Nightwish: „Imaginaerum“ (Filmkritik)

Quelle: www.imaginaerum.com

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Dass Metalbands Filme drehen scheint ja langsam in Mode zu kommen. Cradle of Filth haben es vor einigen Jahren mit „Cradle of Fear“ vorgemacht und auch die finnischen Hardrocker LORDI ließen sich mit dem Film „The Kin“ cineastisch verewigen. Nun also auch Nightwish, die ihren Kinofilm „Imaginaerum“ präsentieren, der am 18. März in Deutschland anläuft.

Was als erstes auffällt ist die fast durchgehende Abwesenheit der Band und der bandtypischen Metalklänge. Wer hier ein Metal-Musical erwartet wird leider enttäuscht: Die Band selbst, stimmlich noch durch Anette Olzon vertreten, ist nur in drei gekürzten und in die Handlung eingebundenen Songs zu hören und auch nur in zwei Szenen zu sehen. Einzig Tuomas selbst zeigt sich etwas öfter auf der Leinwand. Der Rest des Soundtracks besteht aus neu arrangierten und orchestrierten Musikstücken die vom Komponisten Petri Alanko für den Film, inspiriert durch das Nightwish-Album gleichen Namens, komponiert und dirigiert wurden.

Wenig Nightwish für einen Film von Nightwish, oder? Kann denn wenigstens Story und visuelle Darreichung überzeugen? Hier ein eindeutiges: Schon… irgendwie.
Imaginaerum handelt vom im Sterben liegenden Komponisten Tom Whitman (Francis X. McCarthy) und der Gedankenwelt eines alten, demenzkranken Mannes, sowie seinem Kampf gegen den Verlust seiner Erinnerungen und damit seiner eigenen Identität. Was sich anhört wie eine ZDF-Doku, ist in Wirklichkeit eine computergenerierte, buchstäbliche Achterbahnfahrt durch eine verwirrende Fantasiewelt im immer gleichen fröstelnden Dunkelblau, welches jedoch gut die bedrückende Stimmung des Films unterstreicht. In Gestalt seines zehn jährigen Alter-Egos (Quinn Lord) und begleitet von einem äußerst gespenstischen Schneemann namens Mr. White erlebt Tom Stationen und Motive seines Lebens in surrealistischen Szenerien erneut – auf der Suche nach der einen Sache an die es sich zu Erinnern lohnt und um Frieden mit seiner Vergangenheit und seinem Vater zu schliessen. Zeitgleich versuchen seine Tochter Gem (Marianne Farley) und Toms ehemalige Musikerkollegin und beste Freundin Ann (Joanna Noyes), ihre Teile der Vergangenheit und die frühere Verbindung mit ihm wiederherzustellen, die durch die langen Jahre der Krankheit verloren ging.

Quelle: www.imaginaerum.com

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Nightwish-Gründer Tuomas Holopainen und Regisseur Stobe Harju ist es mit „Imaginaerum“ gelungen die verdrehte Gedankenwelt eines sterbenden alten Mannes zu einem bewegenden Kinoerlebnis zu machen, das zwar optisch zu beeindrucken weiß, aber stellenweise sehr verworren und undurchsichtig ist. Dies mag zwar sinnvoll sein, wenn man die Gedanken eines Demenzkranken veranschaulichen will, erschwert aber, der Handlung zu folgen –  bis sich am Schluß doch alles zusammenfügt und aus dem Hä?- ein Aha!-Erlebnis wird.

Wer also den Film nur wegen der beteiligten Band sehen will, sollte darüber noch einmal kurz innehalten und sich fragen, ob er sich mit dem Rest des, mit etwas weniger als 90 Minuten recht kurzen Films anfreunden kann. Wer jedoch fantastische Filme mit einem großartigen Soundtrack und hervorragenden visuellen Szenerien mag, sollte ruhig einen Blick riskieren.

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Benjamin Koser

Benjamin wurde in der ehemaligen Enklave West-Berlin geboren und ist in der Idylle eines Einfamilienhauses in 500 Meter Entfernung zur Mauer aufgewachsen. Das hat ihm allerdings nur bedingt geschadet. Nach vier Jahren im Dienste der deutschen Luftwaffe ohne einen Krieg zu beginnen, wandte er sich zivilisierteren und später kulturelleren Beschäftigungen zu. Über ein CD-Presswerk, einen Werbemittel-Großhandel und dem telefonischen Kundendienst bei AOL gelangte er zur besonders profitablen Untergrund-Kunst und machte sich schließlich selbstständig. Heute sitzt er in seinem Tempelhofer Anwesen, zählt sein Geld und scheucht Musiker und Autoren von Auftrittsort zu Auftrittsort. Bei Subkultur seit Februar 2013.

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2 Kommentare zu “Nightwish: „Imaginaerum“ (Filmkritik)
  1. PhoenixMIX sagt:

    Der Film ist mit FSK 12 falsch eingestuft worden. Imaginaerum ist definitiv für 16 Jahre. Er ist traurig, verstörend und undurchsichtig. Nur Tod und laute Musik, wechseln sich ab mit Szenen in denen man meist nur 2 Personen sieht. Manchmal sind sie auch zu dritt. Aber das rettet, dass eintönige Schema des Filmes auch nicht.

    • jela sagt:

      Ich finde auch das FSK 12 falsch ist der Film sollte mit FSK 16 ausgezeichnet werden denn er ist schon sehr heftig die Story (Selbstmord , Trauer , schlechte Kindheit u.s.w ) und dazu noch sehr verwirrend.

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