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Was für
einungewöhnlicher Titel für einen Artikel über die LETZTE
INSTANZ, aber irgendwie passend. Weil die Band aus sieben Musikern besteht,
die zudem lebendiger, als jemals zuvor sind, weil die Band scheinbar sieben
katzengleiche Leben hat und mindestens so viele Besetzungswechsel hinter
sich, weil sie mehr als einmal in den Abgrund fiel und auf den Füßen
landete... Und dennoch ist die LETZTE INSTANZ unverwechselbar und gehört
zu den fleißigsten und herausragendsten Livebands, die dieses Land
beackern.
Mit den letzten beiden Alben "Ins Licht" und
"Wir sind Gold" wurde zudem ein gänzlich neues Kapitel
aufgeschlagen, als Sänger Robin ging und mit Holly ein mehr als nur
akzeptabler Ersatz kam. Die Alben und deren Liveumsetzung läuteten
die bis dato erfolgreichste Phase der Band ein. Mit "Sonne"
und "Morgenrot" zog die LETZTE INSTANZ wieder in die Clubs ein
und präsentierte zudem stadiontaugliche Hymnen, wie "Das Stimmlein"
oder das Inchtabokatables Cover "Wir sind allein", ohne den
Pfad des gehobenen Anspruchs zu verlassen. Anläßlich des zweiten
Gastspiels einer meiner wenigen Lieblingsbands im Top Act Zapfendorf,
ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, ein erstes Interview
mit der neuen Stimme der LETZTEN INSTANZ zu führen
Wie siehst Du, quasi als Neuer im Team, die ersten Tage
Deiner Band?
Holly: "Ich weiß recht wenig darüber, nicht zuletzt
wahrscheinlich auch, weil sich meine Kollegen auch nicht mehr so gut daran
erinnern können. Immerhin sind es jetzt knapp zehn Jahre, in denen
diese Band durch Höhen und Tiefen gerauscht ist und mehr Mitgliederwechsel
erfahren hat, als jede andere mir bekannte Band".
Was hat Dich bewogen, nach dem Weggang des Sängers
bei der Letzten Instanz einzusteigen?
Holly: "Der treuherzige Blick von Herrn Stolz ;o) und die Sympathie
zu den anderen Bandmitgliedern. Kennengelernt habe ich die Band durch
einen beidseitig befreundeten Produzenten, der uns sozusagen zusammengeführt
hat. Ich vermißte eine Band und die Letzte Instanz vermißte
einen Sänger."
War es ein schweres Erbe?
Holly: "Das kann ich nicht so recht beurteilen. Robin hat diese
Band schon weit nach vorn gebracht. Er hat sie aber auch tief fallen lassen.
Das sich die Letzte Instanz dabei nicht das Genick gebrochen hat, verdanken
wir in erster Linie den Fans und Freunden der Band, die uns aufgefangen
haben; die ersten Schmerzstunden gefasst ertragen haben. Sie waren es
auch, die mir mein Erbe in dem Sinne erleichterten. Die mich aufnahmen
in die Instanz –Gemeinschaft und die mir immer noch so manches verzeihen."
Seit dem Neuanfang klingt alles etwas runder. Statt Experimenten scheinen
die verschiedenen Einflüsse nun zu einem ganzen zu verschmelzen.
Liegt das an den “Neuen” oder am “Älterwerden”?
Holly: "Das hat viele Gründe. In erster Linie liegt es wohl
daran, dass sich jeder Einzelne von uns weiter entwickelt – charakterlich,
wie auch musikalisch. Ich bin wahrscheinlich schuld daran, das es „weicher“
klingt. Das gesamte neue Hörgefühl „Letzte Instanz“
begründet sich in der ehemaligen und nun neu aufgefüllten Vakanz
der Komponistenstellen. Das es besser klingt liegt am Älter werden."
Wie bewältigt ihr die vielen Auftritte im Jahr, ohne
darunter zu leiden oder auszubrennen?
Holly: "Als wir noch jung waren, soffen wir hartes Zeug, rauchten
komische Sachen, und lagen beim Sex unten. Heute trinken wir mäßig,
die Nichtraucher sind in der Überzahl, die Vegetarier drohen es zu
werden und jeder Dritte versenkt sich im Joga."
Ist ein Pseudonym so etwas wie eine gesunde Distanz zu
diesem Zirkus?
