Katja Angenent über den Hang zu Gothic Novels, das Fürchten und Live-Rollenspiele

 In ihrem Debüt „Die alte Freundin Dunkelheit“ erzählt Katja Angenent in 18 klassischen Schauergeschichten von unerwünschten Besuchern aus dem Jenseits, die in finsteren Klosterkellern oder auf nebelumwundenen Friedhöfen warten. Mit ihren Geschichten über hintergangene Könige, reißerische Wölfe und ganz normale Menschen regt sie ihre Leser zum Gruseln an. Was für eine Person hinter dem ganzen Schauder steckt, haben wir im Interview mit ihr erfahren.

Hast du immer schon gerne düstere Geschichten geschrieben?
Katja: Ohja, schon als Dreijährige 😉 Nein, im Ernst: Ich glaube schon in meiner Teenagerzeit habe ich angefangen, mich für die dunkle Seite des Mondes zu interessieren.

Dieses Interesse hat ganz offensichtlich auch dein Schreiben beeinflusst. Ist Horror auch dein liebstes Lektüre-Genre?
Katja: Mich hat schon immer das Geheimnisvolle interessiert, das Rätselhafte, Unaufgelöste, das Schweben zwischen den Dingen. Ein Geheimnis ist ja nur so lange spannend, bis es gelöst wird. Danach wird es ordinär. Am liebsten lese ich Gothic-Novels. Und Horrorfilme kann ich übrigens überhaupt nicht schauen. Ganz im Ernst: Die sind mir viel zu gruselig.

Das hätte ich jetzt nicht erwartet, dann bleiben wir mal lieber bei der Literatur. Was fasziniert dich an der englischen Gothic-Novel?
Katja: Die Engländer gelten ja nicht ohne Grund als Begründer des Genres und ich habe mich viel damit in meinem Studium der Literaturwissenschaften damit auseinandergesetzt. Die englischen Klassiker strotzen ja nur so vor alten Burgen, einsamen Gebirgsschluchten und geheimnisvollen Männern.

Was ist deine liebste Gothic-Novel?
Katja: Wie soll man sich da für einen Favoriten entscheiden? 😉 Während meines Studium hat mich „The Woman in White“ von Wilkie Collins sehr beeindruckt, aber die seitenlangen Landschaftsbeschreibungen sollte man tunlichst überblättern. Später habe ich „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte verschlungen. Das ist auch einfach gut gemacht. „Northanger Abbey“ von Jane Austen ist auch nicht ohne Grund ein Klassiker, auch wenn Austen das Genre eigentlich persifliert. Und „Dracula“ lässt sich auch heute noch ganz gemütlich weglesen – ach, es gibt so viele tolle Bücher. Das müssen auch nicht immer Gothic Novels sein – bei mir hilft es aber 😉

Wie sehr interessiert dich Geschichte denn generell?
Katja: Ich bin ein echter Geschichtsnerd und freue mich wie ein Keks, wenn ich da mal etwas Neues lerne. In die Geschichte eintauchen, das ist wie eine fremde Kultur studieren. Für mich gibt es fast nichts spannenderes. Das habe ich von meinem Vater, der hat sich schon immer für Geschichte interessiert. Historische Orte wecken darüber hinaus oft meine Phantasie, dann kommen die Geschichten ganz von allein.

In „Northanger Abbey“ spielt ja Mister Tilneys Abtei und ihre düstere Atmosphäre eine maßgebliche Rolle für Catherines Angst und Gruselfantasien. Deine Geschichten spielen auch oft an solchen historischen Orten, in Burgen und Schlössern. Was verbindest du mit diesen Orten?
Katja: Die Atmosphäre in den Gothic Novels hat mich ganz klar geprägt. Aber auch sonst ist das kein Zufall: Ich habe ja unter anderem Geschichte studiert und jahrelang ein Mittelaltermagazin geleitet. Ich bin auch selbst als Darstellerin und Journalistin auf Mittelaltermärkten und vereinzelt auch auf Live Action Role Playings (LARPs) unterwegs.

Das mit den LARPS klingt ja spannend. Wie funktioniert das denn genau?
Katja: Im Gegensatz zu Computer- oder Tischrollenspielen schlüpfen die Spieler in einem LARP auch physisch in ihre gewählte Rolle; das heißt, sie ziehen sich entsprechende Kleidung an und sprechen und benehmen sich so, wie sie denken, dass die von ihnen verkörperte Person es tun würde. Im Gegensatz zu Mittelaltermärkten finden LARPs unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich war meist als NSC dabei, als Nicht-Spieler-Charakter, der in verschiedene Rollen schlüpft und mit den Spielern interagiert. Einmal haben wir als feindliche Krieger ein Dorf angegriffen, dann wieder waren wir Zombies, die mitten in der Nacht die Spieler aus ihren Zelten gelockt haben.

Die Charaktere in deinen Geschichten beichten oft, bitten um Vergebung und sind sehr gottesfürchtig. Woran glaubst du?
Katja: Meine Charaktere tun das, weil sie, wenn sie an einen guten Gott glauben, auch leichter das Böse zu akzeptieren bereit sind. Eine Christin, die ich kenne, hat mir mal erzählt, dass es für sie nicht einfach ist, Gruselfilme zu schauen, weil sie Personifizierungen des Teufels oder ähnliches viel eher für real hält als andere das vielleicht tun würden und sich darum auch mehr fürchtet. Wenn sich meine Charaktere nicht fürchten würden, dann würden die Geschichten nicht funktionieren. Mit mir hat das allerdings nichts zu tun. Ich persönlich bin aus der Kirche ausgetreten, würde mich aber selbst schon als spirituell bezeichnen. Aber das ist ein anderes Thema …

Gibt es denn auch etwas an dir, das so gar nicht zu deiner düsteren Ader passt?
Katja: Ich schreibe auch in anderen Genres. Ich habe bereits einen historischen Roman und einen Fantasyroman vollendet. Auch Sachbücher sind in Vorbereitung.Und obwohl ich mich im Dunkeln sehr wohl fühle, liebe ich auch Sommer, Licht und viel Bewegung.

Vielen Dank für deine Zeit, Katja!

Das Interview führte Murielle Müller.

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