Ironman-Triathlons in einem Jahr
zu beenden. Die meisten Triathleten machen 2-3 im Jahr, aber ich kenne
viele, die das auch schaffen würden, wenn sie wollten. Man muß
sich da schon durchbeißen, aber in erster Linie muß man es
wirklich wollen. Der dritte Grund ist, daß ich sehr gerne arbeite.
Es bedeutet für mich keinen Streß. Ebenso ist das viele Reisen
kein Streßfaktor für mich."
Du erfüllst alle
Kriterien für einen "Weltbürger", weil Du ja viel
unterwegs und deshalb überall und zugleich nirgendwo zu hause bist.
Hat Deine Wahlheimat einen besonderen Grund?
Joey: " Ich liebe Europa ... der Unterschied
zwischen Norwegen und Spanien... also, die vielen Kulturen, die hier auf
kleinem Raum zusammentreffen, wenn man das mal mit den USA vergleicht.
Hier hat jedes Land so seine Eigenheiten, sowohl geographisch, als auch
kulturell. Es gibt gerade in Europa viele Menschen, die wirklich grundlos
jammern. Im Allgemeinen können wir Europäer uns wirklich nicht
beschweren. Zwar hat nicht jeder das Glück, mit dem was er mag, viel
Geld zu verdienen. Aber ich bin auch nicht durch meine Eltern reich geworden.
Ich habe meinen Erfolg 12 Jahre auf der Straße erarbeitet und arbeite
immer noch hart dafür. Wer wirklich etwas will, der schafft das hier
auch bzw. er hat hier zumindest eine reale Chance. Ich bin viel in der
Welt herumgekommen. Wenn Du in Indien geboren bist oder in irgendeinem
Ghetto in Südamerika, dann sinken deine Chancen gegen Null. Da haben
wir es in Europa verdammt gut."
Du hast als Musiker,
Manager einserseits, als Sportler andererseits eine geradezu extreme Doppelbelastung,
und noch so nebenbei ja Familie. Sieht die Dich überhaupt mal?
Joey: "Ich habe auch ein Büro zu Hause
und meine Frau ist selber sportlich aktiv. Sie hat mich auch schon als
Extremsportler kennengelernt, also so, wie ich heute eigentlich bin. Ich
habe das große Glück, daß wir sehr viel gemeinsam habenund
dass meine Frau mich unterstützt. So sehen wir uns öfter, als
beispielsweise Leute, die morgens um acht aus dem Haus gehen, arbeiten
und abends wieder heimkommen."
Bist du ein Familienmensch?
Joey: "Absolut. Meine Frau und mein Kind sind
das Größte für mich. Ich habe mich schon sehr auf das
Kind gefreut, als meine Frau schwanger war, aber als es da war ... es
ist so schön, ein tolles Gefühl! Als dann die Zeit kam, als
er laufen lernte... und seit ein paar Wochen sagt er "Papa, Papa"
... wenn Du so geweckt wirst, ist das Klasse! Klar, es ist manchmal nicht
einfach, aber du fühlst Dich ganz anders, wenn du nach Haus kommst,
und da ist ein kleiner Mensch, der sich vorbehaltlos freut, dass du da
bist."
Ist der Starrummel
um die Kelly Family eine Bedrohung für diese Idylle?
Joey: "Ich bin kein Star. Das ganze Prominentengehabe
ist so richtig scheiße! Ich bin bekannt, ich stehe in der Öffentlichkeit,
das gehört zu meinem Job. Es ist nicht immer einfach und der Erfolg
hat sicherlich auch seine Schattenseiten, aber ich kann mich nicht beschweren.