Holly: "Wahrscheinlich… darüber habe ich noch nicht
nachgedacht. Meine Mutter nennt mich Holl, meine Frau und meine Freunde
nennen mich Holly, seit ich der Pubertät entwachsen bin. Das ist
zwar noch nicht so lange her, hat in meinem Falle aber nichts mit der
Musik und dem sich auf der Bühne verstecken zu tun. Woher kommen
Spitznamen? Sind sie vielleicht manchmal ein generelles Pseudonym für
eine spezielle Welt?"
Was ist es, dass euch trotz dieser vielen Gigs euer Publikum
immer wieder motiviert. Sicherlich sehen nicht wenige die Letzte Instanz
mehrmals im Jahr...
Holly: "Unser Beruf ist Künstler und unsere Berufung zu
unterhalten. Wie sollen wir Leute unterhalten, wenn sie uns auf den Sack
gehen? Wenn es soweit ist, bin ich weg. Meine Motivation ist es, Leute
zu bestimmten dingen zu motivieren. Das können ganz spontane Dinge
sein, wie zum Beispiel, sich vor die Bühne in den Schlamm zu setzen
oder langfristig und durchdacht die Leute vor der Bühne an die Hand
zu nehmen um mit Ihnen in Gedankenwelten abzutauchen… auch das nur
ein Beispiel…"
Auch wenn es vielleicht genervt hat, so wurde nach Deinem
Einstieg doch sehr ausgiebig über Deinen Stil, Texte zu schreiben,
diskutiert. Mal abgesehen, daß ich das nicht nachvollziehen konnte,
da ich schon Ähnlichkeiten in den alten und neuen Texten ausmachen
konnte...
Holly: "Das habe ich an mir vorüber ziehen lassen. Kritik
sollte immer und durch jeden möglich sein, so lange der Ton gewahrt
bleibt. Das ich nicht Robin bin, war den Ersten schon nach den ersten
drei Konzerten klar und einige verabschieden sich immer noch mit „Lass
mal die Haare wieder wachsen, Robin“ Ich find es nicht schlimm und
es zeigt, daß es wohl auch nicht überbewertet werden sollte".
Aber dieser Disput doch eigentlich ein dickes Kompliment
an die Band. Schließlich machen sich andere Communities weitaus
seltener so einen Kopf. Warum haben die Texte so einen überdurchschnittlich
hohen Stellenwert bei euren Fans?
Holly: "Vielleicht haben wir die geistige Elite des Landes aus
Versehen vor der Bühne? Ich habe keine Ahnung, finde es aber als
Texter natürlich super, daß meiner Arbeit ein so hoher Stellenwert
eingeräumt wird."
Wie ist die Arbeit an Musik und Texten bei euch gegenwärtig
aufgeteilt?
Holly: "Bislang habe ich zu den letzten beiden Alben „Ins
Licht“ und „Wir sind Gold“ die Texte geschrieben und
sitze derzeit auch am „weißen Lied“, unserem nächsten
Album, welches im Dezember rauskommen soll. Kompositorisch waren da Insbesondere
Herr Stolz und Oli kreativ, während Letzterem mittlerweile schon
der „Mastermind“- oder Produzenten-Titel gebührt."
Seid ihr immer noch eine demokratische Band... So mit
Abstimmen...??
Holly: "Ja. In Olis Studio dürfen wir immer machen, was
er will…"
Und das funktioniert??
Holly: "Super. All zu viele Köche fressen nur den Topp leer,
bevor der Brei verdorben ist".
In deinen Texten spiegelt sich eine tiefgehende Weltsicht
und innere Ruhe... Dein Lieblingsfilm ist wirklich Top Gun ??
Holly: "Das ist schon ein paar Jahre her. Mittlerweile schaue
ich mir Filme wie (aktuell: Letzte Woche mit Holly D.) „Simpsons“
oder „Big Lebowski“ an. Ich kann auch lachen. Ansonsten bevorzuge
ich tatsächlich Ruhe, auch wenn mein Leben gerade alles andere als
ruhig verläuft, aber Rock’n Roll ist ja bekanntlich keine Hängematte.
Das du das so siehst, ehrt mich aber und zeigt, das ich auf dem richtigen
Weg bin."
“Morgenrot” ist ein sehr apokalyptisches Lied
und daher irgendwie religiös... Und es geht unter die Haut. Endzeit?
