Innovation
ist selten. Masse statt Klasse ist angesagt. Um so mehr läßt dann
eine CD wie „Das Spiel" den von allen Seiten zugedröhnten Musikliebhaber
aufhorchen. Wer ist das ? DIE LETZTE INSTANZ. Nie gehört? Ein Septett,
daß es seit 1997 gibt, das eine verhältnismäßig unbeachtete erste
CD namens „Brachialromantik" 1998 veröffentlichte und nun mit „DAS
SPIEL" ihrem Namen in Sachen Stilmix alle Ehre macht.
Die jetzt schon glorreichen Sieben dürften vom Mittelalterboom ganz
gut profitieren, obwohl sie musikalisch ganz andere Ambitionen hegen.
L.I.: „Ja, die Klassik ist eigentlich unser
Ding. Die vereinzelten mittelalterlichen Stücke sind mehr oder weniger
„Zufall". Mittelalter ist zwar zur Zeit unheimlich angesagt, gibt
aber stilistisch nicht viel her, wenn man das längerfristig betrachtet."
Warum hat man früher von euch nichts gehört?
L.I.: „Mit der ersten CD hatten wir nicht jenes
Medieninteresse hervorrufen können. Trotzdem ist „Brachialromantik"
bestimmt keine schlechte Platte. Mit Andromeda haben wir gewissermaßen
neu angefangen."
Ihr scheint alle aus unterschiedlichen Ecken zu kommen. Wie sonst
könnte man sich dieses brachiale
„Love Is A Shield" Cover erklären. Bestimmt kommt der Gitarrist
aus der Hardcore/ Metal- Ecke.
L.I.: „Viele unserer Stücke entstehen auf der
Gitarre. Tin, der Gitarrist kommt aus der Metalszene der frühen 90er
Jahre. Stilistisch ist da aber nicht mehr viel übrig geblieben."
Man könnte die LETZTE INSTANZ aber auch in die Folklore- Ecke stecken,
bloß da paßt sie genau so gut oder schlecht rein, wie die Inchtabokatables.
Ja ja, ich weiß, der Musiker hört solche Vergleiche nicht so gern,
allerdings ist der Journalist ein bißchen darauf angewiesen, um sich
verständlich zu machen.
L.I.: „Uns hat eure CD- Kritik sehr gut gefallen.
Genau so wollen wir uns verstanden wissen. Warum vergleicht man uns
aber immer mit SUBWAY
TO SALLY. Wir sehen da eigentlich keine Parallelen."
Vielleicht vereint euch die geschickte Einbindung der verschiedenen
Elemente aus Metal, Folk und Mittelalter. Bei der LETZTEN INSTANZ
kommen aber neben der Klassik auch noch gaaanz viele andere Elemente
in den Kochtopf. Trotzdem kann man die Musik im ausklingenden Jahrtausend
nicht neu erfinden, auch wenn man es versteht, die verschiedenen Elemente
wie keine andere Band miteinander zu verschmelzen. Dafür sind eure
Texte aber einzigartig, egal ob sie in richtung Lyrik oder in Richtung
Schüttelreim tendieren!
L.I.: „Wir geben uns mit den Texten viel Mühe.
Wenn man das nicht tut, braucht man nicht deutsch singen. Deutsche
Texte sind allgemein ziemlich schwierig und auf jeden Fall eine Geschmacksfrage....
Auf der einen Seite muß der Text auch als Gedicht durchgehen und zudem
live, wenn man eben nicht mehr alles versteht, inhaltlich nachvollziehbar
sein. Deshalb schreiben wir die Texte meist auf die Musik und achten
darauf, das die Musik den Text „transportiert., auch wenn er live
manchmal nur noch aus Wortfetzen besteht."
Warum malt ihr euch eigentlich an? Solche Effekthaschereien habt ihr
doch nicht nötig. Macht euch das interessanter?
L.I.: „ Das Make-up war von Anfang an ein Bestandteil
unserer Livepräsenz. Es wahrt eine gewisse Distanz zu sich selbst
und, du hast recht, es sieht interessanter aus. Es macht das ganze
spannend für den Betrachter. Außerdem präsentiert es uns als eine
Gemeinschaft."
Und diese Gemeinschaft ist emsig auf dem Weg nach oben.
L.I.: „....und manchmal ein bißchen zu ehrgeizig."
Das muß ja nicht unbedingt schlecht sein.
L.I.: „Wir sind von Zeit zu Zeit etwas ungeduldig.
Es kann eben manchmal nicht schnell genug gehen. Wir setzen momentan
alles daran, den Laden zum Laufen zu bringen"
...was wohl soviel bedeutet, wie vom Geheimtip zum Tagesgespräch zu
werden. Das Potential dazu hat die Band auf jeden Fall, ist sie doch
auch live eine Ausnahme erster Güte. L.I.: „ Wir wollen gern irgendwann
einmal ein Akustikprogramm mit erweiterter Klassikbesetzung auf die
Beine stellen und damit auf Tour gehen."
Mit dieser Vision ist die LETZTE INSTANZ bestens gerüstet im Daseinskampf
auf dem dichtgedrängten Musikermarkt, der immer weniger Platten verkauft.
L.I.: „ Wir sehen das nicht unbedingt so negativ.
In der letzten Zeit haben es viele gute Bands ins Airplay geschafft.
Man denke da nur an H- Blockx und Guano Apes. Das ist nicht ausschließlich
ein Kampf, und wenn, sind wir stilistsich als Band davon nicht unbedingt
betroffen. Auch wenn wir sehr viel an uns und unseren Fertigkeiten
arbeiten, geht es nicht darum, besser zu sein, sondern seine Version
von Musik so überzeugend wie möglich darzubieten."
Wenn alle so denken, wäre das wohl das Musikerparadies auf Erden.
Thomas Manegold
fotos
www.letzte-instanz.de