Mir geht es gut und ich liebe meine Arbeit. Wir sind in erster Linie Musiker,
machen das seit 25 Jahren. Wir komponieren, spielen und singen nicht nur,
sondern wir produzieren und managen uns auch selbst. In den letzten sieben
bis acht Jahren haben wir einen Erfolg damit gehabt, der unsere kühnsten
Träume übertraf. Es wird zwar ziemlich oft in der Presse über
uns berichtet, auch Dinge, die nicht stimmen oder die von den Presseleuten
mißverstanden wurden. Im Laufe der Zeit lernt man, da drüberzustehen."
Es war ja jetzt eine
geraume Zeit ruhig um die Kelly Family, zumindest, was neue Musik betrifft.
Dennoch seit ihr bei den Bravo Lesern noch sehr hoch im Kurs- Warum?
Joey: " Wir haben seit 3 Jahren keine neue
CD mehr veröffentlicht, nachdem wir eine Zeit lang fast jährlich
eine neue Platte gemacht haben. Die Pause war bewußt und sie war
auch nötig. Wir haben diesen Break gebraucht. Jetzt werden wir eine
neue CD veröffentlichen. Wir haben das große Glück, ein
sehr treues Publikum zu haben, das auch mitgewachsen ist."
Gibt es wo etwas,
wie den typischen KELLY Fan?
Joey: "Unsere Fans sind zu einem großen
Teil ganze Familien. Ich sage "Honest Workers", also ehrliche
Arbeiter zu diesen Menschen, keine Schicki- Mickies oder Intellektuelle,
aber das "Arbeiter" ist absolut nicht abwertend gemeint, so
wie ihr in Deutschland das Wort "Proleten" gebraucht. Es sind
Familien, so wie wir, die Kellys, auch eine Familie sind. Für sie
verkörpern wir ein Idealbild, weil sie uns immer nur dann sehen,
wenn wir vereint sind- durch die Musik. Denn natürlich sitzen wir
nicht tagtäglich an einem Tisch und bei uns wird auch mal gestritten.
Wir sind eine ganz normale Familie, nur, das wir eben Künstler sind,
ein wenig schräger, ein wenig anders."
Sind die Fans immer
noch so hysterisch?
Joey: "Es ist besser geworden, weil sie ja
auch älter geworden sind. Die Ziehereihen bei den Konzerten gibt
es nicht mehr. Und die Fans wissen auch, das wir das nicht mögen.
Tausend Kuscheltiere brauchen wir auch nicht. Das muß wirklich nicht
sein!"
Ich habe einige Webseiten
gesehen, auf denen Fans dazu aufrufen, die Verehrung auf die Musik zu
beschränken und euch darüber hinaus in Ruhe zu lassen...
Joey: "Das ist schon ein gute Sache, es gab
vor einiger Zeit schon ein paar Verrückte, die das übertrieben
haben, aber so etwas nennt man nicht "Fans". Diese hysterischen
Verehrer haben auch Madonna oder Westernhagen: Solchen "Fans"
ist das, was du als Musiker machst, egal. Die haben sich nur ein Opfer
ausgesucht, daß austauschbar ist. Das ist krank."
Es gibt ebenso viele
Kelly Fans, wie es Kelly Hasser gibt. Kannst Du mir erklären, warum
das gerade bei euch so massiv ist?
Joey: " Grundsätzlich hast du bei den
Leuten, die eine schlechte Meinung von Dir haben, nichts zu verlieren,
also hat das auch etwas Positives. Es war schon immer so, dass man die
Kelly Family geliebt oder gehaßt hat. Die uns nicht mögen,
haben aber auch bemerkt, daß wir keine Eintagsfliege sind. Wir sind
keine Band, die aus dem Nichts gekommen ist und so leicht kriegt man uns
auch nicht los. Also muß schon was dahinter sein. Leute, die uns
nicht mögen oder uns "hassen", die wissen gar nicht, was
wir sind. Die sollten einmal zum Konzert kommen, es sich ansehen und dann
urteilen. Ich schätze, dass es die Mehrheit sogar toll finden würde.
30% würden vielleicht sagen: OK, es ist nicht mein Fall, aber ich
habe Respekt vor dem, was sie tun, weil sie ihren eigenen Stil durchziehen."
