: INTERVIEW 1: INTERVIEW 2

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Februar 2000 (1)

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Eskil Simonsson (voc)

 

 

 Clas Nachmanson

 

 

 

MP3 File : "COVENANT - No Mans Land" < 1MB
MP3 File : "COVENANT - No Mans Land" < 1MB

  Ich kann mich noch ganz genau an "STALKER" erinnern. Mit der ersten CD aus der Serie "The O- Files" und dem darauf enthaltenen Club Mix des COVENANT - Songs löste das damalige Label Off Beat einen Boom aus. Ich habe das Lied ein Jahr später gehaßt.... weil ich es immer noch zu jeder Veranstaltung auflegen mußte....
Das schwedische Trio hat nun mit "United States Of Mind" ein vielseitiges und emotionsgeladenes Tanzflur- Album veröffentlicht, daß selbst mich kranken Skeptiker ebenso überzeugt hat, wie den Sympathisanten Werk_A.
Deshalb wollten wir unbedingt ein bißchen mehr erfahren, als "One World, One Sky, We Live, We Die" .... und wir wurden angenehm überrascht. Das Interview mit Joakim Montelius ist eines der besten, die ich jemals führen durfte, ach ja und Herr von Prümmer dürfte einen Seelenverwandten gefunden haben..... (ToM)

Du kommst aus Schweden. Kannst du dich an ABBA erinnern?
Joakim Montelius: "Das ist, als ob du einen Deutschen fragst, ob er sich an die RAF erinnern kann. ABBA gehùrt untrennbar zur schwedischen Kultur. Mehr noch, ABBA ist ein natÙrlicher Bestandteil davon, so wie keine andere Popgruppe es jemals irgendwo sein kùnnte. (au¤er vielleicht Elvis in Amerika) And they made really good music too!"
Und deine Mùbel sind bestimmt von IKEA?
J.M.: "Ich denke, jeder schwedische Haushalt hat mindestens ein IKEA- Teil rumstehen. Ja, sogar im Kùnigspalast stehen IKEA Mùbel! IKEA ist die Antwort der Mùbelindsutrie auf ABBA (hmm, I wonder why Swedish cultural imperialism has such a love for capital letters?). Aber das geht in Ordnung. IKEA bietet wirklich was fÙr's Geld. Die Mùbel sind gut designed, clever konstruiert und billig, ohne dabei billig auszusehen. Ich habe zum Beispiel ein IKEA Sofa und einen antiken Kaffeetisch. Zusammen sieht das viel teurer aus, als es im Endeffekt war. That's cool."
Warum hat COVENANT (capital letters!) nach der straighten "Europa"- CD nun ein stilistisch so vielseitiges Werk verùffentlicht?
J.M.: "Die Frage beantwortet sich fast selbst. Wir waren nach der "Europa"- CD der Meinung, genug straighte Musik gemacht zu haben. Deshalb wollten wir unseren Horizont erweitern und ein richtiges Album aufnehmen, anstatt wieder eine Club-Hit Collection! Wir wollten damit uns und unseren Fans zeigen, da¤ COVENANT mehr ist, als ein "hard-hitting dance-floor dominator".

"UNITED STATES OF MIND" ist ein sehr emotionales und silistisch ausgereiftes Album geworden.
J.M.: "Es spiegelt eine Menge gefÙhle wider: Trauer Zorn, Angst, Liebe, GlÙck, Bedauern, ƒDer Hùrer sollte nicht das GefÙhl haben, da¤ irgendetwas fehlt. Eine Vereinigung verschiedener Stimmungen und Seelenzust¹nde unter einem Namen, auf einem Album. Unter Anderem hei¤t deshalb das Album "UNITED STATES OF MIND"."