Holly: "Würde ich nicht sagen. Die Menschheit hat eine Daseinsberechtigung
und kann noch vieles richtig machen. Manchmal müssen Menschen aber
eben doch mal auf diverse Probleme gestoßen und zum Nachdenken gebeten
werden. Da haben gerade Leute aus unserer Branche eine Verantwortung,
mit der nicht leichtfertig umgegangen werden sollte."
Siehst Du Dich als Sprachrohr der Band, hast Du künstlerisch
einen besonderen Anspruch... Ein Ziel, vielleicht etwas zu verändern...?
Holly: "Im wahrsten Sinne bin ich wohl das Sprachrohr, wir reden
jedoch in der Band darüber, was aus mir heraus poltern sollte. Ich
glaube aber nicht, das mein Anspruch ein Besonderer ist. Vielmehr gehört
es doch neben Aufmerksamkeitsdefizit doch zum allgemeinen Krankheitsbild
eines jeden Künstlers, die Welt verändern zu wollen. Obwohl
ich da wiederum sagen würde, das ich nicht unbedingt groß missionarisch
tätig bin. Ich lasse einfach meine Gedanken auf den Melodien der
Band reiten."
“Nimm mich!” vom vorherigen Album “Ins
Licht” spricht zu einem Menschen, der emotional und energetisch
Menschen aussaugt. Die gibt’s wie Sand am Meer und so spricht er
bestimmt nicht nur mir aus der Seele. Wie sieht Dein Lieblingsmensch aus,
also die Idealvorstellung Deines Gegenübers...?
Holly: "Kommt auf die Uhrzeit an. Manchmal blaue Augen, lange
Haare und … Naja, das meinst du wohl nicht... Ich wäre gern
durchdacht, ruhig, unvoreingenommen, tolerant und wünsche mir das
natürlich auch von meinem Gegenüber. All zu schlimm ist es aber
auch nicht, wenn er nicht so ist, denn ich bin es ja auch nicht immer.
Wenn es hart auf hart kommt, gibt es Lieder wie „Maskenball“,
„Krieg der Herzen“, oder eben auch „Nimm mich“
Wie versuchst Du selbst diesem Ideal gerecht zu werden?
Holly: "Ich versuche mich, dahin gehend selbst zu motivieren,
lasse mir Wege von anderen aufzeigen und stelle immer wieder fest: mein
Weg ist noch relativ lang."
Oh, jenes innere Schweigen aus “Meine innere Stimme”
kenne ich. Wann oder wobei verliert man denn den 6. Sinn, den Bauch, das
Ahnen?
Holly: "Ich weiß nicht so genau, wann oder besser gesagt
in welchem biologischen Stadium ich meinen in die dunkelste Gehirnwindung
gedrängt habe. Ich denke Auslöser dafür waren irgendwann
Zweifel und Mißtrauen mir und anderen gegenüber. Realitäres
Denken und logische „Meinungserziehung“ werden auch ihr Übriges
getan haben…"
Bist Du eher ein Bauchmensch?
Holly: "Ich wäre es gern wieder."
Deine Stimme hat sich zwischen den beiden Alben merklich
entwickelt. Besonders in den hohen Lagen ist sie souveränern geworden.
Unterricht genommen oder war es das harte Training auf Tour?
Holly: "Nein, das Bett, das die Jungs mir gebaut haben ist weicher
und breiter geworden."
Was erwartet uns in der Zukunft von der Letzten Instanz?
Holly: "In naher Zukunft unser neues Album „Das weiße
Lied“ und natürlich viele weitere Konzerte. Es gibt noch viele
Ideen, die aber erst noch ausgesponnen werden müssen."
Was erwartest Du von der Zukunft?
Holly: "Ich versuche, meine Erwartungen nicht zu hochzuschrauben,
hoffe aber doch auf ein wenig Entspannung, global und persönlich."
Ich danke für das Interview.
Thomas
Manegold
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"Die Menschheit
hat eine Daseinsberechtigung und kann noch vieles richtig machen. Manchmal
müssen Menschen aber eben doch mal auf diverse Probleme gestoßen
und zum Nachdenken gebeten werden."
Holly
"Als wir noch jung waren,
soffen wir hartes Zeug, rauchten komische Sachen, und lagen beim Sex unten.
Heute trinken wir mäßig, die Nichtraucher sind in der Überzahl,
die Vegetarier drohen es zu werden und jeder Dritte versenkt sich im Joga."
Holly
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Fr.21.09.
2007
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