Die Kelly Family waren einst Straßenmusikanten. Jene ursprüngliche
Liebe zum Musizieren... ist sie noch da oder hat sie der Erfolg, der Streß
und nicht zuletzt das Geld längst erdrückt?
Joey: "Ja, wir haben schon mal in Bamberg gespielt,
so vor 10 oder 12 Jahren auf dem Marktplatz. Wir waren überall in
Europa auf den Straßen unterwegs. Ich glaube, dass man am besten
auf einem Konzert entscheiden kann, ob etwas rüberkommt, oder ob
es nur noch für die Kohle ist. Eine Band muß sich immer weiterentwickeln
und an das glauben, was sie tut. Unserer neue CD wird beides beinhalten.
Wir haben uns verändert und sind uns doch treu geblieben. Wer als
Musiker das tut, was ihm wichtig ist, wer nicht nur versucht, krampfhaft
trendy zu sein, hat längerfristig auch den größeren Erfolg.
Und es ist für einen Musiker schon ein Riesenerfolg, wenn er von
seiner Kunst leben kann."
Gibt es auf dem Konzert
neue Lieder zu hören?
Joey: "Ja, wir werden neben unseren Hits sogar
zehn Lieder vom neuen Album spielen. Die neue Platte ist fertig und wir
bringen sie zeitgleich in Deutschland, Holland und der Schweiz heraus.
Wahrscheinlich wird die Platte später auch in Südamerika oder
Japan erscheinen.
Ihr werdet bzw. seid
inzwischen erwachsen... in den Herzen der Fans werdet ihr ewig Kinder
bleiben. Wie geht man damit um?
Joey: " Wir treten immer so auf, wie wir wirklich
sind und versuchen auch nicht, irgend einer Vorstellung zu entsprechen.
Vielleicht kann die neue CD dieses Image ein wenig verändern, wenn
es denn so ist."
Ihr seid wohl die
einzige Band, die älter ist als einige ihrer Mitglieder. Gibt es
eine Next Generation bei den Kellys... ?
Joey: "Das stimmt, Angelo, Maite & Paddy
und sind reingeboren. Es gibt schon eine neue Generation, aber jeder muß
für sein Kind selbst entscheiden, welche Dinge er fördert. Und
am Ende entscheidet das Kind selbst, was es im Leben tut. Ich kann es
mir heute nicht vorstellen, denn wenn unsere Kinder alt genug sind für
die Band ... bin ich 50 Jahre. Der Altersunterschied ist schon sehr groß
und das ist noch eine lange Zeit. Ich wünsche mir ersteinmal, daß
sich mein Sohn für Sport, Musik und für Sprachen interessiert,
weil diese drei Dinge mich in meinem Leben sehr weit gebracht haben."
Botschaft an die Welt,
Maxime oder famous last words?
Joey: "Ich glaube, andere zu behandeln, wir
man selbst gern behandelt wird, ist eine gute Lebensmaxime. Ich halte
nichts davon, Politik und Religion mit Musik zu verknüpfen. Ich bin
katholisch getauft, so wie 98% aller Iren und mein Sohn ist es auch, es
gehört irgendwie dazu. Aber letztendlich muß er eines Tages
selber entscheiden, an was er wie fest glaubt, so wie das jeder Mensch
für sich selbst tun muß."
Ich danke für
das aufschlußreiche Interview! Thomas Manegold
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JOEY KELLY "No
limits"
Gebundene
Ausgabe - 128 Seiten - Sportverlag, Berlin
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 3328009299
Preis: DM 48,90


JOEY
KELLY (28)
Familienvater,
Musiker, Manager,
Extremsportler

Kelly
Family
Freitag, 4. Januar 2002
BAMBERG
- FORUM

Kelly
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Videoauszug zu
"Mama"
www.kellyfamily.de
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