Hinter dem Wortspiel steckt "Future Pop". Das sagt zumindest euer Label DEPENDENT. Glaubst Du, das ist die Zukunft der Musik?
J.M.: "Wir glauben das. Wir haben unsere Version der Musik fÙr die Zukunft auf jedem Album verùffentlicht. "UNITED STATES OF MIND" ist die Zukunftsmusik, wie wir sie HEUTE sehen. Und das n¹chste Album wird demzufolge wieder anders, weil es unmùglich ist, endgÙltige Zukunftsmusik zu machen. Die Zukunft ist eben immer einen Schritt voraus. A paradox, sure, but still a great target to aim for."
Denkst Du, "UNITED STATES OF MIND" wird fÙr euch zu einer Art Ausbruch aus der typischen Elektroszene?
J.M.: "Ich hoffe es. Wir glauben, da¤ Grenzen flie¤end sind und wir denken multikulturell. Eine Menge popul¹rer DanceActs, zum Beispiel die Chemical Brothers oder Detroit black techno DJs wie Jeff Mills und DJ T1000, sind sehr stark beeinflu¤t von EBM der ersten Stunde. Und wir nutzen ihren Sound, der ja aus den selben Wurzeln kommt, um die Elektroszene zu erneuern. Damit schlie¤t sich der Kreis.

Schau' dir die sterbende Drum`n Bass Szene an: Alles begann mit einem recycling alter Ideen und irgendwann ging es nicht mehr weiter. Der Hùhepunkt war vor ein paar Jahren erreicht mit den LTJ Bukem Logical Progression compilations oder Squarepusher's wegweisenden Alben auf "Warp". Aber plùtzlich fanden ein paar hyperkommerzielle R`n`B- Produzenten einen Weg, diesen Sound mit zuckersÙ¤er Soulmusik zu verbinden. Voilà: a new style and a rebirth for a classic genre. Ein anderes Beispiel ist Primal Scream`s Klassiker "Screamadelica" der Indie Pop mit Dub und House verband und damit der Grundstein fÙr die ganze Manchester Szene in den frÙhen Neunzigern war. Ich denke, wir haben mehr geschafft, als nur dem alten EBM- Gespenst ein Funken Leben einzuhauchen. Wir redefinieren die elektronische Musik und wir suchen nach neuen Wegen in eine Zukunft, und das kann man unmùglich innerhalb irgendeiner Szene tun! We have to transgress the borders and look down on ourselves to get the proper perspective."
Wir als Beobachter denken, daß die Elektroszene stagniert. Was meinst du?
J.M.: "Ja und nein. Zumindest sind da eine Menge Bands, die offensichtlich in einer stagnanten MusikSzene beheimatet sind. Es existierten noch nie so viele EBM- Bands zur selben Zeit, wie das heute der Fall ist. Da gibt es Funker Vogt, Evils Toy, Flesh Field, Lights of Euphoria, C-Tec, Velvet Acid Christ, In Strict Confidence etc. etc. Aber wenn wir die Szene weiterentwickeln und somit am Leben erhalten wollen, mÙssen wir einsehen, da¤ wir der Gegenwart nicht musikalische Werte aufzwingen kùnnen, die 10 oder 15 Jahre alt sind. Die Welt ver¹ndert sich, Musik ver¹ndert sich und wir ver¹ndern uns, egal ob wir das wollen oder nicht. Wir haben nur die Wahl, entweder aufzuwachen und vorw¹rts zu gehen ohne zurÙckzuschauen, oder stehen zu bleiben und langsam zu verfaulen."

Das scheint aber, trotz neuem Jahrtausend und Aufbruchstimmung niemanden zu interessieren.... Man wehrt sich gegen Neues, und das nicht nur in der Electro Scene....

J.M.: "If you can't fight it, embrace it." sagt ein Sprichwort. Und ich habe den Eindruck, da¤ viele Menschen so gegen etwas ank¹mpfen, da¤ viel besser ist, als das, was sie im Moment haben. Es erinnert mich ein bi¤chen an die MaschinenstÙrmer im 19. Jahrhundert, an jene Arbeiter, die Dampfmaschinen zerstùrten, weil sie Angst vor der Zukunft hatten. Die Zukunft ist nur dann gef¹hrlich, wenn sie dich Ùberholt hat. Wenn du dich auf deine Zehenspitzen stellst, kannst du die Zeichen der Zeit erkennen. Dann hast du auch ein Chance, die Dinge zu sehen, die kommen werden. Move or be removed."(WEITER)

     
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